Beim Heimspiel vor einer Woche gab es von Teilen der Dortmunder Fans Pfiffe gegen Nico Schlotterbeck zu hören. Der BVB-Profi selbst will die Unmutsbekundungen nach eigener Aussage nicht gehört haben.
„Die Pfiffe selber habe ich jetzt nicht wahrgenommen – vor dem Spiel, während des Spiels“, sagte Schlotterbeck vor dem Auswärtsspiel von Borussia Dortmund bei der TSG Hoffenheim (JETZT im LIVETICKER) bei Sky.
Schlotterbeck: „Die Leute waren grundsätzlich positiv“
„Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, waren grundsätzlich positiv, deswegen freue ich mich. Es war eine Entscheidung, die dann irgendwann getroffen worden ist. Ich bin happy damit und freue mich, weiter beim BVB zu sein“, ergänzte Schlotterbeck.
Vor der 0:1-Niederlage gegen Bayer Leverkusen waren beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung Pfiffe gegen den Dortmunder Vize-Kapitän zu vernehmen. Auch während der Partie gab es – wenn auch nur vereinzelt – Pfiffe, wenn Schlotterbeck am Ball war. Die Verantwortlichen verurteilten im Anschluss der Begegnung die Reaktionen des Publikums. Schlotterbeck selbst gab nach dem Spiel keine Interviews.
Am Tag vor der Partie gegen Leverkusen wurde die Vertragsverlängerung mit Schlotterbeck offiziell bekannt gegeben. Das neue Arbeitspapier läuft bis 2031, beinhaltet allerdings eine Ausstiegsklausel, die für bestimmte Topklubs – nach SPORT1-Informationen nicht jedoch für den FC Bayern – schon in diesem Sommer greifen könnte.
Hamann über Schlotterbeck: „Habe es nicht verstanden“
Sky-Experte Dietmar Hamann kann den Unmut der Dortmunder Anhänger durchaus nachvollziehen. „Ich weiß nicht, ob sie sich beide einen Gefallen damit getan haben. Ausstiegsklausel hin oder her, aber die hat er schon in drei Monaten. Ich habe den Eindruck bekommen, dass er nur unterschrieben hat, weil er im Moment keinen Verein hat – und er hofft, dass er nach der WM einen hat“, sagte Hamann.
Der Ex-Profi ergänzte: „Die Fans wollen sich identifizieren mit den Leuten, die da unten stehen.“
Das Geld, „das sie nach der WM möglicherweise mehr bekommen, kostet ja wahrscheinlich der neue Spieler mehr“, führte Hamann weiter aus. „Deswegen weiß ich nicht, ob das für beide Seiten so eine gute Lösung war. Ich habe es irgendwo nicht verstanden, sie haben sich so geeinigt, jetzt geht es weiter. Aber wir werden die Reaktionen der Dortmund-Fans natürlich weiter verfolgen.“
Tobias Schweinsteiger: „Das ist großes Business“
Eine andere Sicht vertrat parallel dazu bei DAZN Hamanns Expertenkollege Tobias Schweinsteiger: „Ich habe diese Emotionen nicht verstanden. Das ist großes Business, es geht da um so viel Geld.“
Aus Sicht des älteren Bruders von Bastian Schweinsteiger müssten die Fans berücksichtigen, dass Schlotterbeck dem BVB wirtschaftlich einen großen Gefallen getan habe: „Schlotterbeck sichert dem Verein eine Ablöse entsprechend seines Marktwerts und die Option, ihn weiter an Bord zu behalten.“
Von den romantischen Vorstellung von einst müsse man sich verabschieden: „Dass man sich das wünscht, dass es so ist wie früher, dass Spieler sagen: ‚Ich bleibe immer bei euch‘, das verstehe ich. Aber die Spieler heute streben nach dem Größten. Ein Spieler wie Nico Schlotterbeck will Titel gewinnen – und der BVB musste die Situation, so wie sie war, nutzen.“