Emma Aicher hat die Sensation im Rennen um den Gesamtweltcup verpasst. Die deutsche Topathletin musste sich der Dominatorin Mikaela Shiffrin geschlagen geben, die im finalen Riesenslalom ihre Pflicht erfüllte – und letztlich sogar vor der Deutschen landete.

Ein Fehler im zweiten Durchgang kostete Aicher, die 12. wurde, eine bessere Platzierung. Der Gesamtweltcup war zu diesem Zeitpunkt aber schon außer Reichweite.

Emma Aicher musste sich Mikaela Shiffrin geschlagen geben
Emma Aicher musste sich Mikaela Shiffrin geschlagen geben Emma Aicher musste sich Mikaela Shiffrin geschlagen geben© IMAGO/GEPA pictures

Nur ein Szenario hätte Aicher den großen Triumph eingebracht: Sie hätte das Rennen in Lillehammer gewinnen müssen – nie zuvor siegte sie im Riesenslalom – und Shiffrin hätte die Top 15 verpassen müssen. Doch die US-Amerikanerin landete als Elfte in den Punkten und war für Aicher so nicht mehr einzuholen.

Shiffrin fährt in die Geschichtsbücher

Shiffrin sicherte den sechsten Sieg im Gesamtweltcup: Sie stellte damit den Rekord von Annemarie Moser-Pröll ein, keine Frau gewann die große Kugel häufiger. Als Shiffrin realisierte, dass sie am Ziel angekommen war, ging sie im Ziel in die Knie, die Tränen flossen.

„Es hätte in beide Richtungen gehen können und Emmas erster Lauf war spektakulär“, sagte Shiffrin im ZDF: „Ich habe schon gedacht, ich sehe die Überschriften. Ich muss es irgendwie umbiegen.“ Shiffrin hatte die Top 15 im ersten Durchgang noch verpasst.

„Ich habe wirklich gedacht, der Tag würde anders verlaufen. Ich dachte wirklich, dass ich keine Punkte hole und Emma das Rennen gewinnt“, erzählte die Amerikanerin. Deshalb sei es so emotional geworden: „Seit Olympia habe ich nicht mehr geweint.“

Aicher stolz auf starke Saison

Aicher hatte mit einem starken ersten Lauf als Dritte die Hoffnung auf das Wunder geschürt. Im zweiten Lauf reichte ein kleiner Patzer, um sie zurückzuwerfen. Ihr bislang bestes Resultat im Riesenslalom bleibt damit ein vierter Platz.

Trotzdem war die Deutsche stolz, der erfolgreichsten Skifahrerin der Geschichte lange Paroli geboten zu haben: „Es ist schon ganz cool, dass ich wirklich bis zum Ende ein bisschen mithalten konnte. Es war mir klar, dass es richtig schwer sein wird. Da muss ein Wunder passieren, dass es für mich dann läuft“, sagte Aicher im ZDF

Sie sei sehr zufrieden mit der Saison. Die wichtigste Erkenntnis: „Das die Arbeit sich auszahlt. Was man reinsteckt, kriegt man zurück.“

Der Sieg von Lillehammer ging an die Kanadierin Valérie Grenier, die kleine Kristallkugel im Riesenslalom an Julia Scheib aus Österreich.

Aicher nimmt eine Sonderstellung ein

Der neue deutsche Wintersport-Star Aicher nimmt im Weltcup-Zirkus nach wie vor eine Sonderstellung ein. Es gibt keine andere Fahrerin, die in allen vier Disziplinen antritt und dann auch noch um die Podestplätze mitfährt.

Shiffrin fand schon vor dem letzten Rennen klare Worte: Es breche „eine neue Ära der größten Allrounderin an.“

Insgesamt stand Aicher in dieser Saison zehn Mal auf dem Podium – und das in drei verschiedenen Disziplinen. Bei den Olympischen Winterspielen gewann sie außerdem zweimal Silber.