Spitzenreiter! Kann Freiburg noch einen draufsetzen?
"Das war gerade wahre Größe, habe ich selten erlebt"
Der SC Freiburg ist nach fünf Spieltagen Tabellenführer. Was ist möglich im eigentlich eher beschaulichen Breisgau?
Maximilian Eggestein wollte sich beim Blick auf die Tabelle keinerlei Illusionen machen. „Realistisch ist es wahrscheinlich so, dass am Ende die Bayern wieder oben stehen werden“, sagte der Kapitän des SC Freiburg nach dem unverhofften Sprung an die Spitze. Von einem Höhenflug ist beim ungeschlagenen Tabellenführer der Fußball-Bundesliga zwar wenig zu spüren – und dennoch haben sie im beschaulichen Breisgau Blut geleckt.
„Wir sind sehr ambitioniert“, betonte Matthias Ginter, nachdem die Freiburger in Unterzahl gegen Schalke 04 (2:1) den ersten Platz zurückerobert hatten. „Wir brauchen nicht drumherum zu reden, wir haben die letzten Jahre immer mindestens europäisch gespielt“, gar um die Champions League habe der Klub gekämpft, führte der Abwehrchef aus – als Leistungssportler sei es nur „logisch“, sich nicht mehr mit weniger zufriedenzugeben.
In der noch jungen Saison sieht es zumindest nach aktuellem Stand danach aus, als ob die Mannschaft von Trainer Julian Schuster das auch nicht müsste. Nach fünf Spieltagen thront der Sport-Club mit 13 Zählern vor Borussia Dortmund (13) und Rekordmeister Bayern München (11). Zu Träumereien ließ sich in Freiburg inmitten der „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Gesänge, die von den Tribünen aus durch das Stadion hallten, aber niemand hinreißen. Im Gegenteil.
Ginter hofft, noch „einen draufzusetzen“
Die Mannschaft wisse, dass es „harte Arbeit“ erfordern werde, die Erfolge der vergangenen Jahre erneut zu erreichen und vielleicht noch „einen draufzusetzen“, erklärte Ginter. Auch Eggestein wollte „keine wilden Parolen raushauen, das hat uns die letzten Jahre auch nicht weitergebracht“. Doch das Team habe „hohe Ansprüche“ an sich: „Und das ist das, was zählt.“
Das Selbstverständnis im Breisgau hat sich verändert. Nach zwei Achtelfinal-Teilnahmen in der Europa League ging es für das Team von Schuster in der vergangenen Saison sogar bis ins Finale des zweithöchsten europäischen Wettbewerbs, in dem Aston Villa (0:3) eine Nummer zu groß war. In dieser Spielzeit nehmen die Freiburger in der Conference League den nächsten Anlauf. In das Auftaktduell mit FK Jablonec können die Breisgauer am Donnerstag (21.00 Uhr/Sky) angesichts ihrer Erfolgsserie mit Selbstvertrauen starten.
Freiburg gewinnt sogar in Unterzahl
Den Sieg gegen Schalke hatte sich Freiburg laut Schuster dabei „verdient“. Nach der Gelb-Roten Karte für Yuito Suzuki (64.) beim Stand von 1:1 schoss Joker Keisuke Goto (85.) nach Vorlage des ebenfalls eingewechselten Vincenzo Grifo die Breisgauer in Unterzahl zurück in die Pole Position.
„Ich bin sehr stolz auf mein Team“, sagte Schuster. Nach dem vierten Sieg im fünften Spiel war auch Ginter „natürlich glücklich über den Saisonstart“. Die Tabellenführung fühle sich dennoch „ehrlicherweise nicht besonders“ an – „wenn es April wäre, wäre es was anderes.“