Nach zwei Jahren und 40 Einsätzen für die erste Mannschaft der Bayern hat sich Josip Stanisic für den nächsten Schritt entschieden – eine einjährige Leihe zu Bayer Leverkusen. Dass die Münchner allerdings keine Kaufoption in die Leihe einbauen wollten, zeigt den Stellenwert, den der kroatische Nationalspieler mittlerweile an der Säbener Straße genießt.

Trotzdem entschieden sich die Bayern-Bosse dazu, dass man sportlich vorerst auf Stanisic verzichten kann, was in Anbetracht aktueller Entwicklungen durchaus überrascht. Denn nach Noussair Mazraoui wäre Stanisic der einzig verbleibende nominelle Rechtsverteidiger im Kader, sofern der wechselwillige Benjamin Pavard den Klub tatsächlich noch verlassen sollte – abgesehen vom keine Rolle spielenden Bouna Sarr.

Und auch als Linksverteidiger könnte Stanisic spielen, was den Bayern während des Ausfalls von Raphael Guerreiro zumindest kurzfristig hätte helfen können, um eine Alternativoption zu Alphonso Davies in der Hinterhand zu haben.

Stanisic selbst zeigte sich „verwundert“, dass die Bayern ihn gehen lassen haben. „Mir wurde in München klar kommuniziert, dass eine Leihe Sinn macht, um mich weiterzuentwickeln“, sagte er bei seiner Vorstellung.

Matthäus findet Leihe für Stanisic sinnvoll

Ex-Weltfußballer Lothar Matthäus, der auch 410-mal für den FC Bayern zum Einsatz kam, drückte bei SPORT1 im Gespräch jedoch sein Verständnis für die Leihe aus – zumindest aus der Spieler-Sicht.

„Er hatte zu wenig Einsatzzeiten“, betonte der 62-Jährige, der den Transfer für Stanisic durchaus sinnvoll findet. „Er ist ein Spieler, der natürlich spielen will und auch seine Ziele hat, die nicht nur bei Bayern München, sondern auch die kroatische Nationalmannschaft betreffend. Da sieht er seine Chancen in Leverkusen größer als beim FC Bayern.“

Zwar mauserte sich Stanisic in seiner Zeit bei den Bayern zum Nationalspieler für Kroatien, im Verein kam er jedoch nie über die Rolle des Lückenfüllers hinaus.

Matthäus erklärte, weshalb er Stanisic bei den Bayern mehr zugetraut hätte: „Er ist kroatischer Nationalspieler, hat sich entwickelt. Man konnte sich bei seinen Einsätzen – egal auf welcher Position – immer voll auf ihn verlassen.“

Starke Konkurrenz in Leverkusen

Doch auch in Leverkusen wird Stanisic keine Garantie auf einen Stammplatz haben. Eigentlich ähnelt die Situation sogar der in München, denn mit Neuzugang Alejandro Grimaldo (links) und Jeremy Frimpong (rechts) sind die Außenverteidiger-Positionen bestens besetzt.

„Auch in Leverkusen hat er starke Konkurrenz, da gibt es keinen Freifahrtschein für ihn“, sagte Matthäus deswegen. Nichtsdestotrotz traut er Stanisic zu, in Leverkusen auf deutlich mehr Spielzeit als in München zu kommen.

Möglicherweise könnte der Defensiv-Allrounder in Leverkusen in Anbetracht der stark besetzten Außenverteidiger-Positionen auch in der Innenverteidigung zum Einsatz kommen.

Gerade bei einer Fünfer-, beziehungsweise Dreierkette, wie sie Werkself-Trainer Xabi Alonso schon beim Bundesliga-Auftakt-Sieg gegen Leipzig spielen ließ, gäbe es für ihn drei Positionen, für die er infrage käme. Dort ist Konkurrenz mit Jonathan Tah, Edmond Tapsoda, Piero Hincapié sowie Odilon Kossounou zwar auch vorhanden, erscheint aber nicht so stark wie Frimpong und Grimaldo auf den Außenbahnen.

„Ich glaube, dass es Sinn macht“, stellte Matthäus klar. „Vor allem, wenn Bayern München sich dazu entschieden hat, dass man sportlich auf ihn verzichten kann.“

Und auch Stanisic selbst blickt optimistisch auf seine neue Aufgabe: „Jetzt freue ich mich, bei Bayer richtig Gas zu geben. Ich glaube, dass ich hier auf mehr Spielzeit komme, als es beim FC Bayern der Fall gewesen wäre.“

Bayern verliert nützlichen Kaderspieler, der schon Mbappé kaltstellte

Inwieweit der Transfer allerdings für die Münchner sinnvoll ist, bleibt abzuwarten. Schließlich war der Kroate, der vor drei Jahren noch in unauffälliger Rolle für Bayern II in der dritten Liga kickte, in den vergangenen zwei Saisons ein nützlicher Kaderspieler für die Bayern, der auch vor großen Herausforderungen nicht zurückschreckte.

Unter Beweis stellte Stanisic das im Champions-League-Achtelfinale gegen Paris Saint-Germain. Beim 2:0-Sieg im Rückspiel stand er in der Startelf und stellte Superstar Kylian Mbappé kalt (SPORT1-Note 1). Der Franzose hatte keine einzige zwingende Torchance, weil Stanisic ihn konzentriert verteidigte, woraufhin der Kroate von allen Seiten mit Lob überschwemmt wurde.

Wer seine Rolle als verlässlichen Lückenfüller nun bei den Bayern ausfüllt, bleibt erstmal offen. Ein sich anbahnender Abgang von Pavard und der nun vollzogene von Stanisic werden wohl kaum ohne eigene Aktivität der Bayern bleiben können.

Auf der anderen Seite freut sich Bayer-Coach Alonso, einen so vielseitigen und konstanten Mann für die Defensive für seinen Kader gewonnen zu haben.