Viele Anhänger von Fortuna Düsseldorf hatten den Mai längst als Endpunkt einer ersehnten Reise markiert. Als Monat des Triumphs, der Erlösung, der großen Szenen. Spieler, die jubelnd über den Rasen laufen, Fans, die sich in den Armen liegen und „Nie mehr 2. Liga“ grölen.

All diese Bilder ließen sich am Samstag vergangener Woche tatsächlich beobachten – aus Sicht der Fortuna allerdings mit einem entscheidenden Schönheitsfehler. Denn in dem Moment, in dem der Fußball wieder seine großen Gefühle entfaltet, durften es nicht die Rheinländer sein, die sie auslebten. Die Emotionen: vorhanden, nur am falschen Ort.

Düsseldorf musste als Gegner des FC Schalke 04 aus nächster Nähe mitansehen,  wie ein anderer Traditionsverein die Rückkehr in die Bundesliga feierte – und das auch noch, während man selbst in den Abgrund blickt. 34 Punkte, gerade einmal 30 erzielte Treffer, Tabellenplatz 16.

Torwart Florian Kastenmeier war nach der Pleite auf Schalke enttäuscht
Torwart Florian Kastenmeier war nach der Pleite auf Schalke enttäuschtTorwart Florian Kastenmeier war nach der Pleite auf Schalke enttäuscht© IMAGO/Sven Simon

Es sind Zahlen des Schreckens, die der Klub im Mai 2026 präsentiert. Mehr denn je droht der bittere und schmerzhafte Fall in die 3. Liga. Schon am Sonntag könnte die stolze Fortuna auf einen direkten Abstiegsplatz rutschen. Im heimischen Stadion (ab 13.30 Uhr im LIVETICKER) erwartet sie mit der SV Elversberg den Tabellenzweiten, der mit einem Sieg den sensationellen Aufstieg so gut wie perfekt machen könnte.

Zeitgleich tritt die SpVgg Greuther Fürth in Berlin bei Hertha BSC an und könnte die Fortuna vom Relegationsplatz verdrängen, wenn sie ein besseres Resultat erzielt als Düsseldorf. Bereits am Samstag gewannen mit dem 1. FC Magdeburg und Eintracht Braunschweig zwei direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt und erhöhten damit den Druck auf die Fortuna zusätzlich, die vor einem kompletten Debakel steht.

Fortuna bleiben nur noch zwei Möglichkeiten für die Rettung

Einst als Aufstiegsaspirant mit großen Hoffnungen in die Saison gegangen, ist bei der Fortuna die Abstiegsangst allgegenwärtig. Dabei geriet die Partie auf Schalke trotz der 0:1-Niederlage in mancher Hinsicht sogar zu einem Mutmacher. Lange hielt die Mannschaft mit dem Spitzenreiter der 2. Bundesliga mit, verteidigte stark, hatte eigene spielerische Akzente und präsentierte sich körperlich stabil bis in die Schlussphase. Etwas, das in dieser Spielzeit keineswegs selbstverständlich war. „Entscheidend war, dass wir mit der richtigen Einstellung aufgetreten sind“, analysierte Trainer Alexander Ende hinterher: „Man hat gesehen, dass das Team lebt.“

Doch unterm Strich war das angesichts der prekären Lage trotzdem zu wenig. Zum zwölften Mal schoss die Offensive kein Tor, zugleich setzte es die schon 18. Niederlage der Saison. Düsseldorfs Sorgen sind damit nicht kleiner geworden, im Gegenteil: Der Faktor Zeit drängt immer stärker. „Wir haben nicht mehr viele Spiele, da ist es ein guter Ansatz, trotzdem haben wir verloren“, weiß auch Ende. Nur zwei Gelegenheiten zur Rettung bleiben – gegen Elversberg und am letzten Spieltag beim direkten Konkurrenten in Fürth. Und für den Moment beschäftigen vor allem diese brennenden Fragen: Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Und kam der zweite Trainerwechsel für den Klassenverbleib zu spät?

Fortuna Düsseldorf und der vermasselte Transfersommer

Eine zentrale Ursache für die Schieflage lässt sich im vergangenen Sommer ausmachen. Unter der Leitung des inzwischen abgetretenen Sportvorstands Klaus Allofs und des Sportdirektors Christian Weber geriet die Transferperiode zu einem folgenschweren Fehlschlag. Die Abgänge mehrerer tragender Säulen – darunter André Hoffmann, Marcel Sobottka, Jamil Siebert und Isak Johannesson – wurden nicht kompensiert. Stürmer Cedric Itten erweist sich mit 13 Saisontreffern zwar als verlässliche Konstante. Doch daneben stehen zahlreiche Verpflichtungen, die entweder kaum Wirkung entfalten, dauerhaft angeschlagen sind oder schlicht nicht halten, was sie versprachen.

„Ich habe von der sportlichen Seite natürlich meinen Anteil daran. Wir haben einen ganz schlechten Transfersommer gehabt“, räumte Allofs im April ein, der in der Hinrunde bei vielen Anhängern für Kopfschütteln und Unverständnis auslöste. Nachdem die Fortuna nach einem schwachen Saisonstart ihre Aufstiegshoffnungen früh begraben musste, bestritt der 69-Jährige öffentlich, im Vorfeld der Saison entsprechende Ziele ausgegeben zu haben. Medien, die ihn anders zitiert hatten, warf er falsche Berichterstattung vor. Allerdings existieren aus den Monaten Juli und August mehrere Aussagen, die diese Darstellung konterkarieren.

Fortuna Düsseldorf droht der Abstieg in die 3. Liga
Fortuna Düsseldorf droht der Abstieg in die 3. LigaFortuna Düsseldorf droht der Abstieg in die 3. Liga© IMAGO/Revierfoto

All das spiegelte sich im Gesamtauftritt der Fortuna wider – auf wie neben dem Platz. Vieles wirkt unglücklich, phasenweise ratlos, häufig begleitet von individuellen Fehlern. Hinzu kommt ein Kader, der nie wirklich zusammenfand. Was in den erfolgreichen Vorjahren ein Schlüssel des Erfolgs gewesen war, ging der Mannschaft diesmal ab. Weder Daniel Thioune noch sein Nachfolger Markus Anfang fanden dafür eine tragfähige Lösung, auch der jetzt installierte Alexander Ende konnte daran bislang nichts Grundlegendes ändern. Und die Lage birgt weiteres Gefahrenpotenzial: Sollte Düsseldorf tatsächlich den Gang in die 3. Liga antreten müssen, droht gleich die nächste heikle Phase.

Kommt es in Düsseldorf zu einem Vertragsdilemma?

Denn nach Informationen der Bild ist auch die vertragliche Lage alarmierend. Gerade einmal sieben Spieler, die aktuell für die Fortuna auflaufen oder verliehen sind, besitzen Verträge, die für die 3. Liga gelten würden. Für die übrigen 28 Profis endet das Arbeitspapier im Abstiegsfall automatisch – sie könnten den Klub im Worst Case ablösefrei verlassen. Während der neue Sportvorstand Sven Mislintat bei den von ihm im Winter verpflichteten Spielern Satoshi Tanaka, Kilian Sauck und Jordi Paulina auf entsprechende Sicherungen bestand, hatten seine Vorgänger Klaus Allofs und Christian Weber für dieses Szenario nicht vorgesorgt.

Eine besondere Brisanz erhält das Spiel am Sonntag gegen Elversberg auch dadurch, dass mit Weber einer der Verantwortlichen der Misere mittlerweile in gleicher Funktion wie zuvor bei Fortuna für die Saarländer arbeitet. Spätestens dann geht es für den Traditionsklub um nicht weniger als seine Zukunft im Profifußball. Unter Ende ist zwar eine gewisse Stabilisierung erkennbar. Ob dieser Fortschritt aber für die Rettung reicht oder der zweite Trainerwechsel der Saison wirklich zu spät vollzogen wurde, muss sich zeigen. Ein Sieg gegen Elversberg ist nahezu Pflicht, bevor es kommendes Wochenende zum Endspiel bei den ebenfalls abstiegsbedrohten Fürthern kommt.

Misslingt der Klassenerhalt, bleibt von dieser Saison wenig außer Krisen, Spott – und reichlich Galgenhumor. Beim jüngsten Trainerwechsel von Anfang zu Ende überschlugen sich Wortspiele und ironische Kommentare im Internet. Von „Nach Anfang kommt Ende“ bis „Schluss mit Anfang, Neubeginn mit Ende“ reichte die Palette. Sollte die Fortuna tatsächlich absteigen, dürfte diese bittere Ironie rasch zurückkehren. Sätze wie „Jetzt ist auch Ende am Ende“ oder das naheliegende „Tschüsseldorf“ wären wohl nur eine Frage der Zeit.