Der FC Bayern tut es, der FC Schalke 04 tut es und der HSV und der FC St. Pauli tun es sogar zusammen. DFB und UEFA tun es ebenfalls. Aktive Spieler wie Bastian Schweinsteiger tun es, aber auch Kult-Stars und Ehemalige wie Hans Sarpei. Sie alle beziehen Stellung zum Thema Flüchtlinge und senden ein eindeutiges Signal: Refugees welcome.

Gerald Asamoah ist der Protagonist eines Videos, in dem er auf eindringliche Art und Weise erklärt, was er von den Menschen erwartet. Nämlich, dass jeder sich hinsetzt und mal darüber nachdenkt, dass da „Leute angegriffen werden, die nichts haben“. Ich finde, das darf er erwarten. Und auch die rivalisierenden Dortmunder sahen das so und teilten das starke Video auf ihren Social-Media-Kanälen. Das Ergebnis: kein Shitstorm, sondern breite Zustimmung – auch bei den Dortmunder Fans. In den Farben getrennt, in der Sache vereint. In der Flüchtlingsfrage scheint es zum Glück zu funktionieren.

Es wäre zu wünschen, dass die Botschaft der Vereine auch bei einigen anderen sogenannten Fans ankommt.

Leider gibt es immer noch zu viele von denen, die ihre eigene Unzufriedenheit und ihre Stammtischparolen Wochenende für Wochenende mit ins Stadion nehmen. Ihren Anstand, sofern denn überhaupt vorhanden, lassen sie dafür konsequent zu Hause. Während des Spiels beleidigen sie Spieler des gegnerischen Teams rassistisch und tun es bei den eigenen nur nicht, weil die ja vielleicht am Ende der Saison noch das entscheidende Tor schießen.

Aus sportlicher, aber vor allem aus menschlicher Sicht ist es richtig bitter, wenn der verdiente Sieg einer Mannschaft überschattet wird von den kleingeistigen bis ungebildeten, in jedem Fall falschen und ignoranten Pöbeleien einiger Knalltüten, die die Fähigkeit zur nüchternen Betrachtungsweise nicht erst mit dem Genuss einiger Bier verlieren.

Was sagt es auch über Menschen aus, die eimerweise Häme und billige Propaganda in den sozialen Netzwerken ausschütten? Und das nur, weil der Verein, der das zweifelhafte Privileg genießt, von ihnen bevorzugt zu werden, Flüchtlinge ins Stadion einlädt? Diese Menschen nehmen niemandem den Stehplatz und auch nicht die Stadionwurst weg. Sie sind nicht hier, um Dauerkarten und Fan-Schals abzustauben und würden mit Sicherheit lieber ihrem Heimatverein zujubeln. Es ist nicht ihre Schuld, dass sie das nicht können. Und sie haben es verdammt nochmal verdient, so oft wie möglich von dem abgelenkt zu werden, was sie durchgemacht haben.

Sport kann ablenken, wenigstens für die Dauer von 90 Minuten Fußball, drei Dritteln Eishockey oder vier Vierteln Basketball. Noch besser um den Kopf freizubekommen ist es, Sport nicht nur zu schauen, sondern ihn selbst zu betreiben. Eine halbe Stunde Joggen kann den Kopf herrlich frei machen und lässt uns Dinge oft klarer sehen. Vielleicht, nur vielleicht, wäre das ein gutes Rezept für alle, die immer nur hetzen und nicht gönnen können. Geht laufen oder ins Fitnessstudio. Vielleicht macht es euren Kopf frei von dem rassistischen Müll, den ihr so von euch gebt. Dann wäret ihr nicht nur fitter, sondern auch deutlich netter und außerdem eine ECHTE Bereicherung für euren Verein. Make sports, not war.

Anja Bandermann, Jahrgang 1982, absolvierte ursprünglich eine kaufmännisch-touristische Ausbildung. Nach Abstechern in den Immobilien- und Event-Bereich machte sie sich 2010 als Texterin selbstständig...