Er ist ein Wrestling-Bösewicht, der seine Rolle ausreizt wie womöglich kein anderer – nun aber hat sein Boss deutlich gemacht, dass er zu weit gegangen ist.

Tony Khan, Chef des WWE-Rivalen AEW, hat nach dem Pay Per View Revolution in der Nacht zum Montag öffentlich Kritik an seinem World Champion MJF geübt. Der Jungstar hatte während des Hauptkampfs gegen Bryan Danielson (den früheren Daniel Bryan von WWE) einen vollen Getränkebecher auf einen jungen Fan gekippt. (NEWS: Alle Neuigkeiten zum Thema AEW)

MJF richtete damit mehr an als von ihm selbst beabsichtigt, denn in dem Behälter war etwas anderes, als er geglaubt hatte.

MJF schüttete Getränk auf jungen Fan

MJF (Maxwell Jacob Friedman) hatte sich während seines 67 Minuten langen Titelkampfs gegen Danielson provokativ mit einer in der äußeren Reihe sitzenden Frau und deren jungen Sohn angelegt. Letztlich griff er sich kurzerhand den Getränkebecher, den die Frau in der Hand hatte und schüttete den Inhalt auf den Sohn.

Wie anwesende Reporter bald berichteten, handelte es sich bei der Aktion nicht um eine Inszenierung: Es gab in der Vergangenheit oft ähnliche Fake-Vorfälle mit so genannten „Plants“, von der Liga selbst am Ring platzierten Schauspielern, die keine echten Fans sind.

In dem Fall war es ein echter Fan – und was MJF nicht wusste: In dem Becher war kein Wasser, sondern anscheinend ein alkoholhaltiges Tequila-Getränk, das ihm teils in die Augen geriet und brennenden Schmerz verursachte.

AEW-Boss Tony Khan: „Nicht wie ein Champion verhalten“

Laut übereinstimmenden Medienberichten kümmerten sich Fanbetreuer von AEW – unter ihnen Amanda Huber, die Witwe des verstorbenen Brodie Lee / Luke Harper – um den Zuschauer. Er bekam Merchandise-Geschenke und eine Einladung zur nächsten TV-Show der Liga, AEW organisierte auch eine spontane Begegnung mit seinem Lieblingswrestler Powerhouse Hobbs.

Bei der Pressekonferenz nach der Show kam der Vorfall zur Sprache: Während MJF in seiner Rolle blieb („Das Kind sah durstig aus“), erklärte Promoter Khan: Er habe zwischen dem Match und der PK umgehend ein „ernstes“ Gespräch mit MJF geführt, die Sache sei „nicht auf die leichte Schulter zu nehmen“. MJF habe sich „nicht wie ein Champion verhalten“, anders als der Junge namens Titus, der den Übergriff letztlich mit Fassung getragen hätte.

MJF testet die Grenzen aus

Der 26 Jahre alte MJF ist bekannt für seine oft grenzwertigen Provokationen und den Hang, Realität und Fiktion seines Charakters auch außerhalb des Rings zu vermischen: Im vergangenen Jahr schrieb ein allem Anschein nach realer Konflikt mit Khan um sein Gehalt Schlagzeilen, zuletzt machte MJF auf sich aufmerksam, als er vor laufender Kamera die Trennung von seiner Verlobten enthüllte und als Story-Element in seine Fehde mit Danielson einfließen ließ.

Anders als Khan feierten in den sozialen Medien viele Fans die neueste kontroverse Aktion von MJF – Tenor: Genau so etwas mache einen „Heel“ aus.

Khan, Sohn des Milliardärs und Sportteambesitzers Shahid Khan (Jacksonville Jaguars, FC Fulham) wird die Kehrseite der Medaille allerdings bewusster sein: MJF hätte der Liga mit der Aktion auch eine gerade in den USA potenziell kostspielige Klage einhandeln können.