Ralph Denk hat eine klare Vision, wie die Zukunft der Tour de France aussieht und fordert nichts anderes als eine Revolution. Dabei geht es dem Teamchef des Rennstalls Red Bull-Bora-Hansgrohe vor allem um die wirtschaftlichen Aspekte sowie die Bedingungen der Fahrer.

Zum einen findet der 52-Jährige, dass das Preisgeld zu niedrig ist und zog hierbei einen Vergleich zum Tennis. Während der Tour-Sieger 500.000 Euro erhält, bekam zuletzt Wimbledonsieger Jannik Sinner satte 4,2 Millionen. Für Denk eine zu große Diskrepanz.

Ralph Denk ist Teamchef und Gründer der Radsport-Mannschaft Red Bull-Bora-Hansgrohe
Ralph Denk ist Teamchef und Gründer der Radsport-Mannschaft Red Bull-Bora-HansgroheRalph Denk ist Teamchef und Gründer der Radsport-Mannschaft Red Bull-Bora-Hansgrohe© IMAGO/Sirotti

Das große Potenzial des Radsports

„Der Tennisspieler ist schon richtig bezahlt, der Radsportler nicht. Man könnte jetzt sagen, der Sport, der ist halt viel kleiner. Aber wenn du die Bilder in den Vogesen gesehen hast, an der deutschen Grenze, oder jetzt in Alpe d’Huez, unser Sport hätte ein Riesenpotenzial“, sagte er der Bild.

Denk haderte damit, dass das vorhandene Potenzial der Tour nicht vollends ausgeschöpft wird und forderte daher: „Der Radsport muss in der Gesamtvermarktung massiv seine Hausaufgaben machen.“

„Unser Sport ist in vielen Bereichen amateurhaft“

Seiner Meinung nach gibt es derzeit nur einen Gutverdiener und das sei der Tour-Organisator ASO.

„Die Teams haben tolle Partner und mittlerweile auch tolle Besitzer. Aber das ist noch kein Businessmodell für die Teams. Das einzige funktionierende Businessmodell ist die ASO. Unser Sport ist in vielen Bereichen einfach noch amateurhaft im Vergleich zu anderen Sportarten. Der Tour-de-France-Sieger hat definitiv auch das Preisgeld des Wimbledonsiegers verdient“, meinte der 52-Jährige.

Er begründete es damit, dass das Preisgeld von drei Aspekten gesteuert sein müsste: Wie groß ist der Sport? Wie sind die Einnahmequellen? Wie viele Leute schauen hin? Wenn man sich daran orientieren würde, ging es allen Protagonisten gut, so Denk.

Findet ein Umdenken bei den Eintrittsgeldern statt?

Der Deutsche findet zudem, dass man sich über Eintrittsgelder Gedanken machen müsse.

Er wisse zwar, dass das schwierig zum Umsetzen sei, hält es nicht für unmöglich: „Ich sage ja nicht, von Kilometer null bis zum Ziel. Aber vielleicht gewisse Bereiche. Ich will nicht sagen, der Radsport darf nicht mehr zugänglich sein. Aber man kann ja gewisse Bereiche machen, wo der Zuschauer auch mehr kriegt, wenn er zahlt.“

Diesbezüglich forderte er von den Tour-Verantwortlichen, „einfach mal groß denken“.

Ein Dorn im Auge sind ihm außerdem die Unterkünfte der Teams während der Frankreich-Rundfahrt. Immer wieder hausen laut ihm die Mannschaften in Hotels, in denen es dreckig ist und Ungeziefer herumläuft.

Kritik an den Radsport-Funktionären

„Ich habe mir das juristisch ein bisschen tiefer angeschaut. Der Veranstalter ist verpflichtet, wenn er sich schon anmaßt, Hotels zur Verfügung zu stellen, auch was Adäquates zu präsentieren“, erklärte Denk und fügte hinzu: „Das heißt, dass es den Regenerationsprozess nicht unterbricht oder verschlechtert. Was da so stattgefunden hat, ist nicht Tour-de-France-like, das sollte nicht passieren. Da tut sich die ASO selbst keinen Gefallen.“

Ihm ist zwar klar, dass es schwierig ist, in strukturschwachen Region passende Hotels zu finden, gleichzeitig verwies er darauf, noch nie einen Funktionär der ASO oder des Weltverbands UCI in einer heruntergekommenen Unterkunft gesehen zu haben.

Daher wird Denk deutlich: „Vielleicht hat man das früher noch unter der Decke halten können, wo es noch kein Social Media gab. Aber jetzt kannst du den Rennfahrern ja keinen Maulkorb geben. Wenn die was Scheiße finden, dann hauen die das raus. Das ist die moderne Welt, mit allen Vor- und Nachteilen. Eine Werbung für die Tour de France ist es jedenfalls nicht.“