Das Formel-1-Reife(n)zeugnis: Sepang
Max Verstappen kann noch gewinnen, George Russell nur noch lachen. Und Kimi Antonelli muss sich keine Sorgen machen. Erkenntnisse aus Malaysia.
Max Verstappen kann noch gewinnen, George Russell nur noch lachen. Kimi Antonelli muss sich keine Sorgen machen, und Lewis Hamilton sitzt weiter in der Achterbahn. Es ist viel passiert bei der Formel 1 in Malaysia – und bevor irgendwas passierte, gab es verwirrende Motorenprobleme.
Verstappen zieht mit Schumacher gleich
MAX VERSTAPPEN: 301 Tage und 15 Rennen hatte der Niederländer gewartet, bis er endlich wieder ganz oben stehen durfte, und es war das alte Lied. Sobald Verstappen ein Auto hat, das konkurrenzfähig ist, wird es schwer gegen ihn. Auf nasser und abtrocknender Strecke war er am Sonntag durchgehend der beste, und die Wartezeit auf diesen Sieg hatte sich gelohnt: Es war ein besonderer. Verstappen hat nun im elften Formel-1-Jahr in Folge mindestens einmal gewonnen, er liegt in dieser Statistik vor Alain Prost (10) und nur noch hinter Michael Schumacher und Lewis Hamilton (je 15). Und mit 72 Siegen im Red Bull hat er nun ebenso häufig für den gleichen Rennstall gewonnen, wie Schumacher für Ferrari. Hier hält Hamilton (84 mit Mercedes) den Rekord.
GEORGE RUSSELL: Der Engländer atmete tief durch und rang nach Worten. „Irgendwann kann man nur noch lachen“, sagte er, denn er hatte das nächste höchst unglückliche Rennwochenende hinter sich – nur eine Woche nach dem vermeintlich erlösenden Sieg in Baku ist Russell zurück in der Sinnkrise. Zweifellos war sein Antriebsdefekt großes Pech und ein vielleicht titelentscheidender Rückschlag. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Russell eine Woche nach Baku schon wieder nur die zweite Kraft bei Mercedes war, sein junger Kollege Kimi Antonelli zeigte ein überlegenes Rennen – und hätte auch ohne Russells Defekt aus eigener Kraft seinen Vorsprung ausgebaut.
Antonelli souverän, Hamilton glänzt
KIMI ANTONELLI: Und so gibt es zu Antonelli nicht viel zu sagen außer der Feststellung: Das zuletzt schlechte Wochenende hat ihn nicht aus der Bahn geworfen. In Sepang war er wieder der Rennfahrer, der sich über weite Teile der Saison zum WM-Favoriten aufgeschwungen hatte. Zwar sind bei Mercedes Sorgen angebracht: Das Aero-Update für die Boliden funktionierte nicht, zudem war Russells Defekt nicht der erste in diesem Jahr. Der Vorsprung in Fahrer- und Team-WM ist aber jeweils derart groß, dass eigentlich nicht mehr viel passieren kann.
LEWIS HAMILTON: Das liegt vor allem daran, dass die Konkurrenz zu spät oder zu selten auf Touren kommt. Verstappen und Red Bull wären in der Form der letzten Wochen Titelfavoriten, liegen aber zu weit zurück. Und Lewis Hamilton könnte zum achten Mal Weltmeister werden, wenn sein Ferrari auf jeder Strecke derart gut läge, wie in Sepang. Eine unglückliche Reifenwahl vor dem Rennen warf ihn weit zurück, mehr als 80 Sekunden lag er hinter der Spitze – und fuhr doch noch auf Rang drei. Hamilton hätte Verstappen am Sonntag wohl den Sieg streitig machen können, „vielleicht klappt es ja nächstes Wochenende“ in Singapur, sagte der Engländer. Das würde allerdings kaum zur Saison passen, die für Ferrari bislang verlässlich inkonstant verläuft.
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TECHNIK: Wer die neuen, sehr elektrischen Hybridantriebe in der Formel 1 nicht haben will, der bekam am Sonntag neue Nahrung. „Das passiert eben mit diesen Motoren“, sagte Verstappen, einer der großen Kritiker, „mit einem V8 hast du diese Probleme nicht.“ Was genau diese Probleme waren, das dürften viele Fans gar nicht verstanden haben. Die softwaregesteuerten Power Units waren verwirrt von den äußeren Umständen und gaben keine Leistung mehr her, so lassen sich die Geschehnisse auf der Formationsrunde wohl plump zusammenfassen. Eine neue Software musste her, mit anderthalb Stunden Verspätung fand dann doch noch ein Formel-1-Rennen statt. „Das ist nicht das, was wir in diesem Sport haben wollen“, findet Verstappen.