FC Bayern: Die Antwort auf Jürgen Klopps Taktikfrage

Kane kann seine Vorfreude kaum verbergen
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Kane kann seine Vorfreude kaum verbergen

Im Champions-League-Duell zwischen dem FC Bayern und dem FC Arsenal sticht ein Profi besonders hervor: Harry Kane. Als "Quarterback" nimmt er in Vincent Kompanys taktischem Plan eine spezielle Rolle ein - die Jürgen Klopp nicht ganz versteht.

Der Champions-League-Abend am Mittwoch bot wieder einmal eine Hochgeschwindigkeitspartie, wie es sie unter Beteiligung des FC Bayern schon in der K.o.-Runde der Vorsaison zu sehen gab. Omnipräsent war beim 2:2 gegen Arsenal der womöglich nächste Gewinner des Ballon d’Or: Harry Kane.

Einer allerdings gab zu, Kanes Rolle nicht so ganz verstanden zu haben. Und zwar Bundestrainer Jürgen Klopp. Der 59-Jährige sei „nicht abschließend dahinter gestiegen“, wie Bayern-Trainer Vincent Kompany Kane im Pressing einsetzte, teilte er bei DAZN in einem seitdem vieldiskutierten Interview in der Halbzeit mit.

In der Partie gegen die Gunners agierte Harry Kane als "Quarterback" der Münchner
In der Partie gegen die Gunners agierte Harry Kane als „Quarterback“ der Münchner In der Partie gegen die Gunners agierte Harry Kane als „Quarterback“ der Münchner© IMAGO/Sven Simon

Auch insgesamt habe er „nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht“. Jedoch gab Klopp in gewohnter Demut zu, dass er nicht allwissend wäre und natürlich jeder eine etwas andere Art von Fußball praktizieren könnte.

Kompany wollte Klopps Anmerkungen nach dem Spiel nicht kommentieren. Klopps Fragen über seinen taktischen Plan beantworten sich aber durch den Blick auf das Spielgeschehen.

Quarterback Kane lauerte für den perfekten Pass

Der FC Bayern bestritt das Duell im Bewusstsein dessen, dass der englische Meister – ähnlich wie auch die Bayern – viele Angriffe mit aggressiven Läufen durch die Mitte und Halbräume auslösen würde. Beim Führungstreffer durch Eberechi Eze stand nicht etwa der nominelle Mittelstürmer Kai Havertz am Ende als zweiter Arsenal-Spieler im Strafraum, sondern es war Linksverteidiger Riccardo Calafiori.

Generell lief Bayern zwar mit den drei Offensivkräften Serge Gnabry, Alphonso Davies und Ismael Saibari an, zog aber Kane gelegentlich etwas zurück. Das war jedoch nicht immer der Fall. Gerade in der Schlussphase war Kane zusammen mit einem weiteren offensiven Mittelfeldspieler der Bayern stets in der vordersten Pressinglinie unterwegs.

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Was Bayern aber im Grundsatz bewerkstelligen wollte, war ein schnelles Umschaltspiel über Kane. Gerade in Abwesenheit von Jamal Musiala agierte der Engländer umso mehr als „Quarterback“.

Beim Ausgleichstreffer in der ersten Hälfte etwa löste Bayern eine Situation auf der rechten Seite auf, Kane war im Mittelkreis komplett blank, erhielt den Ball und bediente Davies mit einem perfekt gewichteten Pass hinter Arsenals Rechtsverteidiger Jurrien Timber.

Kane sprach im Nachgang darüber, dass er bei seinen tiefen Bewegungen manchmal von einem Arsenal-Verteidiger verfolgt wurde, manchmal jedoch auch nicht. Wenn Bayern noch gegen den Ball arbeitete, konnte sich der englische Offensivallrounder am einfachsten in freie Positionen bewegen, um anschließend den Schnellangriff einzuleiten.

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Arsenal versuchte es ähnlich mit Havertz

Übrigens versuchte Arsenal bei eigenem Ballbesitz Ähnliches mit Havertz, der in der ersten Hälfte hier und da Minjae Kim herauslockte und auf diese Weise Lücken in der bayerischen Endverteidigung reißen wollte.

Bayern verteidigte Arsenals offensive Rotation in der Regel gut. Natürlich fehlte gelegentlich ein Meter – so hätte etwa Davies vorm 1:0 einen Schritt näher auf Martin Ödegaard, der den Pass auf Eze spielte, zugehen müssen.

Kane war zwar in der Nähe, deckte aber den linken Innenverteidiger Arsenals, weil Serge Gnabry für einen Moment mit Linksverteidiger Calafiori mitging, bevor dieser sich in Richtung Abseitslinie absetzte und von Dayot Upamecano übernommen wurde.

Deshalb war Kane so gefährlich mit seinen Pässen

Gelegentlich wirkte es vielleicht so, als wäre Kane im Pressing nicht ganz so aktiv wie andere, aber er suchte eben nach Möglichkeiten, um für das offensive Umschalten in der richtigen Position zu sein.

Gerade deshalb war der 33-Jährige derart gefährlich mit seinen langen Pässen auf die drei offensiven Sprinter der Bayern. Und Arsenal wirkte seit langem nicht mehr so anfällig im defensiven Umschaltverhalten wie am Mittwochabend in der Allianz Arena.

Am Ende entschieden, wie so oft Kleinigkeiten, weil sich solche Top-Teams fast nie grobe taktische Fehler erlauben. Ödegaard hatte vorm ersten Treffer der Londoner etwas zu viel Platz und Josip Stanisic hob knapp das Abseits auf.

Beim späten 2:2 von Arsenal ging Davies nicht mit Declan Rice mit, weil sich dieser durch eine kleine Lücke bewegte, um die Ablage von Viktor Gyökeres aufzunehmen. Viel Platz für Davies, um selbst einen Sprint anzuziehen und Rice zu verfolgen, war aber ohnehin nicht vorhanden, weil Arsenal die Dreierkombination über die rechte Seite nahezu perfekt ausspielte.

Bayern hatte Möglichkeiten, das Spiel vorher zu entscheiden. Taktisch jedoch gab es wenig an der Leistung auszusetzen. Kleinere individuelle Fehler sind bei solchen Hochgeschwindigkeitsspielen fast unvermeidbar.