Ralf Rangnick fiel in seinem roten Poloshirt und den dunkelblauen Jeans kaum auf.
Die Galavorstellung von RB Leipzig verfolgte der Sportdirektor mitten aus dem Fanblock und quittierte das souveräne 3:0 (1:0) bei 1860 München mit einem genüsslichen Dauerlächeln.
Der Konkurrenz dürfte der starke Auftritt des Aufsteigers allerdings eher die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Der finanzstarke Emporkömmling mischt auch in der Zweiten Liga (Topspiel Greuther Fürht – 1. FC Nürnberg ab 19.45 LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) von Anfang an ganz vorne mit.
Zurückhaltung statt großer Worte
Vom Durchmarsch in die Bundesliga spricht in Leipzig natürlich niemand, bereits vor der Saison hat der Klub markige Kampfansagen vermieden und setzt stattdessen auf Zurückhaltung.
„Hohe Schule“ nannte es Trainer Alexander Zorniger dann aber doch, was RB beim ersten Zweitligasieg der Vereinsgeschichte in München zeigte: „Ich war sehr beeindruckt von meiner Mannschaft.“ Rangnick nannte die Leistungen der RB-Profis Rani Khedira, Yussuf Poulsen und Joshua Kimmich folgerichtig „überragend“.
Poulsen zeigt sein Potenzial
Vor allem der dänische Nationalspieler Poulsen (20) deutete sein enormes Potenzial an. Gegen Aufstiegskandidat München erzielte der Angreifer nicht nur den ersten Treffer (39.), er war von den „Löwen“ auch nie zu stoppen. Matthias Morys (68.) und Denis Thomalla (82.) sorgten vor 32.000 Zuschauern, davon 2000 aus Leipzig, für die Entscheidung.
So klangen die Leipziger Tore bei SPORT1.fm
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Ein vergebener Elfmeter von Kapitän Daniel Frahn störte am Ende niemanden mehr – nur ihn selbst. „Den nächsten nagel ich wieder rein“, schrieb er bei Facebook.
Erster Dreier in Liga zwei
„Wir sind auf dem richtigen Weg, aber wir haben erst zwei Spiele gemacht. Natürlich wollen wir aber immer auf die drei Punkte gehen“, sagte Poulsen nach vier Zählern aus zwei Begegnungen.
Am Sonntag (18.30 Uhr) kann er mit seinen Kollegen für den nächsten Paukenschlag sorgen – dann geht es in der ersten Runde des DFB-Pokals in der heimischen WM-Arena gegen Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn. `Wir werden den positiven Schwung mitnehmen“, versprach Kimmich.
Kritik am RB-Geschäftsmodell
Weniger positiv waren die neuerlichen Anfeindungen gegen den von einem österreichischen Brausehersteller finanzierten Klub. Während ein angekündigter Protestmarsch der 1860-Fans unter dem Motto „Alle gegen Kommerz!“ mit 150 Teilnehmern eher zur Lachnummer wurde, hielten einige Anhänger der Münchner während der Begegnung am Sonntag im Stadion eindeutige Spruchbänder in die Luft.
„Noch schlimmer als eine dumme Idee, sind die Menschen, die ihr blind folgen. Gegen Red Bull und seine Anhänger“, war auf einem zu lesen. Auf einem weiteren Banner stand: „Leidenschaft und Tradition – ihr seid kein Teil davon.“
Fanklubs verbünden sich
Erst in der Vorwoche hatten sich Fanklubs aus ganz Deutschland unter dem Leitspruch „Nein zu RedBull!“ verbündet und machen kräftig Stimmung gegen die Sachsen.
Das „Kunstprodukt“ ist vielen vermeintlichen Fans von Traditionsklubs weiterhin ein Dorn im Auge. In Leipzig hat man sich unfreiwillig längst an die Verunglimpfungen gewöhnt und konzentriert sich lieber auf das Sportliche. Bisher mit Erfolg.