Wer Harry Kane nach dem Rückspiel in der Königsklasse gegen Paris Saint-Germain erlebte, konnte fast Mitleid haben. Der Engländer wirkte bei seinem Auftritt in der Mixed Zone müde, ausgepumpt und maßlos enttäuscht. Eine gewisse Leere war so kurz nach der Partie zu spüren – trotzdem stellte er sich noch am späten Abend den Fragen der Presse.
„Es wird sicherlich schwer. Wir hatten den festen Glauben, dass wir das heute drehen können. Es wird heute und morgen schwer, aber der Vorteil im Fußball ist es, dass man immer gleich die nächste Aufgabe hat“, sagte der Engländer, als ihn SPORT1 nach einem möglichen mentalen Tief fragte.
Kompany als Anführer gefordert
Fakt ist: Die Enttäuschung rund um den ganzen Verein ist riesengroß, die Atmosphäre hat sich verändert. Zur Wut über den Schiedsrichter kommt jetzt eine gewisse Katerstimmung.
Fakt ist auch: Es ist der Trainer, der jetzt die Stimmung wieder hochziehen muss – diese Rolle nimmt er an.
„Für mich geht es am nächsten Tag nur um die Zukunft – die ist dann wichtig. Ich weiß nicht, wie jeder Spieler damit umgeht. Das ist dann auch meine Rolle, das auch vorzuleben, wie man in so einer Situation damit umgehen muss“, erklärte Vincent Kompany am Freitagvormittag auf SPORT1-Nachfrage.
Man müsse manchmal eine solche Niederlage relativieren. Es gebe schließlich auch andere Dinge im Leben als Fußball. Dabei bezog sich der Belgier explizit auf Frank Schmidt. Der Heidenheimer Coach hatte nach dem 3:3 gegen den FC Bayern ähnliche Worte gewählt.
Im Kampf gegen einen möglichen Psycho-Knacks sucht Kompany die gleichen, eher warmen Worte – fast wie ein Psychologe. Bei den Spielern ist man sich derweil des Drucks bewusst. In München gibt es keine Ausreden, auch die Partie in Wolfsburg soll seriös angegangen werden.
Hat Bayern aus der Historie gelernt?
„Am Samstag ist das nächste Spiel und wir sind bei Bayern München. Auch hier müssen wir eine Top-Leistung bringen“, meint Kane und verwies auf das nächste große Ziel: Das Pokalfinale am 23. Mai gegen den VfB Stuttgart – auch wenn das Aus gegen Paris noch in den Knochen steckt. „Wir müssen jetzt über das Spiel gegen Paris sprechen und darüber nachdenken, aber der Fokus geht nach vorne“, so Kane.
Historische Beispiele, wie der FC Bayern bittere Nackenschläge überstand, gibt es viele: Nach der Drama-Pleite 1999 im Champions-League-Finale gegen Manchester United holte man zwei Jahre später die Trophäe. Auf das bittere „Finale dahoam“ 2012 folgte im Jahr darauf der Triumph in Wembley.
Eine Mahnung ist dagegen das Pokalfinale 1999: Das verlor man nämlich ähnlich dramatisch wie das Endspiel der Königsklasse nur wenige Tage zuvor – gegen Werder Bremen im Elfmeterschießen.