Ralf Fährmann hat nach seinem offiziellen Abschied vom Profifußball auf seine bewegte Karriere und vor allem auf die Zeit bei seinem Herzensklub FC Schalke zurückgeblickt.

Die Liebe zu Königsblau ist bis heute „abgöttisch“, wie er im Interview mit Transfermarkt versichert – obwohl sein Abschied vor einem Jahr nicht gänzlich geräuschlos über die Bühne ging: „Das wird sich auch nicht ändern, nur weil sich ein paar handelnde Personen im Verein mir gegenüber nicht wirklich fair verhalten haben. Ich trage den Mythos Schalke immer im Herzen.“

Los ging alles mit einem Treffen mit dem legendären Rudi Assauer: „Ich komme aus einer Zeit, da hat man die Fußball-Infos über den Teletext ab Seite 200 bekommen. Entsprechend war die damalige Einladung schon etwas ganz Besonderes.“

Kein Toptalent, aber ein Bekloppter

Assauer ,“einer der letzten echten Typen im Profifußball“, habe dann auch gleich Eindruck hinterlassen: „Als ich damals das erste Mal in seinem Büro saß, hat mich seine Präsenz schon eingeschüchtert. Vor allem, als er seine Zigarre angezündet und dann erst einmal genüsslich gequalmt hat.“

Bei Schalke stieg Fährmann zur Nummer eins auf, auch wenn er seinen Angaben zufolge „nie das große Torwarttalent“ gewesen sei. Er komme aber eben aus einer Arbeiterfamilie und habe sich nie ausgeruht.

Manchmal wurde der große Eifer sogar zum eigenen Nachteil: „Ich war ein wahnsinnig Bekloppter im positiven wie auch im negativen Sinn. Im negativen Sinn, weil ich sehr häufig auf die Warnzeichen meines Körpers nicht geachtet habe. Ich habe mit vielen Verletzungen gespielt, bei denen eine Pause angebracht gewesen wäre.“

Zu den schweren gesundheitlichen Tiefschlägen seiner Karriere zählt Fährmann unter anderem einen Kreuzbandriss und einen Handbruch. Fährmann beschrieb sich als „absolut Getriebener“, der es verpasst habe, die schönen Momente wirklich zu genießen.

„Ein echter Mann durfte nicht weinen“

Den mentalen Herausforderungen des Profisports sei er sich derweil schon früh bewusst gewesen: „Als ich mit Fußball angefangen habe, war es verpönt, über Versagensängste zu sprechen. Ein echter Mann durfte nicht weinen oder gar eine Schwäche zeigen“, erklärte er.

Zum Glück habe sich das geändert: „Du kannst nur Leistung abrufen, wenn du im kompletten Einklang mit dir selbst bist. Ich habe frühzeitig verstanden, wie wichtig mentales Training ist, aber auch Themen wie positive Gedanken, Autosuggestionen oder Affirmationen.“

Und so absolvierte Fährmann fast 300 Spiele für S04, ein echter Leistungsträger eben: „Meine Einstellung war immer: Der Stürmer spürt erst meine Aura, bevor ich seine spüre. Ich war in mir so gefestigt, dass ich viele Stürmer zu einer unbewussten Reaktion gezwungen habe.“

Als Schalke Fährmann erneut überwältigte

Weil er stets von sich überzeugt war, hätte er sich auch einen Einsatz im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zugetraut: „Mein morgendlicher Kaffee schmeckt auch ohne Länderspiel in der Vita gut, aber ganz wertneutral hätte ich aufgrund meiner Leistungen über Jahre hinweg eine Nominierung und zumindest ein Länderspiel verdient gehabt.“

Als er nach den schlimmsten Erfahrungen seiner Laufbahn gefragt wurde, richtete er den Blick schnell auf den Abstieg mit Schalke in die 2. Liga: „Das waren die schwersten Wochen für mich. Es war extrem belastend, weil du wusstest, du bist für den Abstieg mitverantwortlich.“

Im Körper habe er „eine extreme Enge“ gespürt. Und doch habe ihn das Negativerlebnis die besondere Lektion Schalkes auf ein Neues gelehrt: „Als ich zum ersten Training gefahren bin, bin ich fast vom Glauben abgefallen: Da standen Tausende und haben uns gepusht. In diesem Augenblick habe ich noch mehr verstanden, was den Mythos Schalke 04 ausmacht: Wir stehen zu euch, ihr steht zu uns.“

„Ich liebe den Verein abgöttisch“

Schalke sei für die Menschen nicht nur ein Klub, „es ist Liebe, Identifikation und Halt. Eher würden die Menschen auf ihr Mittagessen verzichten, als sich keine Karte für den Klub zu holen.“

Und das Urgestein Fährmann verkörpert diese Leidenschaft mehr als fast alle anderen. „Echte Liebe“ mag ein Slogan des Erzrivalen Borussia Dortmund sein, doch der Ausdruck trifft den Nagel auf den Kopf.

Entsprechend fiel auch Fährmanns Botschaft zum Abschied aus: „Ich liebe diesen Verein abgöttisch, ich bin den Fans unendlich dankbar für die Unterstützung all die Jahre.“

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