Vor ziemlich genau zwei Monaten war für mich St. Pauli-Premiere in dieser Saison, als Kommentator unseres Top-Spiels am Samstagabend. Der FC Schalke 04 war zu Gast am Millerntor, und vor da noch erlaubten 20.000 Zuschauern erlebten wir nicht nur einen atmosphärisch emotionalen Fußballabend, sondern auch ein klares fußballerisches Statement des Gastgebers. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 2. Bundesliga)
Der FC St. Pauli überzeugte mit Laufstärke, spielerischer Leichtigkeit, Burgstallers Wucht im Abschluss und gewann bis auf eine etwas wacklige Schluss-Viertelstunde souverän mit 2:1. Am Ende dieses Spieltags standen die Hamburger 9 Punkte vor Schalke, waren Tabellenführer und aussichtsreichster, überzeugender Aufstiegskandidat dieser zweiten Liga. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga)
St. Pauli seit vier Spielen ohne Sieg
Was dieser Fußball immer wieder mit uns macht. Am Samstag ist wieder Top-Spiel am Millerntor, aber die Vorzeichen haben sich völlig verändert. Denn seit jenem ausstrahlungsvollen Heimsieg gegen Schalke konnte St. Pauli in der Liga nicht mehr gewinnen. Nur Unentschieden in Düsseldorf, emotional überrollt in Kiel, der erste Nicht-Heimsieg der Saison gegen Aue und jetzt auch noch die Derby-Niederlage obendrauf. Macht zusammen lauter böse Fakten nach nun 4 Ligaspielen ohne Sieg und als Drittletzter der Rückrundentabelle.
Natürlich gab es zwischendurch diese mitreißende Pokal-Sensation gegen Dortmund. Sowas kann beflügeln, aber manchmal auch vom Wesentlichen ablenken. Letztlich ist nämlich für St. Pauli die Chance zum Wiederaufstieg viel wertvoller und wichtiger als ein paar Tage „Pokal-Tamm-Tamm“! (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)
Die alte Geschichte halt, dass es deutlich leichter ist, über eine Euphorie nach oben zu gelangen, als dann auch dort zu bleiben. Das „Dino-Trio“ ist mittlerweile übel rangerückt in der Tabelle und St. Pauli hat plötzlich Druck statt Euphorie. Und so wird das Spiel am Samstag für mich zum mentalen Krimi. Kann die Mannschaft von Timo Schultz gegen die auswärts unbesiegten Paderborner ein Zeichen setzen und den zehnten Sieg im elften Saison-Heimspiel holen?
Ein Sieg als Signal?
Es wäre ein so wichtiges Signal an die Konkurrenz und besonders für die eigenen Köpfe. Gelingt dies nicht, ist Platz zwei wohl erst mal weg und der schlechte Trend noch deutlicher bestätigt.
Also, St. Pauli braucht einen Sieg für die Seele. Aber die „Kwasnioks“ aus Paderborn haben sich längst zum Qualitätsprodukt in dieser Liga entwickelt und unlängst gegen Bremen trotz der Niederlage wieder mal gezeigt, zu welchen Leistungsexplosionen sie fähig sind. Auf St. Pauli wartet also ein vom Prinzip sehr anspruchsvoller Gegner und auf uns ein vermutlich turbulentes Spiel.
Ausgerechnet in dieser heiklen Phase bekommt St. Pauli über Umwege Hilfe von einem alten Bekannten. Max Kruse, der ja selber drei Jahre für den Kiez-Club kickte, hilft Hamburg! Warum? Ganz einfach. Der Domino-Effekt. Kruse wechselte ja diese Woche überraschend nach Wolfsburg. Nur deshalb brauchte Union kurzfristig Ersatz und schnappte sich den Paderbornern Sven Michel. Der SC Paderborn verlor damit unter der Woche seinen absoluten Schlüsselspieler, seinen Top-Scorer, den mit 61% Torbeteiligung „Most Valuable Player“ der gesamten zweiten Liga.
Natürlich hört man aus Paderborn, dies sei zu kompensieren und auch Chance statt Verlust. Das glaube ich, ehrlich gesagt, nicht. Aber dann sind wir doch mal gespannt auf Samstag. Kann Paderborn auch ohne Michel „Spektakel spielen“? Oder kriegt St. Pauli die Kurve in der kleinen Krise?
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