Normalerweise bewegt sich eine Pressekonferenz in einem zeitlichen Rahmen von 20 bis 30 Minuten. Wenn die Protagonisten aber etwas mehr zu sagen haben, kann sich der Termin jedoch auch ein bisschen ziehen. Das hat nun Uruguays Nationaltrainer Marcelo Bielsa eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Rund 100 Minuten nahm sich der Coach nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus bei der WM Zeit, um einige Dinge klarzustellen. Dabei sorgte Bielsa auch mit einigen Aussagen für Verwunderung.

Marcelo Bielsa sorgte einmal mehr für Aufsehen
Marcelo Bielsa sorgte einmal mehr für AufsehenMarcelo Bielsa sorgte einmal mehr für Aufsehen© IMAGO/Eyepix Group

„Wovon ich absolut überzeugt bin, ist, dass es niemanden interessiert, was ich weiß“, meinte der Trainer, der angeblich „perfekt“ erklären könne, „warum wir die Gruppenphase mit sieben Punkten hätten beenden müssen“.

WM: Uruguay-Trainer verblüfft mit Aussagen

Statt in der Gruppe H mit Spanien, Kap Verde und Saudi-Arabien souverän mit sieben Punkten ins Sechzehntelfinale einzuziehen, standen nach drei Partien nur zwei mickrige Zähler zu Buche. Der erste Weltmeister überhaupt (1930) musste also vorzeitig die Heimreise antreten.

Kuriose Ansätze für das frühe Scheitern der Südamerikaner lieferte Bielsa zur Genüge. „Nichts, was ich zu vermitteln versucht habe, war wichtig, auf keiner Ebene. Das war aus meiner Sicht nie wichtig. Ich sehe darin nichts Schlechtes – andere Leute sind nicht daran interessiert, zu erfahren, was ich weiß. Ende der Geschichte“, erklärte der Trainer mit dem Spitznamen „El Loco“ (zu Deutsch: der Verrückte).

Dass im Team von Kapitän und Real-Madrid-Star Fede Valverde die Teamchemie nicht gestimmt habe, wies Bielsa mit Nachdruck zurück und lieferte prompt ein Gegenbeispiel: „Wir waren so geeint, dass wir 20 Prozent mehr gelaufen sind als Saudi-Arabien, 30 Prozent mehr als Kap Verde und 25 Prozent mehr als Spanien.“

Bielsa: „Habe ich noch nie erlebt“

Gebracht hat die Laufleistung letztendlich herzlich wenig – auch weil der extra für die WM zurückgeholte Fernando Muslera entscheidend patzte. Der 40-Jährige habe am Tag vor dem Spanien-Spiel (0:1) 38 Grad Fieber gehabt, teilte Bielsa mit. Nachdem er beim Gegentor eine äußerst unglückliche Figur abgegeben hatte, habe Muslera zur Pause um seine Auswechslung gebeten.

„Ich habe noch nie erlebt, dass ein Spieler um seine Auswechslung gebeten hat, weil seine Fehler Auswirkungen auf seine Psyche hatten. Muslera sagte mir, er sei von dem Fehler, den er begangen hatte, so sehr mitgenommen, dass er lieber aufhören wolle zu spielen, da die Chancen der Mannschaft weiterhin intakt seien“, schilderte der 70-Jährige.

Neben zahlreichen – teils kuriosen – Erklärungen übernahm der Übungsleiter letztendlich aber auch die Verantwortung für das frühe Ausscheiden: „Wir haben die Fans enttäuscht. Ich habe die mir zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht gut genug gehandhabt.“

Der Cheftrainer war rund um Uruguays triste WM-Auftritte in die Kritik geraten, sein Vertrag läuft mit dem Turnier aus. „Meine Zeit wird als eine Phase in Erinnerung bleiben, die nichts hinterlassen hat“, hatte Bielsa bereits nach dem Spanien-Spiel gesagt.