Droht Russland der Ausschluss von der Wüsten-WM?
Einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge erwägt die FIFA nun doch, die russische Nationalelf im Zuge des Krieges in der Ukraine für das Turnier in Katar auszuschließen. Cezary Kulesza, der Präsident des polnischen Fußballverbandes, würde das begrüßen.
Bei SPORT1 nimmt der 59-Jährige exklusiv Stellung zu den Diskussionen um eine mögliche Bestrafung der Russen, gegen die Polen Stand jetzt bei den Playoffs im März antreten soll. Außerdem spricht Kulesza über Robert Lewandowskis Solidarität mit den Ukrainern – sowie den Wirbel um die ungeklärte Zukunft des Weltfußballers.
SPORT1: Herr Kulesza, der polnische Fußballverband hat im Zuge des Krieges in der Ukraine klargemacht, nicht zu den WM-Playoffs gegen Russland antreten zu wollen. Die FIFA spielt auf Zeit, ein Ausschluss der Russen steht Berichten zufolge immerhin im Raum. Wie stehen Sie zu der bisherigen Haltung des Weltverbandes und dessen Präsident Gianni Infantino?
Cezary Kulesza: Wir verstehen und akzeptieren den Standpunkt der FIFA nicht. Wir fordern den Welt- und den europäischen Verband zu einer angemessenen Selbstreflexion auf. Ein Spiel mit einer Mannschaft durchzuführen, die das einmarschierende Land vertritt – selbst auf neutralem Boden und mit geändertem Namen und unter einer anderen Flagge – ist ein unwürdiges Verhalten gegenüber der ukrainischen Nation, die sich einer russischen Militäraggression ausgesetzt sieht.
SPORT1: Nicht nur der polnische Verband ist dieser Ansicht.
Kulesza: Ich bin sehr froh, dass andere Verbände unterstützen und Haltung zeigen. Bislang sind das Schweden, Tschechien, England, Wales und Albanien. Die Vertreter des Verbandes, die Fußballer, die gesamte Fangemeinde und die Öffentlichkeit haben einstimmig eine solche Entscheidung getroffen. Das ist sehr ermutigend. Ich hoffe natürlich, dass sich noch weitere Nationen anschließen. Die Fußballgemeinschaft muss diesen Test der Einigkeit bestehen. (Russlands Krieg gegen die Ukraine und seine Auswirkungen auf den Sport: Alle News im Ticker)
Lewandowskis Zeichen kann sehr wichtig sein
SPORT1: Polens wichtigster Fußballer Robert Lewandowski hat am vergangenen Samstag beim Spiel des FC Bayern in Frankfurt eine ukrainische Armbinde getragen. Wie wichtig ist es, dass Persönlichkeiten mit einer solchen Reichweite wie Lewandowski Zeichen setzen?
Kulesza: Symbole sind in der heutigen Welt sehr wichtig und können von großem Wert sein. Robert Lewandowski hat sich glorreich verhalten und seine Solidarität mit der angegriffenen ukrainischen Nation zum Ausdruck gebracht. Zuvor hatte er zusammen mit anderen Spielern unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass er sich nicht vorstellen kann, zu diesem Zeitpunkt gegen Russland zu spielen. In der Welt der sozialen Medien, in der die besten Spieler von Millionen von Fans auf der ganzen Welt verfolgt werden, haben solche symbolischen Aktionen eine extrem aufbauende und verbindende Kraft.
Der FC Bayern München offenbart in den vergangen Wochen immer wieder große Probleme in der Defensive. Im Hinblick auf die Champions League zweifeln die Experten am Rekordmeister.
SPORT1: Wie stehen Sie sportlich zu Lewandowski? Er hat vor kurzem angekündigt, noch einige Jahre spielen zu wollen. Auch in der polnischen Nationalmannschaft?
Kulesza: Robert Lewandowski ist wahrscheinlich der beste Spieler in der Geschichte des polnischen Fußballs! Ein großartiger Spieler, der durch Fleiß und Talent dorthin gelangt ist, wo er jetzt ist. Ich würde mir wünschen, dass er so lange wie möglich für die polnische Nationalmannschaft spielt, aber die Entscheidung liegt natürlich bei ihm selbst. Wir in Polen werden Robert immer und überall unterstützen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)
Das sagt Polens Fußball-Boss über einen möglichen Bayern-Wechsel
SPORT1: Um Lewandowski gibt es derzeit Wirbel. Sein Vertrag beim FC Bayern läuft noch bis 2023, der Verein hat ihm bislang noch kein Angebot gemacht. Würden Sie sich wünschen, dass Lewandowski langfristig in München bleibt? Oder denken Sie, dass ihm ein Wechsel in eine andere Top-Liga guttun würde?
Kulesza: Das muss Robert für sich selbst beurteilen und eine endgültige Entscheidung treffen. Wir in Polen, und davon bin ich überzeugt, werden ihn bis zum Ende seiner Karriere unterstützen, egal in welchem Verein er spielen wird. Robert ist großartig! (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)
SPORT1: Lewandowski kommt zehn Spieltage vor Saisonende bereits auf 28 Treffer in der Bundesliga. Trauen Sie ihm zu, seinen eigenen Torrekord von 41 Treffern in einer Saison zu brechen?
Kulesza: Robert hat schon oft bewiesen, dass es das Wort „unmöglich“ für ihn nicht gibt.
Alles zur Bundesliga bei SPORT1:
- Alle Bundesliga News
- Spielplan & Ergebnisse der Bundesliga
- Bundesliga Liveticker
- Tabelle der Bundesliga
- Bundesliga Highlight-Videos
- Statistiken der Bundesliga