Vor ein paar Tagen legte Oliver Kahn dem Bayern-Star Jamal Musiala einen Verzicht auf die WM im kommenden Sommer ans Herz – eine These, die bei Weggefährte Stefan Effenberg im SPORT1-Doppelpass keinen Anklang fand.
„Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass er mit zur WM muss und entweder von Anfang an oder als Einwechselspieler den Unterschied machen kann“, sagte Effenberg – und widersprach Kahns Gedanken, dass Musiala in besserer Verfassung sein müsste, um Bundestrainer Julian Nagelsmann beim Turnier eine Hilfe zu sein.
Musiala? „Natürlich ein Kopfproblem“
„Oli ist ein Torwart“, setzte Effenberg eine kleine Spitze gegen den früheren FC-Bayern-Kollegen – und erntete dafür Applaus des Publikums: „Das ist nicht böse gemeint. Oli meint das vermutlich eher vom Kopf her, dass es klick machen muss, aber ich glaube, dass es schon klick gemacht hat.“
Laut Effenberg gebe es bei Musiala „natürlich ein Kopfproblem. Nach so einer schweren Verletzung ist es ein Prozess.“ Aus Sicht von Effenberg ist Musiala mittlerweile aber darüber hinweg. „Er hat die Fitness und die Zeit muss man ihm geben.“ Musiala hatte sich im vergangenen Sommer bei der Klub-WM einen komplizierten Wadenbeinbruch zugezogen. Erst kürzlich warfen ihn Sprunggelenksprobleme zurück.
Effenberg verdeutlichte: „Er muss bei 100 Prozent sein. Ich bin der Meinung, dass man Musiala auch mitnehmen muss, wenn er nur bei 95 Prozent ist. Er kann in den letzten Minuten eines Spiels immer noch den Unterschied machen. Das hat er bei Bayern München und in der Nationalmannschaft gezeigt.“
Beim 3:2-Sieg in der Bundesliga beim SC Freiburg sowie beim 2:1-Erfolg in der Champions League bei Real Madrid wurde Musiala eingewechselt, konnte aber keine nennenswerten Impulse setzen. Erst beim 5:0 auf St. Pauli, als Musiala in der Startelf stand, zeigte er, was er zu leisten imstande ist.
Das merkte auch Effenberg an: „Das Spiel gegen St. Pauli war ein Schritt in die richtige Richtung, das muss er jetzt tragen. Wenn er das tut, wird er ein wichtiger Teil der Nationalmannschaft bei der WM.“
Bobic: „Man muss ihm die Zeit geben“
Ähnlich äußerte sich auch Fredi Bobic, aktuell Leiter der Fußballabteilung bei Legia Warschau, über Musiala. „Der wird ein Weltstar, er ist ein Ausnahmespieler, der in jedem Spiel den Unterschied machen kann. Aber man muss mal festhalten: Er war sechs Monate verletzt und um Fußball gibt es eine Faustformel: Du brauchst dann wieder sechs Monate, um in Topform zu kommen. Die WM fällt genau in den Zeitraum herein.“
Der Europameister von 1996 forderte: „Er wird zu 100 Prozent kommen, aber man muss ihm die Zeit geben. Vincent Kompany und der FC Bayern managen das sehr gut und irgendwann wird es den Zeitpunkt geben, wo es klick macht.“