Der deutsche Geher Jonathan Hilbert hat in einem emotionalen Instagram-Beitrag seine wiederkehrende Depressionserkrankung öffentlich gemacht. Der olympische Silbermedaillengewinner über 50 Kilometer Gehen bei den Spielen 2021 wird seine Karriere darum unterbrechen.
„Die Depression ist zurück und ich muss vorerst aus dem Leistungssport-Karussell aussteigen. Seit Januar habe ich wieder vermehrt Symptome wahrgenommen und dachte, ich kann es handeln und schaffe es, in der Therapie Gelerntes auch weiter alleine umzusetzen. Leider war dem nicht so“, gab Hilbert auf Instagram ein bewegendes Statement ab.
Hilbert über seine Erkrankung: „Wollte es mir nicht eingestehen“
Leicht gefallen ist das dem 31-Jährigen keineswegs. „Ich wollte es mir nicht eingestehen, wollte mich in meiner leistungssportlich konditionierten Denkweise durchbeißen und ja keine Schwäche zulassen und zeigen“, führte er aus. Schließlich sei der Plan für die Saison fix gewesen und „das Training trotz der sich einschleichenden Symptome sehr gut“ gelaufen.
Letztlich habe er sich aber „zum Wohle der langfristigen Gesundheit und Leistungsfähigkeit“ dazu entschieden, „in diesem Jahr keinen Wettkampf mehr zu machen“. Er befinde sich jetzt „in Therapie, nehme Medikamente und kämpfe mit einer diagnostizierten ‚Schweren depressiven Episode'“.
Der Weltklasse-Geher hatte bereits in den vergangenen Jahren zu kämpfen und mehrmals überlegt, „die Reißleine“ zu ziehen. Zunächst entschied er sich jedoch dafür, „die Therapie mit dem laufenden Saisonbetrieb zu kombinieren“. Nun sei der Schritt jedoch „unumgänglich“ gewesen.
Seine Devise für die Gegenwart und nähere Zukunft steht bereits fest. „Es gilt nun einfach Mensch zu sein, wie ein Mensch zu denken und dem Menschen in mir zu heilen. Ganz ohne der Sportler zu sein, der ich seit 2004 bin“, machte er deutlich.
Hilbert erlebt dunkle Zeit nach emotionalen Silber-Coup
Hilbert feierte seinen größten sportlichen Erfolg bei den Olympischen Spielen in Tokio und sorgte für große Emotionen. Nach seinem Silber-Coup fasste er sich ungläubig an den Kopf und brach in Tränen aus.
„Wenn mir das vor dem Rennen einer gesagt hätte, dass ich hier Silber hole, dem hätte ich den Vogel gezeigt“, zeigte sich der 26-Jährige daraufhin völlig überrascht.
In den Monaten nach seinem Olympia-Erfolg entwickelte er jedoch eine Depression. „Ich habe mich einfach komplett selber verloren als Mensch. Ich habe mich nur noch als Sportler identifiziert. Ich habe komplett den Lebenswillen verloren“, erklärte Hilbert nach seinem 16. Platz bei der WM 2025.
Die letzten drei Jahre seien „schwierig und dunkel“ gewesen. „Ich war dem Tod sehr nahe, und heute hier zu stehen, ist einfach unglaublich. Ich bin unglaublich froh, stolz und dankbar“, führte er aus.
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Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie sich selbst von Depressionen und Suizidgedanken betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in zahlreichen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.
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