Bei der Darts-WM sorgte Gabriel Clemens durch sein Halbfinal-Einzug für eine Sensation und löste in Darts-Deutschland Begeisterung aus (die Premier League Darts ab 20 Uhr LIVE im TV und Stream auf SPORT1).
Seit diesem unglaublichen Erfolg tut sich die deutsche Nummer eins jedoch schwer und sucht im aktuellen Kalenderjahr noch nach seiner überragenden Form aus dem Alexandra Palace.
Wie er selbst seine aktuelle Form einschätzt und wo er aktuell seine größte Baustelle sieht, erklärt Clemens im exklusiven SPORT1-Interview. Zudem spricht er über den Hype um seine Person, seine Rolle als deutsche Nummer eins und gibt ein Wiesn-Versprechen ab.
SPORT1: Hallo Herr Clemens, Sie sehen gut aus in Tracht. Wie fühlt es sich für Sie an?
Gabriel Clemens: Vielen Dank. Ich bin erstaunt, denn ich fühle mich wirklich gut. Die Tracht ist sehr angenehm zu tragen.
Clemens kündigt Besuch auf den Wiesn an
SPORT1: Jetzt geht es mit Ihrer Freundin bestimmt auch auf die Wiesn oder?
Clemens: Ja, aus der Nummer komme ich nicht mehr raus (lacht).
- „Checkout – Der Darts-Podcast powered by SPORT1″ – bei SPORT1, Spotify, Apple Podcast und überall, wo es Podcasts gibt
SPORT1: Das Dirndl steht ihr auf jeden Fall ganz hervorragend. Wir sehen uns zum ersten Mal seit der WM. Was hat sich seitdem verändert?
Clemens: Eigentlich nicht viel. Ich werde jetzt auf der Straße häufiger erkannt und es gibt mehr Auftritte. Aber ansonsten hat sich in meinem Leben nicht wirklich viel geändert.
SPORT1: Medientermine wie der heutige sind bestimmt auch häufiger geworden. Haben Sie sich mittlerweile daran gewöhnt?
Clemens: Grundsätzlich ist es eine schöne Anerkennung, dass man für solche Sachen angefragt wird. Wenn ich nicht erfolgreich gewesen wäre, hätte mich keiner gefragt. Von daher ist es eine gute Sache.
SPORT1: Sie haben gesagt, dass Sie nun häufiger erkannt werden. Gab es schon eine kuriose Situation?
Clemens: Nein, eigentlich gar nicht. Die Menschen sind immer nett, fragen nach dem Bild oder nach einem Autogramm. Das erfülle ich dann gerne.
Clemens hofft auf deutschen Darts-Hype
SPORT1: Lassen Sie uns den Blick aufs Sportliche werfen. Wie würden Sie Ihr Jahr bis hierhin bewerten?
Clemens: Ich glaube, dass es spielerisch ganz gut ist. Ich glaube, ich spiele sogar besser als letztes Jahr. Die Ergebnisse passen bis jetzt noch nicht so ganz, aber so ist es halt. Ich mache immer weiter und irgendwann wird es auch wieder anders laufen.
SPORT1: Sie haben es bei der WM bis ins Halbfinale geschafft, das hat eine enorme Bedeutung für Darts-Deutschland. Glauben Sie, dass dadurch Darts auf die nächste Stufe gehoben wurde?
Clemens: Das wird man sehen. Ich glaube, dass es über Jahre wachsen muss. Vielleicht war mein Erfolg ein Anschub dafür. Wenn dadurch viele junge Spieler nachrücken und immer mehr Jugendliche Darts spielen, kann der Sport in Deutschland noch größer werden.
SPORT1: Merken Sie das persönlich? Bekommen Sie beispielweise Nachrichten von jungen Talenten?
Clemens: Ja, ich bekomme bei Instagram und Facebook viele Fragen. Ich komme gar nicht dazu, alle zu beantworten. Aber wenn ich sowas lese und das ist ein junger Kerl, dann gebe ich ihm gerne ein paar Tipps.
Clemens verrät seine größte Baustelle
SPORT1: Wir stehen jetzt im April. Wann fängt man als Star-Spieler an, in Richtung WM zu denken?
Clemens: Jetzt noch nicht. Damit beschäftige ich mich immer so ab November, wenn das letzte Match gespielt wurde. Dann sind es noch drei, vier Wochen bis zur WM und dann fängt man damit an.
SPORT1: Trotzdem wird man als Star-Spieler immer an der WM gemessen. Wann würden Sie sagen, wäre das Jahr 2023 für Sie ein gutes Jahr?
Clemens: Wir sind erst im April. Ich habe also noch lange Zeit und …
Der deutsche Darts-Profi Gabriel Clemens äußert sich über seine bisherige Leistung in diesem Jahr und gibt seine Ziele für diese Dartsaison bekannt.
SPORT1: Man muss aber Ziele haben.
Clemens: Ein Ziel hat man immer. Ich will bei jedem Turnier so weit kommen, wie es geht. Aber jetzt raushauen, dass ich ein Turnier gewinnen will und es nachher nicht schaffe, bringt auch nichts. Von daher will ich einfach gut spielen, denn wenn man gut spielt, wird man auch erfolgreich sein.
SPORT1: Wo sehen Sie denn Verbesserungspotenzial in Ihrem Spiel?
Clemens: Ich glaube, dass man gerade in den letzten Spielen gesehen hat, dass ich in den entscheidenden Momenten den ein oder anderen Dart auf Doppel nicht genutzt habe. Da arbeite ich im Moment dran, vielleicht auch vor dem letzten Dart nochmal abzusetzen und so noch eine Sekunde rauszuholen, in der ich mich wieder konzentrieren kann. Das ist aber schwer, denn schließlich habe ich in den letzten 20 Jahren meinen Ablauf verinnerlicht.
Clemens traut Schindler Turnier-Sieg zu
SPORT1: Sie sind die deutsche Nummer eins. Ist das für Sie mehr ein Ansporn oder spüren Sie auch etwas Druck?
Clemens: Ich glaube, dass es beides ist. Natürlich hat man Druck, aber den mache ich mir auch selbst, weil ich erfolgreich spielen will. Es ist eher eine Auszeichnung und ein schönes Gefühl, die Nummer eins in Deutschland zu sein.
SPORT1: Wen sehen Sie so im Moment unter den absoluten Top-Spielern, vor allem mit Blick auf die deutschen Spieler?
Clemens: Bei den Deutschen spielt Martin Schindler im Moment fantastisch. Er ist schon in den Top 32. Er ist mit Sicherheit im Moment der Beste neben mir.
SPORT1: Was trauen Sie ihm zu?
Clemens: Alles. Martin hat es dieses Jahr schon gezeigt, er war im Halbfinale bei der European Tour. Deswegen kann er mit Sicherheit auch mal ein Turnier gewinnen.
Clemens erklärt starken Auftritt an der Torwand
SPORT1: Wir haben gerade über Druck gesprochen. Der 1.FC Saarbrücken hat auch Druck. Kann er noch aufsteigen?
Clemens: Ich hoffe es. Aber schlechte Frage. (lacht) Es ist ein sensibles Thema, ein sehr sensibles Thema.
SPORT1: Dann kommen wir zu einem etwas angenehmeren Thema. Ich war sehr beeindruckt von Ihrer Performance an der Torwand bei den Kollegen vom Sportstudio. Das haben Sie aber nicht zum ersten Mal gemacht, oder?
Clemens: Natürlich nicht. Ich habe früher Fußball gespielt, aber jetzt schon lange nicht mehr. Ich hatte aber gute Trainer, die mir einiges beigebracht haben.