Es ist eines der meistdiskutierten Themen im Weltfußball: Zeitspiel. Von den mindestens 90 Minuten Spielzeit verpufft ein großer Teil regelmäßig durch verschiedene Unterbrechungen. Um das Spiel in Zukunft vor allem für Fans attraktiver zu gestalten, planen die FIFA und das International Football Association Board (IFAB) nun offenbar weitreichende Regeländerungen, die schon zur WM im Sommer umgesetzt werden könnten.
Im Mittelpunkt stehen dabei Regelungen, die den Stillstand im Spiel so weit wie möglich entgegenwirken sollen. Einem Bericht von ESPN zufolge betreffen die Regelungen den Einwurf und den Abstoß. Dafür sollen Spieler künftig nur noch fünf Sekunden Zeit bekommen.
Von einer weiteren Maßnahme berichtet die BBC. Demnach könnten Spieler, die sich auf dem Feld einer Behandlung unterziehen, in Zukunft für eine Minute aus dem Spiel genommen werden, ehe sie wieder ins Geschehen eingreifen dürfen. Es werde erwartet, so heißt es, dass die Maßnahmen auf der Jahreshauptversammlung der IFAB am Samstag beschlossen werden.
Aktuell dürfen die Ligen ihre Vorschriften, wie lange ein verletzter Spieler an der Seitenlinie bleiben muss, noch selbst bestimmen. Im Januar wurde auf einer IFAB-Sitzung zunächst vereinbart, eine feste Regelung umzusetzen.
Im Dezember testete die FIFA beim Arabien-Pokal die Regeländerung erstmals. Allerdings mussten die Spieler dort sogar zwei Minuten warten, ehe sie nach einer Behandlungspause auf den Platz zurückkehren konnten.
Kritik an geplanter Regeländerung
Die Verkürzung auf lediglich eine Minute ist laut der BBC eine Reaktion auf kritische Beurteilungen und mögliche negative Auswirkungen.
Die britische Rundfunkanstalt verweist beispielhaft auf einen Vorfall bei Manchester United aus der vergangenen Saison. Im Spiel gegen den FC Brentford musste Matthijs de Ligt das Spielfeld trotz einer offensichtlichen Platzwunde verlassen. Ohne den Innenverteidiger kassierten die Red Devils bei einer anschließenden Ecke ein Gegentor.
Die Sorge: Auch wenn Spieler Verletzungen bewusst vortäuschen würden, um Zeit zu schinden, droht eine zeitliche Einschränkung tatsächlich verletzte Spieler stark zu benachteiligen. Auch der Druck auf die Schiedsrichter würde weiter gesteigert werden.
Allerdings soll die IFAB tatsächlich einige Ausnahmen für die Regelung planen. Wenn der Gegner eine Gelbe oder Rote Karte erhält, muss der verletzte Spieler das Feld offenbar nicht verlassen. Zudem sollen Torhüter und Elfmeterschützen ausgenommen sein.
Weitere Regeländerungen könnten folgen
Darüber hinaus plant die IFAB der BBC zufolge weitere Regeländerungen. Bei Auswechslungen soll zudem ein Zeitfenster von zehn Sekunden eingeführt werden, in dem der Spieler den Platz verlassen muss. Andernfalls darf der Ersatzspieler nicht eingewechselt werden. In diesem Fall müsste das Team mindestens 60 Sekunden lang und bis zur nächsten Spielunterbrechung in Unterzahl weiterspielen.
Weitere Befugnisse soll zudem der VAR erhalten, der künftig auch bei einer zweiten Gelben Karte eingreifen könnte und als optionale Wettbewerbsregel auch Ecken überprüfen dürfte.