Kovacs cleverer Schachzug

Kovac gibt Fehler zu
2:13

Kovac gibt Fehler zu

Borussia Dortmund verliert auch aufgrund von desolaten 60 Minuten verdient gegen Bodö/Glimt. Dass der BVB viel zu spät aufwacht, geht auch auf die Kappe des Trainers.

Der BVB war gewarnt! Und dennoch schafften es die Dortmunder nicht, die nötigen Grundtugenden auf den Platz zu bringen. „Am Ende sind es doch unterschiedliche Wörter für das gleiche Problem“, fasste Sport-Geschäftsführer Lars Ricken die erste Stunde zusammen.

Was er damit meinte: Die heimstarken Norweger machten den Schwarz-Gelben am Mittwochabend vor, was es in Sachen Intensität, Leidenschaft und Energie braucht. Ungewöhnlich dabei: Der bislang in dieser Saison so stark aufspielende und bis dato ungeschlagene BVB ließ plötzlich auch Selbstbewusstsein vermissen.

Nico Kovac nahm die Schuld für die Niederlage des BVB in Bodö auf seine Kappe
Nico Kovac nahm die Schuld für die Niederlage des BVB in Bodö auf seine KappeNico Kovac nahm die Schuld für die Niederlage des BVB in Bodö auf seine Kappe© IMAGO/Revierfoto

„Wir haben nicht stattgefunden defensiv“, urteilte BVB-Trainer Niko Kovac hart. Erst nach über einer Stunde fanden die Dortmunder besser in die Partie – allerdings ohne Erfolg. Die Folge: 0:1, die vierte Champions-League-Auswärtspleite in Folge. Und die muss sich auch Geburtstagskind Kovac (55) ankreiden lassen.

Champions League: Kovacs Plan geht in die Hose

Vier Umstellungen nahm der BVB-Trainer im Vergleich zum Bremen-Spiel vor. Leistungsträger wie Felix Nmecha, Serhou Guirassy und Ethan Nwaneri saßen zunächst nur auf der Bank. Dafür begannen Fabio Silva, Kostas Karetsas sowie der junge und quirlige Samuele Inacio.

„Ich glaube schon, dass sich kleinere Spieler auf dem Kunstrasen ein bisschen besser zurechtfinden. Deswegen haben wir uns heute für Kosta, Samuele und Fabio entschieden, weil sie mit den Bewegungen besser zurechtkommen als vielleicht Einer, der 1,90 Meter groß ist. Davon erhoffen wir uns viel. Ich hoffe, wir können das nach dem Spiel bestätigen“, erklärte Kovac bereits vor der Partie seine Rotation.

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Im Nachhinein steht fest: Sein Plan ging krachend schief.

BVB-Trainer Kovac nimmt Schuld auf sich

Die Dortmunder waren Bodö in nahezu allen Belangen unterlegen. Selbst eine deutliche Halbzeitansprache brachte zunächst keine Besserung. Im Gegenteil: In den Minuten nach der Pause mussten die Dortmunder einen Angriff nach dem anderen über sich ergehen lassen.

Erst mit dem Vierfachwechsel änderte sich das Bild. Vor allem die Hereinnahmen von Nmecha, Guirassy und Nwaneri sorgten dafür, dass der BVB Oberwasser bekam. Ausgerechnet jene Spieler also, auf die Kovac zunächst verzichtet hatte. Nach der Partie gestand der Trainer seinen Fehler ein.

„Wir haben mit denen, die heute gespielt haben, nicht richtig gelegen“, gestand der Coach auf der Pressekonferenz ein und weiter: „Aber ich bin derjenige, der das entschieden hat und ich übernehme die volle Verantwortung und von daher könnt ihr auf mich schimpfen.“

Ein bemerkenswert deutliches Eingeständnis – hinter dem zugleich ein klarer Plan stecken dürfte.

Dortmund braucht keinen weiteren wackligen Herbst

Dass Kovac die Schuld auf sich nimmt, ist ein cleverer Schachzug. Zum einen verhindert er damit, dass sich der Unmut der Fans voll auf seine Spieler entlädt. Und das, obwohl sie eine enttäuschende Leistung ablieferten – ungewohnter Kunstrasen hin oder her.

Kovac zieht die Kritik bewusst auf sich. Mit seiner erst am Dienstag verkündeten Vertragsverlängerung kann er sich das locker leisten.

Und es gibt noch einen weiteren Grund: Der Trainer will verhindern, dass der BVB erneut in einen wackeligen Herbst schlittert, wie man ihn in Dortmund inzwischen nur zu gut kennt.

Kovac nimmt Druck von seiner Mannschaft

Kovac nimmt den Druck von seiner Mannschaft – wohl auch, weil er spürt, dass deren Selbstbewusstsein keinen weiteren Dämpfer gebrauchen kann. Der eine oder andere dürfte sich noch gut daran erinnern, wie schnell die Stimmung beim BVB kippen kann.

Nach außen stellt sich Kovac deshalb demonstrativ vor seine Spieler. Intern dürfte der Ton ein anderer sein. Denn man darf sicher sein, dass der Trainer die Leistung seiner Mannschaft und insbesondere deren Einstellung klar ansprechen wird.

Fehlende Intensität, Leidenschaft und Energie kann und darf sich eine Kovac-Mannschaft nicht erlauben.