In einem Punkt sind sich beide Trainer einig: Der Rahmen für das Regionalligaspiel zwischen TSV 1860 II und der U23 des FC Bayern (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) könnte nicht besser sein.

Schon viele Tage vor dem „kleinen Derby“ war das Grünwalder Stadion ausverkauft, 12.500 Fans werden da sein, für Regionalliga-Verhältnisse fantastisch.

Die Rivalität zwischen Blauen und Roten ist groß, die Polizei ist alarmiert.

Begegnungen der Stadtrivalen elektrisieren München. Schon seit Ewigkeiten. Egal ob Profis oder Zweitvertretungen.

„Ein echtes Highlight“

Und so sagt 1860-Trainer Torsten Fröhling gegenüber SPORT1: „Das Drumherum dieser Partie ist bundesligareif. Das ist ein echtes Highlight. Nicht nur für die Fans, sondern auch für uns selbst.“

Bayern-Trainer Erik ten Hag stimmt bei SPORT1 zu: „So ein Spiel gibt die Extra-Motivation. Für unsere Spieler ist es eine lehrreiche Erfahrung.“

Die „Löwen“ haben an diesem sechsten Spieltag das Heimrecht. Ein richtiges Auswärtsspiel ist es für die Bayern jedoch nicht. Denn auch sie tragen ihre Heimspiele sonst im Grünwalder Stadion aus, das im Herzen vom Stadtteil Giesing liegt, der Heimat des TSV 1860 in München.

1860 startet besser

Der Nachwuchs der „Löwen“ erwischte einen glänzenden Saisonstart. 13 Punkte habe sie bisher gesammelt, acht mehr als die Bayern, die jedoch ein Spiel weniger bestritten haben.

Doch Zahlen interessieren vor dem Duell nur bedingt, „es geht um viel Prestige“, sagt Fröhling. „Für uns hat das Spiel einen Riesenstellenwert. Man merkt: In dieser Woche war der Einsatz von jedem Spieler nochmal größer, jeder will dabei sein, jeder will sich deutschlandweit im Fernsehen zeigen. Das ist ein riesiger Anreiz!“

Die Bayern sehen dieses Spiel vor allem als eines: als Feuertaufe. „In so einem Spiel sieht man, wer in so einer Atmosphäre bestehen kann. Nur solche Spieler können wir gebrauchen“, sagt ten Hag.

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Umbruch bei Bayern

Seine Mannschaft erlebte in der Sommerpause einen riesigen Umbruch. Von der Elf, die gegen Fortuna Köln den Aufstieg in der Relegation nur um Sekunden verpasste, seien nur noch zwei Spieler übrig, erklärt ten Hag.

„Wir mussten in dieser Saison bislang viel improvisieren. Wir hatten eine sehr kurze Vorbereitung und viele Spieler helfen in der Profimannschaft aus. Pep Guardiola braucht immer wieder Spieler, um sein Team für das Training aufzufüllen.“

Schweinsteiger fehlt

Vor allem jetzt, nach der WM. So wird etwa Kapitän Tobias Schweinsteiger, Bruder von WM-Held Bastian, am Dienstag nicht zur Verfügung stehen.

Ten Hag lässt das jedoch nicht als Ausrede gelten, sagt: „Wir werden allein schon für unsere Fans mehr als hundert Prozent geben, meine Spieler sind im totalen Derby-Fieber.“

Vorreiter bei Talentförderung

Beide Vereine behaupten von sich selbst, Vorreiter in der Nachwuchsförderung zu sein. Unrecht haben sie nicht. Beim FC Bayern sorgen derzeit Lucas Scholl, Gianluca Gaudino, Pierre Emile Hojbjerg und US-Stürmer Julian Green für Furore.

Alle stammen aus der eigenen Jugend, alle sollen nun unter Pep Guardiola zu Weltklasse-Spieler geformt werden. „Für die Spieler ist das eine sehr gute Erfahrung, sie können dann sehen, wie weit sie schon sind. Manche sollen ja auch längerfristig dort bleiben wie Gaudino und Scholl.“ Guardiola kündigte bereits an, dauerhaft auf die Nachwuchskräfte zu setzen.

Und die „Löwen“? Brauchen sich in der Hinsicht nicht zu verstecken. Die Liste der hervorgebrachten Profis ist lang. Die Bender-Zwillinge stehen etwa darauf, zuletzt schafften Stefan Aigner (Eintracht Frankfurt) und vor allem Kevin Volland (TSG Hoffenheim) den Sprung in die Fußballspitze.

Weigel vom Talent zum Kapitän der Profis

„Unsere Philosophie ist klar“, meint Fröhling, „wir geben den Spielern zwei, drei Jahre Zeit, sich in unserer U21 zu beweisen. Zu der Zeit stellen sie alles andere in den Hintergrund. Andere in ihrem Alter gehen ins Ausland und lernen eine Sprache, unsere Spieler schmeißen sich voll bei uns rein. Dann muss der Sprung klappen.“

Zuletzt gelang das Julian Weigl eindrucksvoll. Beim letzten Aufeinandertreffen der Münchner Zweitvertretungen – 1860 gewann das berauschende Spiel 2:1 – stand der 18-Jährige noch für die Fröhling-Elf auf dem Platz.

Heute, ein halbes Jahr später, ist er Stammspieler bei den Profis und wurde von Trainer Ricardo Moniz zum Kapitän ernannt.

Ohne die Suspendierten gegen Bayern

Allerdings wurde Weigl – wie auch seine Teamkollegen Gabor Kiraly, Vitus Eicher, Daniel Adlung und Yannick Stark – aus disziplinarischen Gründen vorerst wieder in die zweite Mannschaft versetzt.

Theoretisch hätten die Suspendierten aus dem Profikader gegen die Zweitvertretung der Bayern auflaufen können, doch am Dienstag bekam das Quintett frei.

Aufstieg als Ziel des FCB

Die Bayern halten trotz des verkorksten Saisonstarts an ihrem großen Ziel fest. Ten Hag betont: „Unser Ziel ist natürlich der Aufstieg. Als FC Bayern wollen wir immer in der höchsten Liga spielen. Ob der Aufstieg in dieser Saison ein realistisches Ziel ist, werden die nächsten Spiele zeigen.“

Eine bessere Möglichkeit, dies in dem brisanten Derby unter Beweis zu stellen, gibt es wohl nicht.