Es gibt kaum jemanden, dem Darts so sehr seinen Stempel aufgedrückt hat wie er. Der auch Gelegenheitszuschauern so sehr im Gedächtnis bleibt – auch wenn viele ihn gar nicht sehen.

Russ Bray, der Mann mit der unverwechselbaren Reibeisenstimme, wenn er in völliger Inbrunst sein rauchiges „Onehuuuundredandeeeeeiiightyyy“ ins Mikrofon schmettert, ist eine Institution seiner Sportart. Die nun vor ihrem letzten Hurra steht.

Bei der anstehenden WM im Alexandra Palace (ab 15. Dezember LIVE auf SPORT1) wird „The Voice“ nun ein letztes Mal auf der großen Bühne erklingen, wie der Kult-Caller und -Schiedsrichter in dieser Woche bekannt gab. Bray hat maßgeblichen Anteil daran, dass Darts in den vergangenen Jahrzehnten vom Kneipensport zum hallenfüllenden Spektakel geworden ist – und hinterlässt eine große Lücke, die schwer zu füllen sein wird.

Russ Brays Stimme gehört zum Darts

„Russ‘ Stimme ist ein Synonym für unseren Sport“, sagte Geschäftsführer Matthew Porter von der Professional Darts Corporation (PDC) über den 66-Jährigen, der am 3. Januar sein letztes WM-Finale leiten wird.

Nicht ohne Grund lassen sich Fans und sogar die Stars der Szene von Bray Mailbox-Ansagen einsprechen, selbst eine Zähl-App mit der markanten Stimme ist auf dem Markt. Auch diverse Werbekunden und Promoter anderer Sportarten haben sich Brays Stimme schon geliehen, er war auch mal Ringsprecher eines Kampfabends mit dem deutschen Ex-Weltmeister Arthur Abraham.

Im Zuge des globalen Darts-Booms bereiste Bray die Welt: der frühere Verkehrspolizist aus der Kleinstadt South Ockendon in der Grafschaft Essex wurde von Veranstaltern auf mehreren Kontinenten gebucht, die das Ziel hatten, das authentische Ally-Pally-Feeling zu verströmen.

„Du bist der Boss da draußen“

„Man muss selbstbewusst sein – und Spaß an der Sache haben“, beschrieb Bray in diesem Jahr bei SPORT1 das Geheimnis eines guten Callers: „Aber man muss auch gut zählen und rechnen können, das Board und die Bühne überblicken. Du bist der Boss, der da draußen die Verantwortung hat.“

Seit 1996 steht Bray – der versichert, dass seine Stimme naturgegeben ist und nicht von Whisky und Zigaretten beeinflusst ist – neben dem Board. Bei einer Ligapartie sprang der früher auch als Spieler aktive Szeneveteran einst für einen fehlenden Caller ein – der Rest ist Kult.

Mit seinen berühmten Ansagen begleitete er die großen Momente des Sports, etwa das legendäre WM-Finale 2007 zwischen Taylor und Raymond van Barneveld, Taylors ersten Neun-Darter vor TV-Kameras 2002 oder van Gerwens 17 perfekte Darts. Mit 66 Jahren sieht Bray dennoch nun die Zeit gekommen, kürzer zu treten und jüngeren Kollegen die Bühne zu überlassen: „Ich bin jetzt ein alter Mann. Wir haben ein paar spannende Youngster die nach oben treten, darum denke ich, dass jetzt der richtige Moment ist.“

Erhalten bleiben wird Bray dem Sport auch weiterhin, die PDC schuf eigens für ihn die Rolle des Botschafters: Zudem wird „The Voice“ noch auf der World Series, bei Show-Turnieren etwa in den USA, Australien oder Bahrain, im Einsatz sein – und sicherlich die eine oder andere „Onehuuuundredandeeeeeiiightyyy“ callen.

—–

Mit Sport-Informations-Dienst (SID)