Pep Guardiola schreit, wedelt mit den Armen, dann lacht er wieder.

Auf dem Gelände der University of Portland ist im Training des FC Bayern richtig Tempo drin. Anders als noch bei Station 1 der USA-Reise in New York kommt das Team immer mehr in Wettkampfmodus.

Der Trainer widmet sich besonders intensiv den Neuen im Team, spricht mit Robert Lewandowski, verteilt mal einen Klaps an Juan Bernat oder Sebastian Rode.

Für Guardiola und Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer geht es darum, die Neulinge auf Herz und Nieren zu prüfen. Man muss ja wissen, wie man aufgestellt ist, sollte es weitere Transfers geben – in die eine oder andere Richtung.

Angebliches Treffen mit Berater

Am Montagabend kamen in dieser Hinsicht neue Spekulationen auf – über einen Weggang von Verteidiger Jerome Boateng.

Der Radiosender der Madrider „Marca“ berichtet, dass der FC Barcelona den Verteidiger haben will, 39 Millionen Euro Ablöse stehen im Raum, von einem Treffen mit Boatengs Berater ist die Rede.

Auch Real Madrid habe sich in den Poker eingeschaltet, wenn auch womöglich nur um den Preis hochzutreiben.

Die Meldung schlug schnell hohe Wellen, Kontra kam auch zügig.

Karl-Heinz Rummenigge nennt die „Marca“-Berichte auf Anfrage der „Bild“-Zeitung „lächerlich“, auch die Zeitung „Sport“ in Barcelona schreibt, dass nichts dran sei.

Handelt es sich also um Unruhestifterei eines Real Madrid nahestehenden Mediums?

Mehrere Anfragen

Fakt ist: Boateng hat erst im Dezember seinen Vertrag bis 2018 verlängert. Aber in jedem Fall haben seine überzeugenden Vorstellungen bei der WM haben Begehrlichkeiten geweckt.

Nach SPORT1-Informationen sind seit dem Turnier mehrere Anfragen eingetrudelt – fraglich aber, ob der Klub sich darauf einlässt und nach Toni Kroos noch einen Weltmeister ziehen lässt.

Noch am Abend – zirka 22 Uhr deutscher Zeit – hat Guardiola in einer Pressekonferenz die Gelegenheit, Stellung zu beziehen.

Transferplus von 42 Millionen Euro

Aus finanzieller Sicht hat Bayern einen Verkauf Boatengs nicht nötig: Aktuell steht beim deutschen Rekordmeister ein Transferplus von 42 Millionen Euro zu Buche. Die Münchner gaben für 30 Millionen Euro Toni Kroos an Real Madrid und für 22 Millionen Euro Mario Mandzukic an Atletico ab.

Der Transfer von Juan Bernat kostete im Gegenzug zehn Millionen Euro, Superstar Robert Lewandowski und Juwel Rode kamen ablösefrei. Ergibt aktuell ein Plus von 42 Millionen Euro plus X.

Geld, um im ganz großen Stil zuzuschlagen ist also da. Und auch auf der Einkaufsseite gibt es ja ein ganz heißes Gerücht.

Angel Di Maria, der Wunschkandidat?

Kein geringerer als Angel di Maria soll der neueste Kandidat heißen – der Außenstürmer von Real, der im Champions-League-Finale den Unterschied machte.

Nach Informationen der seriösen „Times“ haben sich die Bayern bereits über die „persönlichen Bedingungen des Angreifers“ schlau gemacht. Und angeblich soll der Argentinier seinerseits von den Roten höchst angetan sein.

Kleines, nicht zu unterschätzendes Problem: Auch Manchester United und Paris St. Germain buhlen um di Maria. Angeblich soll der neue Klub von Louis van Gaal bereit sein, eine Ablöse von 69 Millionen Euro zu zahlen, und PSG könnte sogar noch eine höhere Summe locker machen.

FCB wehrt sich gegen Eitelkeiten

Dass der FC Bayern bei einem solchen Wettbieten mitmacht, ist kaum vorstellbar. Über Transfersummen will man sich an der Isar bewusst nicht definieren.

„In Spanien spielen Eitelkeiten zwischen den großen Klubs eine Rolle: Wer kauft am teuersten ein?“, erklärt Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im SPORT1-Interview und fügt an: „Solche Eitelkeiten leisten wir uns hierzulande nicht und das ist auch gut so.“

Andererseits: Der deutsche Vorzeigeklub könnte im Wettkampf mit PSG und United lachender Dritter sein, wenn die Klubs einen Rückzieher machen oder gar machen müssen.

Uniteds Planung ist längst noch nicht fix. Und die aus Katar gesponserten Pariser haben mit den Auflagen des Financial Fairplays zu kämpfen. Daher müssten die Franzosen mit Blick auf die Transferbilanz erst zwei Spieler verkaufen, um di Maria ablösen zu können.

Und die Bayern sprangen ja schon beim bisherigen Rekordtransfer von Javier Martinez über ihren Schatten und zahlten 40 Millionen Euro.

Eine Summe in dieser Kategorie, eventuell auch etwas darüber, wäre zumindest auch für di Maria denkbar.

Konkurrenz für Ribery und Robben?

Würde di Maria ein Bayer, wäre die Auswahl schlicht fabelhaft: Fürs offensive Mittelfeld kämen Mario Götze und Di Maria, dazu wahlweise Franck Ribery und Arjen Robben und natürlich Thomas Müller in Betracht.

Nervös müssen die Münchner Bosse – ob mit oder ohne Di Maria – nicht werden.

Schließlich kommt es bereits beim Testspiel gegen das All Star Team der MLS (7. August, 3.50 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US, Wiederholung ab 22.15 Uhr im TV auf SPORT1) zur Wiederzusammenführung des Traumduos Mario Götze und Robert Lewandowski.

Götze wird extra für die Partie nach Oregon eingeflogen, ebenso wie die übrigen fünf deutschen Weltmeister des Teams.

Jerome Boateng – so viel ist sicher – gehört auch zur Reisegruppe.

Mathias Frohnapfel, Jahrgang 1975, studierte in Passau und Florenz Politik-, Wirtschaftswissenschaft und Italianistik. Passion für den Calcio italienischer Prägung und die Serie A. Volontierte von 2002...