Der ehemalige deutsche Nationaltorwart René Adler hat Julian Nagelsmann für dessen kontroversen Umgang mit dem DFB-Kader kritisiert. „Es ist für einen Bundestrainer sehr schwer, es allen recht zu machen“, sagte Adler im Interview mit t-online. Eine Teilschuld für die jüngste Unruhe rund um das Thema WM-Nominierungen sieht der 41-Jährige dennoch beim DFB-Coach.
„Ein Teil der Wahrheit ist sicherlich, dass er sich gewisse Themen selbst aufgemacht hat“, warf Adler Nagelsmann vor. Die Kritik müsse aber nicht nur ihm, sondern auch den Medien gelten. „Sobald jemand sich nur einen Tick vergaloppiert, irgendetwas Falsches sagt, wird das dankbar ausgeschlachtet. Das ist auch irgendwie ein deutsches Thema“, meinte Adler weiter.
Rund um die Länderspielpause im März war Nagelsmann mit ungewöhnlich klaren Aussagen zum Kader der Nationalmannschaft hinsichtlich der WM im Sommer aufgefallen: So garantierte er beispielsweise Leon Goretzka trotz geringer Spielzeit beim FC Bayern mehr oder weniger einen Stammplatz.
Adler fordert Nachsicht bei Nagelsmann
Deniz Undav kann sich wiederum darauf einstellen, nicht über die Jokerrolle hinauszukommen. Selbst nach Undavs Siegtor in Stuttgart gegen Ghana kritisierte Nagelsmann hinterher die Leistung des Angreifers öffentlich, später bereute er die deutlichen Worte.
Laut Adler müsse man etwas Nachsicht beim Bundestrainer walten lassen: „In zehn Jahren betrachtet wahrscheinlich auch Julian Nagelsmann einige Dinge mit mehr Gelassenheit und besitzt den Weitblick, sie anders einzuordnen“, meinte Adler.
Von 2008 bis 2013 hatte der Torhüter insgesamt zwölf A-Länderspiele für Deutschland absolviert. Vor der WM 2010 galt Adler im Team von Joachim Löw sogar als klare Nummer eins, ehe ihn eine Verletzung zurückwarf. Manuel Neuer übernahm damals Adlers Posten – und wurde in den folgenden Jahren bekanntlich ein sicherer Rückhalt.