„Ich piekse so ein bisschen – und das kommt ganz gut“
Seit fast 20 Jahren ist Ute Groth Vorsitzende bei DJK TUSA 06 und findet: Bald wird es Zeit für frischen Wind. Den will sie 2019 auch in den DFB bringen, als sie für das Amt der Präsidentin kandidiert.
Vor sieben Jahren erlebte Ute Groth, was man gemeinhin als „15 Minuten Ruhm“ bezeichnet: Die 1. Vorsitzende des DJK Tusa 06 warf nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel ihren Hut als nächste DFB-Präsidentin in den Ring. Daraus wurde bekanntermaßen nichts, aber Groth hatte für einige Zeit eine beeindruckende Medienpräsenz. Dabei war das nie ihr Ziel.
Dennoch wurde ihr seinerzeit anschließend von einigen Beobachter*innen nachgesagt, es sei bei der Kandidatur um Aufmerksamkeit gegangen, ob für sie oder die Art und Weise, wie im DFB Wahlen organisiert sind, das variierte. Aber Groth hat stets beteuert, es durchaus ernst gemeint zu haben. Schließlich führe sich so ein Verband nicht anders als ein Verein.
Ein ungeplantes Engagement
Und diesen Vorsitz hat sie sich schließlich auch zugetraut, als im Vorfeld einer Wahl niemand sonst die Hand hob. Ihr Vorgänger, der nicht mehr angetreten war, sei erst mal schockiert gewesen, dass plötzlich jemand dieses Amt ausübte, der weder männlich noch Anwalt oder Steuerberater war. Nach einer Weile aber habe er ihr gesagt, sie mache das sehr gut.
Dabei hatte Groth gar nicht vor, sich im Sport zu engagieren. Bis ihr Mann immerzu mit dem Sohn auf den Fußballplatz ging, wo sie sich mit der Tochter sehr verloren fühlte. Die Zeiten waren eben andere. Als sie den Verein auf einer Fahrt nach England begleitete, habe sie im Kontakt mit den Jugendlichen erstmals verstanden: „Das ist eigentlich Sozialarbeit.“
Groth: „Geduld habe ich gelernt“
Heute sagt Groth über ihr Wirken im und für Tusa: „Ich bin nie unverschämt und laut, ich piekse so ein bisschen. Und das kommt eigentlich auch ganz gut.“ Man müsse auf Strecke gehen und ein bisschen mehr Geduld haben. „Aber Geduld habe ich gelernt.“
Wie wenige Frauen ihr im Vereinskontext begegneten, das hat sie immer wieder auch zum Thema gemacht – und sich damit nicht nur Freunde. Aber auch darum geht es Groth nicht, die sehr entspannt und immer an der Sache orientiert ist.
Weil sie mehr Mädchen die Chance geben wollte bei Tusa Fußball zu spielen, hat der Verein seit 2018 ein eigenes Leistungszentrum für Frauen- und Mädchenfußball. „Deswegen kommen Mädchen zu uns, weil sie sich auf unserer Anlage wohlfühlen.“
Groth möchte Mädchen und Frauen mehr Raum geben
Es sei nicht mehr einfach eine „Herrenfußballanlage“, genau darauf komme es an, wolle man Mädchen und Frauen fördern: „Man muss ihnen Orte geben.“ Und Fairness herzustellen: Eine der ersten Amtshandlungen von Groth war, dass auch der Trainer der Frauen eine Übungsleiterpauschale erhält.
Natürlich wird im Verein nicht nur gekickt, aber in allen Sportarten darauf geachtet, dass sie Mädchen und Jungs gleichermaßen offenstehen. Das gilt gleichermaßen für die, in denen eher Männermangel herrscht, dann erfolgt die gezielte Förderung dort.
Groth sucht und findet Wege, mit Erfolg. Dazu gehört eine hauptamtliche Stelle, auf die alle im Verein stolz sind: „Wir können heute sagen, alle Aktenordner, die vorher in zehn Kellern gelagert haben, sind zentral an einer Stelle.“ Wenn das Hauptamt verwaltet, könne Ehrenamt gestalten, das ist ein Punkt, der ihr dabei wichtig ist.
Es geht aber auch darum, die Übergabe zwischen den Generationen komplikationsfrei zu ermöglichen. Denn Ute Groth, die Dinge gerne anders macht, will auf keinen Fall über die Zeit an ihrem Posten kleben.