Hallo Fußballfreunde,
die WM in Katar neigt sich dem Ende zu. Während die deutsche Nationalmannschaft verdientermaßen schon längst wieder in der Heimat verweilt, haben sich mit dem amtierenden Weltmeister Frankreich, Argentinien, Kroatien und Marokko die besten vier Teams des Turnieres herauskristallisiert.
Besonders Marokko hat mich bislang sehr beeindruckt. Die Nordafrikaner sind verdient bis ins Halbfinale hervorgedrungen und sie spielen auch so, wie ich mir das vorgestellt habe. Sie greifen kollektiv an und verteidigen sehr geschlossen, diszipliniert und mit großer Leidenschaft.
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Diese Attribute benötigt eine Turniermannschaft auch, um weit kommen zu können. Diesen Kampf um jeden Ball habe ich besonders bei der deutschen Mannschaft schwer vermisst.
Warum nicht Marokko gegen Kroatien im Finale?
Auch gegen die favorisierten Portugiesen hat Marokko erneut die Null gehalten, nun wartet mit Frankreich der Titelverteidiger im Halbfinale. Aber: Warum sollte Marokko es nicht ins Finale schaffen? Griechenland hat es 2004 vorgemacht, als Underdog einen Titel zu erringen. Frankreich wird großen Respekt vor Marokko haben – und das völlig zurecht! (DATEN: WM-Spielplan 2022)
Grundsätzlich kann man die Entwicklung festhalten, dass die Lücke zwischen der Weltspitze und „kleineren“ Nationen kleiner geworden ist. Wie die WM gezeigt hat, sind Länder wie Saudi-Arabien, Australien oder eben auch Marokko mittlerweile mehr als nur konkurrenzfähig, das war vor einigen Jahren noch ganz anders.
Auch Kroatien möchte ich meinen Respekt aussprechen. Ähnlich wie Marokko verfügen die Kroaten über diese Kämpfer-Mentalität, sie verteidigen diszipliniert und kompakt. (NEWS: Alles Wichtige zur WM)
Sie sind zudem ein eingeschworener Haufen, den man auch erstmal bezwingen muss. Besonders dieser Stolz und die Freude vor den Spielen in den kroatischen Augen fasziniert mich sehr, da könnte sich unsere deutsche Mannschaft eine große Scheibe davon abschneiden.
Vor allem Josko Gvardiol von RB Leipzig wächst in Katar bislang über sich hinaus, er hat den größten Sprung aller Spieler während der WM gemacht. Gegen Argentinien wird es natürlich alles andere als einfach, aber nicht unmöglich. Ich wünsche mir ein Finale zwischen Kroatien und Marokko.
Wieder einmal nicht gereicht hat es für England und Portugal. Obwohl die Three Lions gegen Frankreich über weite Strecken gut im Spiel waren und es den Franzosen schwergemacht haben, mussten sie wieder den Kürzeren ziehen. Besonders für Harry Kane tut es mir sehr leid. Dass sein Fehlschuss vom Punkt am Ende ausschlaggebend für das Aus ist, ist einfach nur tragisch.
Auch Cristiano Ronaldos Traum eines WM-Titels ist endgültig geplatzt. Gegen einen vermeintlich machbaren Gegner wie Marokko trotz großem Chancen-Übergewicht so auszuscheiden, ist natürlich extrem bitter.
Effenberg: „So willst du natürlich nicht abtreten“
Für Ronaldo, dessen vergangene Monate alles andere als einfach waren, tut es mir leid. Er ist nach wie vor ein außergewöhnlicher Fußballer, der, wie ich glaube, sein letztes Spiel für die Nationalmannschaft gespielt hat. So willst du natürlich nicht abtreten.
Weltmeister Olaf Thon glaubt , Cristiano Ronaldo hätte früher aus der Nationalmannschaft zurücktreten sollen.
Ähnlich enttäuschend wie im portugiesischen Lager geht es auch beim DFB zu. Nachdem sich der DFB von Teammanager Oliver Bierhoff getrennt hat, steht der DFB vor einer wegweisenden Entscheidung. Wer wird sein Nachfolger und was muss sich im Verband grundsätzlich ändern?
Schlüssel für den DFB? „Es braucht mehr Reibung!“
Für mich steht fest: Es braucht mehr Reibung im DFB! Ich hatte bislang den Eindruck, dass es zwischen der Nationalmannschaft und dem Verband zu harmonisch abläuft. Dabei ist es enorm wichtig, dass auch kritisches Gedankengut im DFB mitwirkt und auch mal gegen den Strom schwimmt. Wenn alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, kommt eine Mannschaft nicht voran.
Auch beim FC Bayern gab es immer wieder Reibereien, die den Klub weit gebracht haben. Besonders im Trainerteam würden Ex-Spieler mit Fachwissen durchaus guttun, man nehme Kroatien als hervorragendes Beispiel. Ex-Spieler wie beispielsweise Mario Mandzukic oder Ivica Olic können nur hilfreich sein für Kroatiens Trainer Zlatko Dalic.
Sie haben es geschafft, solche Leute in ihr Trainerteam einzubauen. Wir haben Hansi Flick, der alles macht. Dahinter fehlt es an Fachkompetenz.
Auch die Nachfolge von Oliver Bierhoff muss zwingend geklärt werden. Für mich ein legitimer Kandidat: Jürgen Kohler.
Tritt Jürgen Kohler die Nachfolge von Oliver Bierhoff an? Zumindest bringt der Ex-Nationalspieler sich selbst beim WM Doppelpass ins Gespräch.
Mit seiner Erfahrung kann er sich auf jeden Fall im DFB gut einbringen. Er hat alles gewonnen, weiß, wie man mit Niederlagen umgeht und wäre somit eine sinnvolle Alternative. Meine Ambitionen liegen derweil nicht in einer Tätigkeit des Verbandes, als SPORT1-Experte fühle ich mich sehr wohl!
„Die Ziele des FC Bayern sind jetzt alle in Gefahr!“
Ins kriselnde Bild des DFB passt zudem die Verletzung von Manuel Neuer. Sein Beinbruch und das damit einhergehende Saison-Aus wird für die Bayern-Verantwortlichen Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic sicherlich die größte Herausforderung.
Sie müssen jetzt die Entscheidung treffen, ob sie Alexander Nübel vorzeitig aus Monaco zurückholen wollen und überhaupt können oder sich mit einer klaren neuen Nummer eins verstärken. Auch die Option, mit Sven Ulreich die Saison zu Ende zu spielen, steht im Raum. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich die Verantwortlichen des FC Bayern entscheiden werden.
Fakt ist aber: Die Ziele des FC Bayern sind jetzt alle in Gefahr!
Bis bald,
Euer Stefan Effenberg
Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 gehört der 54-Jährige zum festen Experten-Team des STAHLWERK Doppelpass.