Sieben Jahre nach dem Absturz in die Regionalliga ist Fortuna Köln zurück im Profifußball. In der Südstadt fühlt sich dieser Aufstieg wie ein Neuanfang an.
Mit dem Aufstieg in die 3. Liga endet für den Traditionsverein eine lange Phase der Unsicherheit. Nachdem der erste Matchball eine Woche zuvor noch vergeben worden war, gelang mit dem 2:1 gegen die Sportfreunde Siegen im heimischen Südstadion die ersehnte Rückkehr in den Profifußball. Nach dem Schlusspfiff verwandelte sich das Stadion in ein Tollhaus.
Mit dem Sprung in die 3. Liga verschiebt sich für Fortuna Köln auch die wirtschaftliche Realität deutlich. Während der Klub in der Regionalliga noch zu den größeren und finanziell stabileren Vereinen zählte, wird er auf Drittliganiveau eher zu den kleineren Haushalten gehören.
Der Jahresetat der Profimannschaft dürfte bei knapp unter fünf Millionen Euro liegen. Im Vergleich dazu bewegen sich finanzstärkere Konkurrenten wie Hansa Rostock deutlich darüber, während auch andere Vereine wie Viktoria Köln voraussichtlich über mehr finanzielle Mittel verfügen.
Fortuna Köln: Konstanz und gelungene Kaderplanung
Trainer Matthias Mink, seit März 2024 im Amt, sieht den Erfolg vor allem in der Konstanz der Mannschaft und einer gelungenen Kaderplanung begründet. „Einen entscheidenden Wendepunkt sehe ich nicht“, erklärte er bei SPORT1. Ausschlaggebend seien vielmehr stabile Leistungen und „sehr gute Personalentscheidungen“ gewesen.
Besonders nach der Winterpause sei intern das Vertrauen gewachsen. „Mit dem guten Trainingslager in der Türkei und dem Top-Start in das Jahr 2026“ habe die Mannschaft zusätzliches Selbstvertrauen entwickelt.
Sieben Jahre lang war Fortuna Köln aus dem Profifußball verschwunden. Trotz Druck und Unruhe blieb der Verein stabil. Überschattet wurde die jüngere Vereinsgeschichte allerdings vom Tod von Klublegende Hannes Linßen, der am 31. Oktober 2025 im Alter von 76 Jahren starb und bis heute als eine der prägendsten Figuren des Vereins gilt.
Fortuna steht seit Jahrzehnten für markante Persönlichkeiten – auch Bernd Schuster begann hier 1997 seine Trainerlaufbahn.
Neben den Einnahmen steigen auch die Kosten
Die aktuelle Entwicklung erklärt Mink jedoch weniger mit einzelnen Figuren: „Das war auch der guten Homogenität in der Mannschaft geschuldet.“ Zudem habe das Team Werte wie „Bodenständigkeit, Demut“ und eine „tolle Arbeitsmoral“ gelebt. Das habe „in vielen Phasen den Erwartungsdruck von außen überlagert“.
Mit dem Aufstieg sind allerdings auch neue finanzielle Rahmenbedingungen verbunden. Als Drittligist erhält Fortuna wieder Anteile aus den zentralen TV-Geldern, die sich ligaweit auf mehrere Millionen Euro summieren und gleichmäßig verteilt werden.
Gleichzeitig steigen jedoch auch die Ausgaben deutlich: Längere Auswärtsfahrten, Hotelübernachtungen und höhere Spielergehälter gehören künftig zum Alltag. Unterm Strich bedeutet die Liga also nicht nur mehr Einnahmen, sondern auch spürbar höhere laufende Kosten.
Für Mink persönlich hat der Aufstieg eine spezielle Bedeutung: „Das ist für mich etwas ganz Besonderes. Seine Laufbahn ist eng mit dem Klub verbunden: „Ich habe mit dem Verein Profifußball in der 2. Liga gespielt, als Funktionär den Abstieg miterlebt, bin als Trainer zweimal aus den Niederungen des Amateurfußballs aufgestiegen und jetzt wieder zurück im Profifußball.“ Für ihn sei das „ein wahrgewordenes Märchen, das noch lange weitergehen darf“.
Ex-Spieler begeistert: „Endlich“
Auch ehemalige Spieler verfolgen die Entwicklung mit großer Anteilnahme. Dirk Lottner jubelte: „Endlich. Mehr als berechtigt. Ich habe mich riesig gefreut, dass die Fortuna wieder im bezahlten Fußball ist.“
Er selbst ist eng mit dem Klub verbunden: „Es ist der Verein, bei dem ich groß geworden bin. Ich habe meine gesamte Jugend dort verbracht und die ersten sieben Jahre als Profi in der 2. Liga gespielt. Da steckt ganz viel Herz drin“, schilderte er im Gespräch mit SPORT1. Der 54-Jährige spielte von 1985 bis 1990 sowie von 1990 bis 1997 für die Fortuna. Seit vier Jahren ist er Trainer der U19 von Hannover 96.
Lottner fuhr fort: „Ich bin in der Südstadt geboren und in Zollstock groß geworden – also dort, wo die Fortuna zu Hause ist.“
Neben dem Jubel gibt es auch Defizite
Mit Blick auf den Aufstieg warnt Lottner aber auch vor hohen Anforderungen: „Mit Sicherheit braucht es sehr viel Ausdauer in der 3. Liga.“ Wirtschaftlich sei die Lage schwierig, auch wegen der Konkurrenz in der Stadt. Sponsoring und Zuschauerbindung seien entsprechend anspruchsvoll.
Auch infrastrukturell sieht er Defizite: „Das Stadion ist nach wie vor ein großes Problem. Das lockt keine Zuschauer an.“ Hinzu komme, dass die Sicht von Teilen der Haupttribüne eingeschränkt sei. Der Aufstieg müsse deshalb genutzt werden, um das Umfeld und die Bedingungen rund um den Verein weiterzuentwickeln.
Sportlich bewertet er den Klub dennoch positiv: Mit Trainer Matthias Mink sei Fortuna „im Moment sehr gut aufgestellt“.
Erinnerungen an prägende Zeiten
Gleichzeitig erinnert ihn die aktuelle Entwicklung auch an frühere, prägende Zeiten des Vereins – insbesondere an die Ära unter Präsident Jean Löring. Lottner denkt an eine Szene aus einem Spiel gegen Bayer Uerdingen zurück: Nach mehreren Verletzungen im Team habe Löring behauptet, ein Gegner habe unerlaubte Stollen getragen. „Löring war stocksauer, packte sich Heiko Lässig, zog ihn mit in unsere Kabine und versuchte, ihm die Schuhe auszuziehen, um die Stollen zu prüfen.“
Für Lottner zeigt die Episode die damalige Struktur des Vereins: „Löring war der Patriarch des Vereins und auch der Geldgeber. Die Fortuna hat komplett von ihm gelebt.“ Auch Vertragsentscheidungen sollen in dieser Zeit mitunter auf ungewöhnliche Weise gefallen sein: So wurde der neue Vertrag von Jacek Jarecki angeblich mit Löring beim Fußballtennis ausgespielt.
Ein Spieler steht sinnbildlich für die aktuelle Entwicklung
Die Fans sehen den Wandel ebenfalls deutlich. Sven R. (57), langjähriger Anhänger, sagte zu SPORT1: „Von außen betrachtet wirkt es so, als seien in den letzten Jahren professionelle Strukturen geschaffen worden.“
Fortuna Köln geht dementsprechend mit viel Euphorie und einem deutlich gefestigten Umfeld in die neue Saison. Auch sportlich sehen viele Fans den Klub heute stabiler aufgestellt als in früheren Jahren. Besonders Offensivspieler Enzo Wirtz gilt dabei als Hoffnungsträger.
„Er ist einfach die Lebensversicherung im Kader. Wirtz weiß, wo das Tor steht“, meinte der Fortuna-Anhänger. Der Angreifer war in der vergangenen Saison einer der wichtigsten Faktoren im Aufstiegskampf und steht sinnbildlich für die aktuelle Entwicklung der Mannschaft.
Fortuna-Fan: „Weg vom Mäzenatentum“
Strukturell habe sich der Verein ebenfalls verändert, berichtete der Fan: „So wie sich der Fußball verändert hat und athletischer geworden ist, hat sich auch Fortuna verändert – weg vom Mäzenatentum.“
Dabei erinnerte er auch an eines der kuriosesten Kapitel der Vereinsgeschichte: die legendäre Halbzeit-Entlassung von Toni Schumacher Ende der 1990er-Jahre. Damals war Jean „Schäng“ Löring als Präsident die prägende Figur des Vereins.
Während einer emotional aufgeheizten Partie forderten Fans bereits in der ersten Halbzeit lautstark: „Schmies dr Idiot doch endlich erus“ („Schmeiß den Idioten doch endlich raus“). Löring soll den Unmut der Kurve sogar mit einem zustimmenden Nicken begleitet haben. Noch in der Halbzeitpause wurde Schumacher freigestellt – ein bis heute außergewöhnlicher Vorgang im deutschen Fußball.
„Das war damals kein Schreckmoment, sondern eher eine Erlösung, weil Schumacher in meinen Augen nie wirklich zur Fortuna passte“, blickte der Fan zurück. „Die Stimmung war schon in der ersten Halbzeit komplett aufgeheizt.“
Mit dem Aufstieg beginnt für Fortuna Köln nun eine neue Phase, die im Umfeld deutlich stabiler und nachhaltiger wahrgenommen wird als viele frühere Kapitel der Vereinsgeschichte. Nach Jahren zwischen Tradition, Umbruch und Unsicherheit wirkt der Klub heute gefestigter denn je.