Owen Ansah holt bei der Leichtathletik-EM in Birmingham sensationell die Bronzemedaille über 100 Meter. Es ist das erste deutsche Edelmetall über diese Distanz bei einem Kontinentalwettbewerb seit über 40 Jahren. Doch sie könnte nur kurz Bestand haben.

Dem schnellsten deutschen Sprinter droht bekanntermaßen eine Vier-Jahres-Sperre wegen Verstoßes gegen die Anti-Doping-Richtlinien. Und glaubt man der ARD, ist die Lage für Ansah noch verzwickter als bisher bekannt.

Owen Ansah muss eine lange Sperre befürchten
Owen Ansah muss eine lange Sperre befürchtenOwen Ansah muss eine lange Sperre befürchten© IMAGO / Nordphoto

Zur Erinnerung: Ansah soll vor einem Diamond-League-Meeting in Monaco, zu welchem er kurzfristig berufen wurde, Anfang Juli eilig zum Flughafen aufgebrochen sein, als ein Doping-Kontrolleur eine Urinprobe von ihm nehmen wollte. Diese wurde letztlich nicht durchgeführt, Ansah droht den Richtlinien der deutsche Anti-Doping-Agentur NADA zufolge eine Sperre von bis zu vier Jahren.

„Es wurden keinerlei Konsequenzen aufgezeigt“, behauptete Ansah jüngst über den Hergang des Vorfalls.

Am Mittwochabend wiederholte die ARD Ansahs Aussage in einem Beitrag – und schaltete anschließend ihren auf Doping-Themen spezialisierten Reporter Hajo Seppelt zu, der das genaue Gegenteil berichtete: „Das steht im krassen Widerspruch zu den Informationen, die ich habe.“

Seppelt zufolge habe Ansah im Zuge des verweigerten oder unterlassenen Dopingtests ein Meldeblatt unterschrieben, worauf sich ein Absatz befinden soll, der ihm die möglichen Konsequenzen des unterlassenen Tests in aller Klarheit vor Augen führte. Auch der Kontrolleur signierte demnach das Dokument.

Ein Absatz könnte Ansah in die Bredouille bringen

Im Wortlaut heißt es dort: „Gemäß Art. 2.3 NADA-Code (…) stellt die Umgehung oder die Weigerung oder das Unterlassen ohne zwingenden Grund eines Athleten, sich nach entsprechender Benachrichtigung einer gemäß anwendbaren Anti-Doping-Bestimmungen zulässigen Probenahme zu unterziehen einen Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen dar, der (…) mit einer bis zu vierjährigen Sperre sanktioniert werden kann.“

Sollte Ansah dort also tatsächlich unterschrieben haben, müsse er sich seine Kenntnis möglicher Konsequenzen rechtlich eingestehen. Doping-Experte Seppelt führte aus: „Mir ist komplett unklar, warum er diesen Fehler begangen hat, der ihn natürlich noch erheblich schädigen und zumindest einen Teil seiner Karriere kosten kann.“

Im Zentrum der weiteren juristischen Auseinandersetzung könnte in der Folge aber noch der „zwingende Grund“ stehen, wonach es im Ermessensspielraum der richterlichen Instanz liegt, ob ein unmittelbarer Aufbruch, um eine Flugverbindung zu erreichen, einen solchen darstellt. In diesem Punkt kann Ansah also noch auf Milde hoffen.

Der ARD zufolge mochte Ansahs Anwalt Rainer Tarek Cherkeh keine weitere Stellungnahme zu den neu veröffentlichten Erkenntnissen des Senders abgeben.

Leichtathletik-EM: Medaille für Ansah könnte zurückgenommen werden

Aktuell liegt Ansah laut den Ausführungen des ARD-Journalisten ein Sanktionsbescheid vor, der mit einer Frist von 20 Tagen angenommen werden könne. Sollte dies geschehen, würde sich Ansahs Sperre automatisch auf drei Jahre reduzieren, andernfalls würde der Fall vor dem Deutschen Sportschiedsgericht landen.

 Auf SPORT1-Anfrage erklärt die NADA lediglich, Grund für den Sanktionsvorschlag sei die „Weigerung bzw. Unterlassung der Probe“. 

Im Angesicht dessen verzichtet der Deutsche Leichtathletik-Verband auf den Einsatz seines Sprint-Stars in den Staffeln bei der EM in Birmingham. In der Einzelkonkurrenz über die 200 Meter, die am Donnerstag startet, will Ansah dennoch laufen: „Ich wollte mit einer Medaille nach Hause gehen, aber ich traue mir auch noch eine zweite Medaille zu.“

Sollte Ansah tatsächlich gesperrt werden, würde ihm die EM-Medaille nachträglich aberkannt werden.

Johannes Fischer wuchs in Mailand vor den Toren von San Siro auf und bekam dort in den 80er-Jahren die gesammelte Weltelite des Fußballs zu sehen. Studierte nach dem Abitur an der Sporthochschule in Köln...