Die verrücktesten Wochen des Basketball-Jahres finden am anstehenden Wochenende ihren Höhepunkt, wenn nach knapp drei Wochen „March Madness“ das Final Four der NCAA (US-Collegebasketball) in Indianapolis stattfinden.

Wie groß der Stellenwert dieses Final-Turniers ist, wird auch am Austragungsort deutlich. Denn die Halbfinals und das Finale finden im Lucas Oil Stadium statt, dem knapp 70.000 Zuschauer fassenden Football-Stadion der Indianapolis Colts aus der NFL.

Mit dabei sind mit Ivan Kharchenkov (University of Arizona), Eric Reibe und Dwayne Koroma (beide University of Connecticut, kurz UConn) gleich drei deutsche Spieler. Kharchenkovs Wildcats treffen im Halbfinale auf die Michigan Wolverines, seine zwei Landsleute bekommen es mit den Illinois Fighting Illini zu tun.

Speziell Reibe und Koroma erlebten im Elite Eight (Viertelfinale) den Wahnsinn der „March Madness“, als sie Sekunden vor Schluss bei gegnerischem Ballbesitz mit zwei Punkten hinten lagen, UConn dann aber den Ball erobern konnte und mit einem Dreier von knapp hinter der Mittellinie doch noch ins Final Four einzog.

Niels Giffey (2.v.r.) gewann 2014 den NCAA-Titel
Niels Giffey (2.v.r.) gewann 2014 den NCAA-TitelNiels Giffey (2.v.r.) gewann 2014 den NCAA-Titel© IMAGO/ZUMA Press Wire

Ganz zur Freude von Basketball-Weltmeister und Ex-UConn-Spieler Niels Giffey, der zu seiner College Zeit gleich zweimal die Meisterschaft gewann und damit auch letzter deutscher US-Collegemeister ist.

Nach Bayerns Sieg in der EuroLeague gegen Fenerbahce Istanbul nahm sich Giffey Zeit für SPORT1 und erklärte die Besonderheiten des College-Basketballs und was er vom Final Four erwartet. Zum Gespräch kam Giffey standesgemäß mit einer UConn-Basecap und sagte strahlend: „Ich bin schon ready für das Wochenende.“

Bayern-Star Niels Giffey erklärt Faszination „March Madness“

SPORT1: Am Wochenende steht das Final Four des NCAA-Turniers an. Mit dabei sind gleich drei Deutsche. Sie haben gleich zweimal die College-Meisterschaft gewonnen. Worauf können sich die Jungs am Wochenende einstellen?

Niels Giffey: Das wird einfach eines der besten Wochenenden ihres Lebens. Wenn du es ins Final Four geschafft hast, kannst du einfach alles genießen und diese einmalige Erfahrung mitnehmen. Das ist so ein schönes und wirklich einzigartiges Event. Es ist genial.

SPORT1: Sie haben in Ihrer Karriere einige besondere Momente erlebt. Gibt es etwas, womit man die drei verrückten Wochen vor dem Finalturnier und dann auch das Final Four vergleichen kann?

Giffey: Nein, da gibt es eigentlich nichts wirklich. Es ist komplett anders. Klar war ein absolutes Highlight die Weltmeisterschaft, weil man da nochmal einen anderen Stolz verspürt, für sein Land zu spielen. Aber in diesen drei Wochen spielst du auch für eine ganze Uni und in unserem Fall sogar für einen ganzen Staat. Das ist nochmal eine andere Situation. Das ist ein unglaublich spezielles Zugehörigkeitsgefühl. Es ist eine spezielle und riesige Community, wo alle für dieselbe Sache brennen.

Niels Giffey bei der Parade nach der Meisterschaft
Niels Giffey bei der Parade nach der MeisterschaftNiels Giffey bei der Parade nach der Meisterschaft© IMAGO/ZUMA Press Wire

Giffey wünscht sich deutschen NCAA-Champion: „Wäre genial“

SPORT1: Sie kennen Ivan Kharchenkov, der für die University of Arizona, einen der großen Favoriten, spielt, sehr gut. Sie haben in der vergangenen Saison noch gemeinsam beim FC Bayern gespielt. Was trauen Sie ihm am Wochenende zu?

Giffey: Er hatte letzte Saison für uns in den Playoffs schon wichtige Momente, aber er spielt auch jetzt sehr gut. Er ist einfach in jeder Situation grundsolide. Am Wochenende muss er einfach sein Ding machen, verteidigen und in der Offensive aggressiv sein. Er kennt diese Art der großen Bühne wahrscheinlich sogar besser als viele Leute, gegen die er spielt.

SPORT1: Da Ihre Uni UConn auch dabei ist, darf er aber nicht darauf hoffen, dass Sie ihm die Daumen drücken?

Giffey: Im Halbfinale schon, aber nicht fürs Finale (lacht).

Ivan Kharchenkov will mit Arizona den Titel
Ivan Kharchenkov will mit Arizona den TitelIvan Kharchenkov will mit Arizona den Titel© IMAGO/Newscom World

Giffey: „Musste aufpassen, dass ich nicht wild rumschreie“

SPORT1: Hoffen Sie denn, dass es endlich wieder einen neuen deutschen NCAA-Champion geben wird?

Giffey: Ja, das wäre genial. Einer wird es ganz sicher machen. Ich glaube nicht, dass Illinois das gewinnt.

SPORT1: Wie bewerten Sie die Chancen Ihrer Universität Uconn rund um Eric Reibe und Dwayne Koroma?

Giffey: Ich bin schon überzeugt, dass sie es holen können, speziell nach dem unglaublichen Sieg im letzten Spiel. Das war witzigerweise das erste Spiel, das ich live geguckt habe. Ich war am Handy im Bett und musste aufpassen, dass ich nicht wild rumschreie, weil neben mir meine Frau schon geschlafen hat.

Druck bei Final Four? „Zerbrechen manchmal an Situationen“

SPORT1: Man kann schon klar sagen, dass man Fan fürs Leben bleibt, wenn man einmal an einer Uni gespielt hat, oder?

Giffey: Du bist immer Fan. Vielleicht ist es durch das Transferportal jetzt etwas anders. Aber für uns war es eine Identität und Verbindung, die für das Leben bleibt. Du lebst zusammen, du wohnst zusammen in WGs. Du bist zusammen im Unterricht. Das ist nochmal ganz anders als jetzt als Profi. Du bist nochmal viel enger zusammen, machst nochmal mehr Sachen zusammen. Also wenn diese Verbindungen gut sind, dann hast du eine überragende Zeit, an die du immer gerne zurückdenkst.

SPORT1: Wie groß ist denn der Druck im Turnier und vor dem Final Four. Man hat im Turnier ja auch öfter gesehen, dass da wirklich junge Menschen spielen, die auf einer unglaublich großen Bühne folgenschwere Fehler machen.

Giffey: Der Druck ist extrem und es ist speziell für jüngere Spieler echt schwer, selbst wenn sie mehr Talent haben. Die zerbrechen da manchmal an Situationen. Das ist allerdings auch in gewisser Weise das Coole am College-Basketball. Dadurch hast du verrückte Spiele oder verrückte Situationen, wo du manchmal sagst: „Oh mein Gott, was ist denn? Wo kommt dieser Turnover her?“ Aber es ist ganz viel Talent dort und das Spannende ist halt, dass es wirklich noch Jungs sind. 

SPORT1: Können Sie sich an einen Moment aus Ihrer College-Zeit erinnern, der vergleichbar mit dem wilden Buzzer-Beater-Sieg von UConn aus diesem Jahr war?

Giffey: Wir hatten auch ein paar Buzzer-Beater. Aber ein Play, das mir direkt einfällt, ist der legendäre „Kemba-Step-back“. Der war ähnlich, wenn auch nicht auf einer so großen Stage. Der war im Halbfinale des Big East Tournament. Diese entscheidende Situation hat uns damals auch weitergebracht. Das war cool.