Demi Vollering hat die längste Etappe der diesjährigen Tour de France der Frauen gewonnen und das Gelbe Trikot erobert. Die Niederländerin (FDJ United-Suez) setzte sich auf dem vorletzten Teilstück nach 175 Kilometern in Nizza vor Elisa Longo Borghini (Italien/UAE Team L’IMAD) und der bisherigen Führenden Kasia Niewiadoma aus Polen (Canyon/SRAM/jeweils +0:17 Minuten) durch.

Vor den abschließenden 99,2 Kilometern am Sonntag mit Start und Ziel in Nizza beträgt der Vorsprung von Vollering, schon 2023 Gesamtsiegerin, acht Sekunden auf Niewiadoma. Die Polin hatte sich erst am Freitag mit dem Sieg am Mont Ventoux Platz eins in der Gesamtwertung gesichert.

Nach dem Rennen am Samstag erhob Niewiadoma schwere Vorwürfe gegen die Konkurrenz – genauer gesagt gegen Vollering-Kollegin Célia Gery: Diese habe sie bewusst abgedrängt.

Tour-Star schießt gegen Konkurrenz

„Ich war sehr verärgert, weil mich Gery zu Beginn des Anstiegs absichtlich in Richtung Absperrung abgedrängt hat. Wenn sie sich sportlich messen wollen, dann sollten sie dies auf eine faire Art und Weise machen – und mich nicht in die Absperrung drängen, das ist einfach kindisch“, wütete Niewiadoma und legte nach: „Aufgrund dieser Aktion habe ich meinen Respekt vor ihnen verloren.“

Vollering hatte rund sechs Kilometer vor dem Ziel zur entscheidenden Attacke angesetzt, Niewiadoma konnte nicht mithalten – weil sie, so ihr Standpunkt, zuvor von Vollerings Helferin Gery ausgebremst worden war.

Nach der Etappe konfrontierte die Polin sogar Gery mit ihren Vorwürfen. Als die Französin gerade zu Medienvertretern sprach, platzte plötzlich Niewiadoma ins Bild – doch Gery drehte sich einfach wortlos zur Seite und ließ die Polin stehen.

Teamchef verteidigt Fahrerin gegen Vorwürfe

„Ich kenne Célia als Person, so etwas würde sie nie tun“, verteidigte FDJ-Sportdirektor Lars Boom bei Eurosport seine Fahrerin: „Es ist nicht unser Ziel, jemanden von der Straße zu drängen. Mehr muss man dazu auch nicht sagen.“

Canyon-Teamchef Ronny Lauke sah es jedoch ähnlich wie Niewiadoma. „Es gab da am letzten Anstieg anscheinend eine Situation, in der eine Helferin der gegnerischen Mannschaft Kasia direkt gesucht und versucht hat, sie aus dem Rennen zu nehmen. Das war leider zu erwarten“, betonte er in der ARD. „Aber wir werden damit umgehen versuchen, morgen zurückzuschlagen.“

Spannendes Tour-Finale winkt

Vollering jubelte derweil über ihren zweiten Tagessieg in diesem Jahr. „Irgendwie haben wir es geschafft“, sagte sie. Am letzten Tag könne aber „noch alles passieren. Wir werden alles versuchen, um das Gelbe Trikot zu behalten.“

Seine Fahrerin Niewiadoma werde „keinen Stein nicht umgedreht lassen, um die Tour noch zu gewinnen“, sagte Rolf Aldag, Sportdirektor bei Canyon/SRAM, im Sportschau-Interview.

Unmittelbar vor dem Start war Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot ausgestiegen. Wie ihr Team Visma-Lease a Bike mitteilte, habe sich die Französin am Morgen unwohl gefühlt. Die Entscheidung sei in Absprache mit dem medizinischen Personal beschlossen worden. Chancen auf die erfolgreiche Titelverteidigung hatte Ferrand-Prévot angesichts ihres großen Rückstandes nicht mehr.

Nach 30 Kilometern setzten sich die Französin Maeva Squiban (UAE Team L’IMAD) und Loes Adegeest aus den Niederlanden (Lidl-Trek) an der Spitze ab, zwischenzeitlich lag das Duo sechs Minuten vor dem Peloton.

Nach der vorletzten Bergwertung der vierten Kategorie lag das Hauptfeld dann nur noch rund 60 Sekunden zurück – und Squiban stürzte in der Abfahrt. Damit war nur noch Adegeest vorne, neun Kilometer vor dem Ziel war aber auch ihre Flucht vorbei. Dann nutzte Vollering ihre Chance.

Mit Sport-Informations-Dienst (SID)