Journalisten – das ist das Erste, was man Nicht-Journalisten an dieser Stelle erklären muss – ist es an sich verboten, darüber zu schreiben, was Taxifahrer ihnen erzählen.
Es kommt schlicht nicht gut, wenn man Weltläufigkeit demonstrieren will.
Zu ungünstig wirkt der Eindruck, dass die komplexen, interkulturellen Korrelationen, die eine Journalistenreise stets auslösen, auf Unterhaltungen mit dem örtlichen Führer des Personentransportgefährts beschränkt sind.
Das Aufschreiben von Taxifahrer-Erzählungen ist für einen Journalisten folglich nicht erlaubt, es sei denn – auch das muss man Nicht-Journalisten immer dazu erklären – er leitet seinen Text mit der Information ein, dass Journalisten eigentlich ja nicht darüber schreiben dürfen, was Taxifahrer ihnen erzählen.
Taxifahrer also.
Es ist ja nicht so, als ob es prinzipiell nichts Erzählenswertes geben würde aus ihrem Beruf. Man blicke auf ein paar bekannte Vertreter unserer kulturellen Geschichte.
Der eiserne Gustav: Droschken- und Taxifahrer.
Die schnelle Gerdi: Taxifahrerin.
Robert de Niro in Taxi Driver: Taxifahrer.
Der Mann, der Mario Balotellis Maserati von Manchester nach London und zurück navigierte: Taxifahrer.
Man sieht, da waren doch so einige, deren Erzählungen die Niederschrift wert waren.
So wie auch diese Woche der Kollege, der in seiner dänischen Heimat in diese gewisse Episode geraten ist.
„Arsenal-Stürmer peitscht nackt ein Taxi aus“, wie es in der Fachpresse zu lesen ist: Nicklas Bendtner soll eine mit harten Worten ausgetragene Meinungsverschiedenheit mit dem Halter des Wagens auf besagte Art und Weise sanktioniert haben.
Nun weiß man natürlich nicht zu hundert Prozent, ob das genau so stimmt.
Gut möglich, dass die Fachpresse es etwas übertrieben hat in ihrer Begeisterung, doch einmal schreiben zu dürfen, was ein Taxifahrer ihnen erzählt hat.
Mag folglich sein, dass Nicklas Bendtner das Taxi in Wahrheit vielleicht lediglich halbnackt ausgepeitscht hat.
Oder dass er mit ihm nur harmlose Fesselspielchen ausprobiert hat – anstatt gleich zu einer vollwertigen Flagellation überzugehen.
Die Bewertung dieser Episode muss hierauf Rücksicht nehmen – ebenso wie auf den Grundsatz, der all denjenigen vertraut ist, die täglich akribisch in der Bibel lesen, als wenn es kein Morgen gäbe:
Derjenige von euch, der ohne Sünde ist, heißt es da, peitsche zunächst seine eigene Autotür nackt aus.
Doch auch unter Berücksichtigung all dieser Umstände bleibt ein ungünstiger Eindruck haften: Der, dass Nicklas Bendtner ein gewisser Respekt vor dem Berufsstand des Taxifahrers abzugehen scheint.
Die Folge beim Betrachter ist der unbestimmte Wunsch, er möge bei seiner nächsten Fahrt doch eher auf den eisernen Gustav anstelle der schnellen Gerdi treffen.
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