Achtung, Bundesliga: Der Werder-Wahnsinn ist zurück
Thioune huldigt Weiser: "Unglaublicher Moment"
Ausgerechnet der lang verletzte Mitchell Weiser erzielt bei seiner Rückkehr ins Weserstadion den Siegtreffer für Werder Bremen. Die Grün-Weißen starten erst zum zweiten Mal in diesem Jahrtausend mit zwei Heimerfolgen in die Saison – und bringen durch ihre Auftritte den Werder-Wahnsinn zurück in die Bundesliga.
Werder Bremen macht wieder Spaß! Die Grün-Weißen haben durch den späten 3:2-Heimsieg gegen den FC Augsburg für die wahrscheinlich emotionalste Geschichte des vierten Spieltags gesorgt. In den Mittelpunkt rückte Mitchell Weiser, dessen Siegtreffer um 17.23 Uhr das Weserstadion in ein Tollhaus verwandelte.
Das Besondere: Hinter Weiser liegt eine 14-monatige Leidenszeit, die schon eine Woche zuvor durch seine Einwechslung beim Auswärtsspiel in seiner Heimat Köln ein Ende gefunden hatte. Doch mit seinem Treffer am Samstag toppte er seine märchenhafte Comeback-Geschichte noch einmal.
„So kann eigentlich nur ein Linksfuß schießen“
Freigespielt von Marco Grüll, schlenzte der 32-Jährige den Ball mit seinem schwächeren linken Fuß perfekt ins rechte obere Eck und sorgte für den zweiten Heimdreier in dieser Saison. Sein Trainer Daniel Thioune konnte gar nicht fassen, dass ausgerechnet Weiser das Tor erzielt hatte. „Ich habe gedacht, dass Chuki getroffen hat, weil so kann eigentlich nur ein Linksfuß schießen, aber es war Mitch und das ist sensationell“, freute er sich im Nachgang bei Sky.
Die Werder-Fans hatten ihre Mannschaft trotz des zwischenzeitlichen Rückstands von 0:2 weiter nach vorne gepeitscht. Thioune sei sich deswegen bewusst gewesen, dass es nur den Anschlusstreffer brauche, um nochmal ins Spiel zu kommen. „Dass es am Ende drei (Tore) geworden sind, ist sensationell“, betonte der Coach.
Weiser kann sein Glück kaum fassen
Für den Siegtorschützen selbst war es „irgendwie klar“, dass es so laufen werde. Bereits 34 Sekunden nach seiner Einwechslung in der 67. Minute war er völlig frei vor Augsburg-Keeper Finn Dahmen aufgetaucht, konnte die Großchance aber nicht verwerten. Doch er sollte noch eine Chance bekommen.
„Trotzdem habe ich weiter daran geglaubt und bin froh, dass mir die Mannschaft so einen Moment ermöglicht“, war Weiser nach der Partie überglücklich und konnte gar nicht fassen, was eigentlich passiert war. Kurzzeitig war sein Treffer noch wegen einer möglichen Abseitsstellung vom VAR überprüft worden. Das hatte der 32-Jährige schon gar nicht mehr wahrgenommen: „Wenn das Abseits gewesen wäre … Oh mein Gott“, wollte er sich das Szenario gar nicht erst ausmalen. „Ich habe auf dem Feld nichts mehr mitbekommen.“
Veh freut sich für Weiser: „Und jetzt geht das alles auf …“
Im FIROCKX Doppelpass freute sich Armin Veh über Weisers gelungene Rückkehr. „Er hat es ja selbst gesagt, dass er davon geträumt hat. Vor seiner Verletzung hat er richtig gut gespielt. Der Verein hat ihm während dieser schweren Verletzung einen neuen Vertrag gegeben und jetzt geht das alles auf. Das ist eine tolle Geschichte“, sagte Veh.
Weiser ist jedoch nicht der einzige mit einer emotionalen Geschichte in Bremen. Ausgerechnet Niclas Füllkrug hatte mit seinem Ausgleich zum zwischenzeitlich 2:2 alles erst möglich gemacht – mit seinem bereits vierten Treffer für Werder. „Zu viel Fußball-Romantik wollen wir nicht aufkommen lassen, aber alle Rückkehrer funktionieren aktuell“, stellte Thioune glücklich fest.
SPORT1-Experte Mario Basler hat es der 33-Jährige angetan: „Er passt einfach nach Bremen. Der soll dableiben, er soll bis zum Ende seiner Karriere in Bremen bleiben. Da fühlt er sich wohl und die Fans lieben ihn. Er macht für Bremen sehr viel und schießt unheimlich wichtigere Tore“, schwärmte Basler über den Rückkehrer, der von West Ham an die Weser ausgeliehen ist.
Werder stellt den Bundesliga-Topscorer
Abseits von Füllkrug und Weiser spielt sich derzeit Marco Grüll in einen Rausch. Der Österreicher ist überragend in die Saison gestartet und hat nach dem vierten Spieltag zusammen mit Bayern-Star Michael Olise die meisten Scorerpunkte auf dem Konto. Grüll gelangen bislang zwei Tore sowie vier Vorlagen. Hinzu kommt noch ein Assist in der ersten Runde des DFB-Pokals.
Mit der Rückkehr von Weiser nach seiner langen Knieverletzung sowie der Leihe von Füllkrug hat Thioune zwei „neue“ Spieler in seinem Kader, deren Qualitäten ihm in der vergangenen Saison in dieser Form nicht zur Verfügung standen. Sie können jeweils Partien entscheiden und heben das Niveau der Bremer enorm an. Zudem zählen sie für die Fans zu den Publikumslieblingen und Identifikationsfiguren.
Ist die Werder-Magie zurückgekehrt – oder trügt der Schein?
„Diese Momente sind schon etwas Besonderes hier. Das kann man nicht überall erzeugen. Wenn 42.000 Leute an etwas glauben, ist die Kraft, dass man es erreicht, deutlich höher, als wenn es nur elf machen, und das war heute mal wieder der Fall“, schwärmte Füllkrug. „Es ist ganz besonders, was für Situationen und Energien hier entstehen können.“
Wo Werder wirklich steht, wird sich in den kommenden Wochen nach der Länderspielpause zeigen. In Dortmund, Mainz und Stuttgart stehen einige schwere Auswärtsspiele auf dem Programm. Dann wird sich zeigen, ob die Werder-Magie aus alten Zeiten wirklich zurückgekehrt ist – oder ob es sich beim Saisonstart lediglich um ein Strohfeuer gehandelt hat.