Schon im September verkündete die FIFA eine WM-Revolution beim kommenden Turnier in den USA, Mexiko und Kanada. Alle 104 Spiele werden pro Halbzeit einmal für eine dreiminütige Trinkpause unterbrochen, die etwa in der 22. und 67. Spielminute stattfinden sollen.

Eine Entscheidung, die von Bayern-Legende Bixente Lizarazu nun scharf kritisiert wurde. In seiner Kolumne für die französische Sport-Tageszeitung L’Équipe erklärte er, die Trinkpausen würden zur „Logik der Zerstückelung und der ständigen Suche nach Aufmerksamkeit“ passen, die in den USA an den Tag gelegt wird.

Lizarazu über WM-Trinkpausen: „Eine getarnte Werbepause“

Seine klare Forderung: Der Spielrhythmus von zweimal 45 Minuten müsse eingehalten werden. „Wir dürfen den Geist des Fußballs oder seinen Spielablauf nicht verändern, nur weil wir in ein Land reisen, das eine andere Auffassung von Sportspektakel hat“, kritisierte der 97-malige Nationalspieler Frankreichs. Durch die Trinkpause sei der Kern des Fußballs „ernsthaft beeinträchtigt“.

Lizarazu behauptet, die Trinkpausen seien „in Wirklichkeit nur eine getarnte Werbepause, die physiologisch nicht notwendig ist”.

Offiziell hatte die FIFA die Einführung der Regel mit der Gesundheit der Profis begründet. „Die FIFA bekräftigt damit ihr Engagement für das Wohlbefinden der Spieler beim Turnier, das nächsten Sommer in Kanada, Mexiko und den USA ausgetragen wird“, hieß es in einer Mitteilung auf der Verbands-Webseite: „Trinkpausen sollen dazu beitragen, den Spielern bestmögliche Bedingungen zu garantieren.“

Darüber hinaus sind die Unterbrechungen „weder an das Wetter noch an bestimmte Temperaturen geknüpft, sondern werden von den Schiedsrichtern bei allen Spielen verordnet, womit für die Teams in sämtlichen Spielen gleiche Bedingungen gelten“, schilderte der Verband.

WM 2026: TV-Anbieter dürfen Werbung schalten

Im März berichtete die Nachrichtenagentur AP schließlich, dass die TV-Anstalten in den Spielunterbrechungen Werbung schalten dürfen. Dabei haben sie offenbar die Wahl zwischen einem geteilten Bildschirm, auf dem sie ausschließlich Werbung für FIFA-Sponsoren zeigen dürfen, oder einer vollständigen Unterbrechung, in der sie wie gewohnt beliebige Werbung zeigen können.

Bereits bei der Klub-WM im Sommer hatte es Kritik am Umgang mit Temperaturen von teils über 40 Grad gegeben. BVB-Trainer Niko Kovac sprach unter anderem von „irregulären Bedingungen“ und meinte, seine Spieler würden „wie so ein Grillhähnchen gebraten“.

Laut Lizarazu hätte man diese Problematik jedoch auch auf einem anderen Weg lösen können.

Bayern-Legende fürchtet um „Dramaturgie“

„Ich erinnere mich, unter extrem heißen Bedingungen gespielt zu haben, auf der von der Trainerbank entfernten Seite. Ich stellte mir eine Flasche hin und trank bei jeder Unterbrechung“, erklärte der 56-Jährige und bemängelte: „Mit etwas Verstand lassen sich leicht andere Lösungen finden, um sich an die Hitze anzupassen.“

Sportlich gesehen würden die Unterbrechungen zudem den Spielfluss stören, die Strategie verändern und so „der Dramaturgie schaden“. Durch diese und weitere Änderungen der FIFA fürchtete Lizarazu, könne der Fußball in Zukunft „seine Spontanität, seine Kreativität und seine Freiheit“ verlieren.

„Heute schaue ich besonders gern einem Spieler wie Michael Olise zu, weil ich das Gefühl habe, dass er die Codes des modernen Fußballs durchbricht, unberechenbar und frei ist“, erklärte der Franzose, der allerdings auch anmerkte, dass Taktik „im Fußball natürlich schon immer einen wichtigen Platz“ hatte.