Hallo Zweitliga-Freunde,

so wie das Montagsspiel stelle ich mir Zweitliga-Fußball vor. Spannung, Dramatik, Tempo: Da war wirklich alles dabei.

Dazu die irre Geschichte um den 18-Jährigen Julian Weigl, der jetzt Löwen-Kapitän ist. Warum Trainer solche Entscheidungen treffen, bleibt mir ein Rätsel.

Im Grunde kann es nicht sein, dass ein 18-Jähriger in einer Gruppe gestandener Profis oder auch einer neu zusammengestellten Mannschaft Kapitän wird. Das entspricht auch nicht einer fürsorglichen sportlichen Entwicklung beziehungsweise Begleitung in das Profifußballerleben.

Ich finde diese Personalideen der jeweiligen Fußballlehrer unverantwortlich gegenüber des gesamten Fußball-Unternehmens. Das ist aus meiner Sicht ohne jegliche Führungskompetenz entscheiden worden.

Woher soll der Junge denn die nötige Reife besitzen, um in brenzligen Situation entsprechende Akzente zu setzen? Am vergangenen Montag konnten wir diese Überforderung leider schon sehr gut verfolgen.

Das ist insgesamt nicht böse gemeint. Doch es gibt soviele Situationen in einer Zweitliga-Mannschaft, die intensive interne Führung benötigen. Ich denke an diese komplexen Vorgänge einer Mannschaft, die ohne Trainer geklärt werden.

Da ist das Durchsetzen von Prinzipien gefragt sowie die Voragbe einer klaren Richtung außerhalb wie innerhalb des Platzes. Ein junger Mann von 18 Jahren sollte diese Aufgabe nicht bekommen.

Am Ende sind es unter anderem genau diese elementaren Kleinigkeiten, die über Erfolge entscheiden und den Unterschied ausmachen. Dort einen Fehler zu produzieren, ist nicht notwendig.

Auf Seiten der Lautrer war ich irritiert von Srdjan Lakic. Der hat zwar in der Spielgestaltung kaum stattgefunden, aber dennoch zwei Tore gemacht.

Da muss ich mich bei ihm entschuldigen, weil ich letztens noch gesagt habe, dass ich nicht glaube, dass er funktionieren wird. Und jetzt macht er zwei Buden.

Trotzdem glaube ich nicht, dass Lautern nun durchmarschieren wird. Sie haben ein grandioses Spiel hingelegt, haben eine tolle Moral gezeigt, aber die Zweite Liga ist ein hartes Brot.

Es warten schwere Spiele in Sandhausen oder gegen Aalen. Das sind diese Gegner, die in der Vergangenheit keinen Favoriten Freude bereitet haben.

Nürnberg, der wohl größte Favorit auf den Aufstieg, hat einen guten Eindruck hinterlassen, auch wenn der Druck groß ist.

Sie werden sich natürlich noch finden müssen und das wird auch eine Weile dauern, aber für das erste Spiel war es recht ordentlich.

Dass zum jetzigen Zeitpunkt nicht alles hundertprozentig funktioniert, ist klar, aber um Nürnberg mache ich mir keine Sorgen.

Auch die restlichen Favoriten wie Fürth oder St. Pauli haben keinen Fehlstart hingelegt und zumindest einen Punkt geholt. Der erste Spieltag hat gezeigt, was alle erwartet haben.

Wir werden eine sehr spannende Saison mit vielen knappen Spielen erleben. Die geistige und körperliche Frische auf den Spieltag genau wird mehr denn je der Schlüssel zum Erfolg sein.

Wenn sich dazu die fußballerische Qualität in den Spiele noch steigert und der ein oder andere Fußballlehrer nicht nur zur Joberhaltung die Taktik auswählt, sondern schnellen aggressiven Ballbesitzfußball vermittelt, wird es wirklich die stärkste Zweite Liga geben, die es je gab.

Euer Christian Beeck

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck seit dieser Saison das Geschehen rund um die Zweite Liga.