Manchmal lohnt es sich, einer Idee eine Chance zu geben – auch wenn sie auf den ersten Blick so aussieht, als würde sie nicht funktionieren. WWE-Star Danhausen hat es am Wochenende innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal unter Beweis gestellt.

Zweimal stand der vor einigen Wochen vom Wrestling-Marktführer verpflichtete Comedy-Showkämpfer im Zentrum einer Inszenierung, bei der WWE-Fans eine Überraschung in Aussicht gestellt wurde. Beide Male passierte nicht das, was die meisten Zuschauer sich erhofft hatten. Beide Male gab es deswegen laute Buhrufe. Doch beide Male bemerkten sie nach einer Weile: So schlecht war der Einfall doch nicht.

Und überhaupt: Diese ganze, angeblich auch hinter den WWE-Kulissen umstrittene Idee, dem eher schmächtigen und im Ring recht limitierten Sonderling aus Detroit eine größere Rolle im Zirkus der Kampfgiganten zu geben – sie hat sich schnell bezahlt gemacht. Mehr als die meisten ahnten.

WWE: Danhausens Debüt ging in die Hose

Etwas mehr als zwei Monate ist es her, dass WWE bei dem Event No Escape (Elimination Chamber) das Überraschungsdebüt des bei Konkurrent AEW recht glücklosen Danhausen auf die Bühne brachte – als unangekündigter Inhalt einer mysteriösen Box, die zuvor in den TV-Shows von WWE präsentiert wurde.

Als ihr Danhausen entstieg, reagierten die Fans mit lautstarken Buhrufen. Sie hatten einen größeren Star erwartet – und der recht kurze Auftritt der dämonischen Clownsfigur mit dem deutsch klingenden Namen gab Danhausen nicht viel Raum, die Negativstimmung zum Positiven zu wenden.

Weder Danhausen noch seine Förderer bei WWE ließen sich von dem Fiasko-Start beirren: Spürbar motiviert machten sie sich daran, den Beweis anzutreten, dass in Danhausen mehr steckte.

„Der seltsamste Star des Wrestling“ ist wieder obenauf

Tatsächlich ist es Danhausen seitdem sehr gut gelungen, den Zauber wieder einzufangen, der ihn vor einigen Jahren zu einer der größten Kultfiguren der Independent-Szene gemacht hatte – und ihm sogar ein großes Porträt in der New York Times beschert hatte.

„Der seltsamste Star des Wrestling“ (Überschrift des NYT-Artikels) fand bei WWE seine Nische als humorvoll-absurde Nebenfigur, die von ihren Feinden nicht ernst genommen wird, sie aber doch immer wieder aus dem Konzept bringt – mit kreativen Überraschungen und seiner rätselhaften Gabe, seine Gegner zu „verfluchen“.

Schneller als von den meisten vermutet entwickelte sich Danhausen bei WWE mit seiner liebevollen Revue zu einem brandheißen Phänomen: Sein WrestleMania-Auftritt mit Superstar John Cena gehörte zu den unterhaltsamsten Momenten der Megashow in Las Vegas. Danhausens Merchandise-Verkäufe sollen laut Medienberichten weit über den Erwartungen liegen – auch derer, die von Danhausens Potenzial schon vorher überzeugt gewesen seien.

Unterhaltsame Revue bei Backlash

Beim Event Backlash am Wochenende folgte nun das erste Match Danhausens bei einer WWE-Großveranstaltung – wieder mit einem Überraschungsclou, der den Fans zunächst nicht schmeckte.

Danhausen traf in Tampa zusammen mit einem „Mystery Partner“ auf das Duo The Miz und Kit Wilson. Als Danhausens unangekündigter Teamgefährte stellte sich ein „Klon“ heraus: Ein „Minihausen“ – der von den Fans zunächst ausgebuht wurde. Einmal mehr hatten sie sich einen größeren Namen erhofft.

Diesmal jedoch gelang es WWE an Ort und Stelle, die Stimmung zu drehen: Hinter der Minihausen-Figur steckte der kleinwüchsige mexikanische Wrestler Mascarita Sagrada (bei WWE einst auch als El Torito aktiv), der die Zuschauer mit spektakulären Aktionen und Einlagen verblüffte.

Minihausens Ringkunst sowie zahlreiche kreative Einfälle – der Einsatz eines Spiegels, mit dem Wilson einen „Fluch“ Minihausens abwehrte, eine Armada weiterer Minihausens, als Wilson Sagrada in die „Klonmaschine“ warf – sorgten dafür, dass die Fans am Ende hellauf begeistert von dem skurrilen Match waren.

Ein Ende der Danhausen-Mania ist vorläufig nicht abzusehen.