Stefanos Tsitsipas gilt als der beste Tennisspieler der griechischen Geschichte. Zu Beginn seiner Karriere wurde ihm sogar zugetraut, die Nummer 1 zu werden und reihenweise Grand Slams zu gewinnen. Kein Wunder, schließlich besiegte der Grieche in jungen Jahren sogar die Big Three um Novak Djokovic, Rafael Nadal sowie Roger Federer und gewann die ATP Finals. Bis auf Rang drei der Weltrangliste kämpfte er sich vor und schien auf bestem Wege, die Tenniswelt zu erobern.

Sechs, sieben Jahre nach vorne gespult, sieht die Gegenwart ganz anders aus. Zwar hat er auch zwei Grand-Slam-Endspiele erreicht, wovon er eines nach einer Zwei-Satz-Führung noch verlor – doch danach folgte der Absturz, der nun seinen traurigen Tiefpunkt erreicht hat. Nach dem Erstrundenaus in Indian Wells rutschte Tsitsipas sogar aus den Top 50 – seine schlechteste Platzierung seit acht Jahren.

Das Tennis-Rätsel um Stefanos Tsitsipas

Der Leistungsabfall kommt nicht von ungefähr. Seit rund einem Jahr findet der Grieche nicht mehr zu seiner früheren Konstanz zurück und schafft kaum mehr als zwei Siege in Folge.

Auch bei seinem Lieblingsturnier, den Australian Open, erlebte Tsitsipas zuletzt eine Enttäuschung. Nachdem er dort bereits dreimal das Halbfinale und einmal das Finale erreicht hatte, das er 2023 gegen Djokovic verlor, schied der Grieche Anfang des Jahres bereits in der zweiten Runde aus.

Die Misserfolge gepaart mit körperlichen Problemen nahmen dem inzwischen 27-Jährigen zwischenzeitlich sogar die Freude am Tennis. „Selbst als ich das Turnier in Dubai (Februar 2025, Anm. d. Red.) gewann, war ich mir unsicher, ob ich das Niveau halten oder überhaupt weiter spielen könnte. Im Laufe des Frühjahrs wurde es immer schlimmer, und schließlich machte mir das Spiel keinen Spaß mehr.“

Sogar ein Karriereende vor dem Erreichen des 30. Lebensjahres scheint aktuell nicht ausgeschlossen – das wäre enorm schade, schließlich schien sein Weg an die Tennis-Spitze vorgezeichnet zu sein.

Tsitsipas: Auf steilen Aufstieg folgt steiler Abstieg

Erstmals tauchte er bereits 2016 unter den Top 500 der Weltrangliste auf, ein Jahr später zählte er bereits zu den Top 100. Zwei Jahre später wurde er schließlich als „Most Improved Player of the Year“ ausgezeichnet und etablierte sich über Jahre in der Weltelite.

Der griechische Tennis-Star Stefanos Tsitsipas ist aktuell vom Weltklasse-Niveau weit entfernt
Der griechische Tennis-Star Stefanos Tsitsipas ist aktuell vom Weltklasse-Niveau weit entferntDer griechische Tennis-Star Stefanos Tsitsipas ist aktuell vom Weltklasse-Niveau weit entfernt

Seine beste Platzierung erreichte der Grieche dabei im August 2021 mit Platz drei. Auch in den beide Folgejahren etablierte er sich unter den Top Fünf und zählte regelmäßig zu den heißesten Anwärtern auf Titel.

Doch dann folgte die Wende, ein Negativtrend festigte sich, all die Niederlagen gegen die größten Stars um Djokovic nagten an seinem Selbstvertrauen, was sich nun immer mehr an unerklärlichen Leistungen auch gegen schwächere Spieler zeigte.

Es kamen weitere Einflüsse neben dem Tenniscourt hinzu, die mit dem sportlichen Abfall zusammenhängen könnten. Zum einen kam es zum Ende der Liebesbeziehung mit Tennisprofi Paula Badosa. Doch viel gravierender ist wohl das ständige Hin und Her in Sachen Trainer.

Immer wieder kamen erfolgreiche Coaches an Bord und sein sonst so einflussreicher und lautstarker Vater Apostolos Tsitsipas sollte ein wenig kürzer treten – doch dieses Abkommen hielt oft nicht lange und so warfen die Trainer wie Ex-Profi Goran Ivanisevic, der ihn zudem öffentlich kritisierte, oft schnell wieder hin. So kehrte sein Vater auch offiziell ins Team Tsitsipas zurück, was seiner Karriere bisher wenig half.

Tsitsipas deutet sogar frühes Karriereende an

Gleichzeitig kämpfte Tsitsipas zuletzt immer häufiger mit körperlichen Problemen, die sich auch auf seine mentale Verfassung auswirkten. Vor allem sein Rücken bereitete dem Griechen in den vergangen Monaten einige Probleme.

Nach seiner Niederlage bei den US Open 2025 gegen den Deutschen Daniel Altmaier sprach Tsitsipas offen über seine Situation: „Ich hatte wirklich Angst um meinen Rücken, weil ich zwei Tage nicht laufen konnte. Wenn so etwas passiert, beginnt man, die Zukunft seiner Karriere zu überdenken.“

Wie stark ihn diese Gedanken beschäftigen, zeigte sich auch im Oktober 2025 beim Six Kings Slam in Saudi-Arabien. Nach einer deutlichen Niederlage gegen Jannik Sinner (2:6, 3:6) sagte Tsitsipas: „Wenn man nicht fit ist, in so einem schlechten Zustand – die ganze Zeit und nicht nur eine oder zwei Wochen -, dann gehen einem viele Gedanken durch den Kopf.“

Er sprach auch offen über Phasen, in denen er sich Grundsatzfragen gestellt habe. „Warum mache ich das? Am Ende ist es mir wichtiger, glücklich und frei zu sein, als wegen des Sports, den ich liebe, Probleme wegen Schmerzen zu haben. Ich würde dem lieber ein Ende setzen, wenn es so weitergeht“, hielt Tsitsipas fest.

Der 27-Jährige blickte im vergangenen Jahr noch mit Zuversicht auf ein erfolgreicheres und schmerzfreieres neues Tennisjahr: „Ich hoffe, 2026 wird das anders, das ist mein größter Wunsch.“ Doch weder die Probleme mit dem Rücken scheinen komplett zu verschwinden noch die Rückkehr zu mehr sportlichen Erfolg zu klappen.

Bei den Miami Open versucht Tsitsipas nun, die Wende einzuleiten – sollte er erneut früh scheitern, werden seine Zweifel, ob das alles noch so Sinn macht, wohl nur noch größer.