Der 1. FC Heidenheim hat in der Fußball-Bundesliga seine minimale Chance auf den Klassenerhalt gewahrt. Die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt gewann das wenig ansehnliche Kellerduell gegen den FC St. Pauli mit 2:0 (1:0) und hat bei drei ausstehenden Spielen nur noch vier Punkte Rückstand zum Relegationsplatz. St. Pauli muss im Abstiegskampf ebenfalls weiter kräftig zittern.
Budu Zivzivadze brachte Heidenheim, das aus den letzten fünf Spielen immerhin acht Punkte geholt hatte, bereits in der 3. Minute in Führung. Eren Dinkci (83.) machte spät alles klar und sorgte so für einen emotionalen Moment. Für Dinkci war es der erste Treffer, seitdem er Mitte April die Blutkrebsdiagnose seiner Partnerin öffentlich gemacht und den Aufruf für eine Stammzellenspende gestartet hatte.
Heidenheim: Emotionaler Moment um Dinkci
„Das passt ins Bild. Eine gute Leistung“, freute sich Schmidt über den emotionalen Treffer des Offensivspielers. „Er schafft es, im Training und in den Spielen den Kopf mal kurz frei zu bekommen und ich bin mir sicher: Da ist viel Familie dabei.“
Trotz der anhaltenden Abstiegssorgen der Heidenheimer machte Schmidt einmal mehr deutlich, dass es wichtigere Dinge als den Sport gebe: „Eren hat durch seine Reichweite die Möglichkeit, seiner Familie, seiner Frau und vielen anderen Menschen zu helfen. Man sieht, dass da heute und auch in der letzten Woche viel angekommen ist“, erklärte Schmidt bei DAZN.
„In erster Linie sind wir keine Fußballtrainer, Fußballspieler, Maschinen, sondern wir sind Menschen. Und so lange mich das berührt, sieht man auch, dass eine gute Beziehung da ist, die man braucht, um als Trainer Erfolg zu haben“, so Schmidt weiter.
Bundesliga: Heidenheim bleibt an St. Pauli dran
Durch den späten Siegtreffer von Dinkci bliebt St. Pauli damit auch im siebten Liga-Spiel in Serie ohne Sieg, der Druck auf das Team von Alexander Blessin wird im Saisonendspurt immer größer. Im Kellerduell habe man sich „nicht so dagegen gewehrt, wie sich es normalerweise gehört“, ärgerte sich Blessin nach dem Spiel, in dem es die Hamburger verpassten, Heidenheim in die zweite Liga zu stoßen.
„Wir haben möglichst gut vorbereitet und versucht, sehr viel Leichtigkeit reinzubringen diese Woche, damit dieses Worst-Case-Szenario gar nicht im Kopf drin ist“, erklärte FCH-Coach Schmidt nach Abpfiff bei Sky. Hätte Heidenheim die Partie verloren, wäre man abgestiegen.
Ende einer Ära? Schmidt wird vor Anpfiff deutlich
Am Freitag hatte der 52-jährige Schmidt für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er seinen Abschied im Sommer 2027 nach dann 20 Jahren in Heidenheim angedeutet hatte. Vor der Partie am Samstag ruderte er dann jedoch etwas zurück: Der Coach erklärte, dass seine Aussagen, seine Ära in Heidenheim könnte im kommenden Jahr enden, keinesfalls als endgültig zu verstehen sein und ärgerte sich über die mediale Berichterstattung.
Schmidt wählte eine offensive Ausrichtung. St. Pauli musste indes auf Offensivspieler Mathias Pereira Lage verzichten, der sich im Training eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte. Blessin sprach von einem „Schock“.
Nach Keeper-Assist: Heidenheim mit später Entscheidung
Auch die Partie begann mit einem Rückschlag für die Hamburger. Nach einem Eckball wirkte St. Pauli reichlich unsortiert, Zivzivadze stocherte den Ball über die Linie. St. Pauli benötigte einige Zeit, um sich zu finden. In der Folge entwickelte sich ein umkämpftes Spiel mit vielen Fehlern. Andreas Hountondji hatte die beste Chance zum Ausgleich (24.), doch FCH-Torwart Diant Ramaj reagierte glänzend. Für den Heidenheimer Keeper war es am 31. Spieltag das erste Spiel ohne Gegentor in der Saison.
Pauli-Coach Blessin verstärkte durch die Einwechslung von Martijn Kaars nach dem Seitenwechsel die Offensive. Danel Sinani traf gleich einmal das Außennetz des FCH-Tores, Ramaj parierte erneut gegen Hountondji (53.). Es war ein kurzes Aufbäumen. Dinkci sorgte für die Entscheidung, als er einen langen Ball vom eigenen Keeper Ramaj erlief und ins obere rechte Eck schlenzte.