Mit 34 Jahren und vier Monaten feierte Oliver Baumann sein Debüt im DFB-Tor. Kurz vor der WM ist der Routinier der TSG Hoffenheim die klare Nummer eins im deutschen Tor. Doch im Doppelpass auf SPORT1 wird der Keeper durchaus kritisch beäugt.
Die große Frage für Stefan Effenberg ist, ob Baumann den hohen Ansprüchen Deutschlands nach Jahren mit unter anderem Manuel Neuer oder Oliver Kahn hinsichtlich der WM genügen kann. „Du brauchst absolute Weltklasse im Tor. Warum wurde Argentinien Weltmeister? Nicht wegen Messi, sondern wegen Martinez. Du brauchst diese Ausstrahlung im Tor. Ich wünsche ihm das, dass er das kann“, sagt der SPORT1-Experte.
Effenberg hat daran Zweifel. Bei Baumann gebe es ein „Für und Wider. Er spielt eine ordentliche Runde mit Hoffenheim. Das spricht für ihn und sein Selbstvertrauen. Ich sehe ihn aber nicht in der absoluten Weltspitze. Es ist schon ein Unterschied, wenn die anderen kommen und dann steht da ein Manuel Neuer. Baumann ist eher eine unbekannte Nummer.“
Zudem findet Effenberg, dass Baumann in seinem Klub Hoffenheim etwas unter dem Radar spiele und Ausrutscher – anders als bei Torhütern der absoluten Topvereine – weniger kritisch gesehen werden. Effenberg zog als Beispiel das 0:5 der Hoffenheimer gegen Leipzig heran, bei dem Baumann an mehreren Gegentoren eine Mitschuld trug.
Baumann? „Krasse Torwartfehler drin“
„Über seine Gegentore in der Bundesliga wird gar nicht geredet. Beispielsweise gegen Leipzig hatte er krasse Torwartfehler drin. Bei Manuel Neuer würden wir diskutieren, ob er noch der Richtige wäre oder zu alt ist. Bei Baumann gar nicht“, so Effenberg.
Auch SPORT1-Experte Alfred Draxler teilt diese Einschätzung. „Baumann fehlt die internationale Erfahrung. Das ist bei einer WM schon wichtig. Baumann ist jetzt die Nummer eins, er ist der Beste, aber die Unhaltbaren hält er nicht.“
Im Länderspiel gegen Ghana am Montag wird Baumann pausieren. Bei seinem Heimspiel in Stuttgart wird Alexander Nübel zwischen den Pfosten stehen, wie Bundestrainer Julian Nagelsmann bei der Pressekonferenz am Sonntagnachmittag bestätigte.
„Es ist kein Casting auf der Torwart-Position, sondern eine Belohnung für die gute Leistung über einen langen Zeitraum. Deswegen bekommt er hier sein Heimspiel“, sagte Nagelsmann, der auch Nübels Loyalität als Nummer 2 hinter Baumann lobte.