Jetzt spricht der Bundestrainer! Für Hansi Flick liegen die Hauptgründe des WM-Desasters in der schlechten Chancenverwertung und Schwächen in der Abwehr.
„Uns hat die Effizienz gefehlt. Defensiv war es nur Durchschnitt, da hatten wir zu wenig Kompaktheit“, sagte Flick im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst. (NEWS: Alles Wichtige zur WM)
Zweieinhalb Wochen nach dem Vorrunden-Aus in Katar sei „die Enttäuschung noch da“, besonders, wenn er die Spiele sehe: „Man denkt schon: Da hätten wir auch sein können. Wir müssen die Verantwortung dafür übernehmen, dass wir frühzeitig ausgeschieden sind. Es lässt sich leider nicht mehr ändern und es ist sehr, sehr schade.“
- Der WM Doppelpass mit Andreas Brehme – am Sonntag ab 11 Uhr LIVE im Free-TV und im Stream auf SPORT1
Ein Rücktritt sei für den 57-Jährigen „nie ein Thema“ gewesen. „Ich bin da absolut überzeugt. Die Kommunikation und Zusammenarbeit mit Bernd Neuendorf und Aki Watzke sind sehr gut, wir haben eine gute Basis“, sagte Flick. (Warum Flick weitermacht)
Flick erklärt Statement zu Bierhoff
Zu Spekulationen um seinen Rücktritt war es gekommen, nachdem Flick mit großer Enttäuschung auf den DFB-Abschied von seinem Freund und Ansprechpartner Oliver Bierhoff reagiert hatte. (Flick reagiert betroffen auf Bierhoff-Aus)
In sein Statement sei „viel hineininterpretiert worden“, meinte der ehemalige Bayern-Trainer nun: „Mir ging es nur darum, ihn noch mal zu würdigen. Wir sitzen hier im DFB-Campus, den es ohne ihn nicht gäbe. Unser Verhältnis war immer geprägt von Loyalität, Wertschätzung und totalem Vertrauen. Das wollte ich ausdrücken.“
Ob Bierhoffs Abschied für einen Aufbruch notwendig gewesen sei? „Das weiß ich nicht. Oliver hat dem deutschen Fußball sehr viel gegeben. Er wäre sicher kein Hindernis gewesen, um wieder erfolgreich zu sein.“
Flick kündigt Müller-Gespräch an
Und wie geht es mit Manuel Neuer, der sich zuletzt einen Unterschenkelbruch zugezogen hatte, und Thomas Müller weiter?
Mit Müller (33) wird Flick in den nächsten Tagen noch einmal sprechen: „Wir haben zwar schon kurz gesprochen, aber noch nicht im Detail. Das steht noch an.“ Der Routinier hatte sich nach dem Vorrunden-Aus bei der WM in Katar noch nicht konkret zu seiner Zukunft geäußert.
Zu Neuer sagte Flick: „Das tut mir sehr leid, weil es nach der WM noch mal eine Situation ist, die für ihn nicht einfach ist. Für ihn ist es jetzt das Wichtigste, dass er wieder fit wird und zu alter Form kommt.“ (Plant er mit Müller? Das sagt Flick)
Bundestrainer moniert: Konnten Matchplan nicht durchziehen
Flick ärgerte sich vor allem über das Sportliche: „Wir hatten nicht die Konstanz über 90 Minuten, unseren Matchplan zu 100 Prozent durchzuziehen. Das benötigen wir aber für die Zukunft, das ist enorm wichtig. Fehler wie in den letzten 30 Minuten gegen Japan darf man sich bei einer WM auf diesem Niveau nicht leisten.“
- Alle Tipps und Tricks zum Thema Sportwetten sowie die besten Boni, Quoten und Anbieter gibt es HIER | ANZEIGE
Größere Versäumnisse sieht Flick aber nicht. Hätte sein Team die Gruppenphase überstanden, dann wäre noch viel möglich gewesen, meinte er.
Der Bundestrainer sah sich nach und während der WM unter anderem mit dem Vorwurf konfrontiert, dass er sich nicht auf eine erste Elf festgelegt hatte. „Das sind keine Ausreden, aber wir hatten viele Spiele, in denen uns einige Spieler wegen Corona gefehlt haben oder aus anderen Gründen ausgefallen sind“, meinte er dazu.
Beim einzigen Testspiel Im Oman (auch hier wurde die Personal-Auswahl kritisiert) wollte Flick „eine Halbzeit mit der ersten Elf spielen und dann durchwechseln. Das ging aber nicht, weil wir nur sechsmal auswechseln durften. Wir haben uns dann für die Belastungssteuerung entschieden.“
Flick richtet sich an Fans: „Haben es kapiert“
Verbesserungsbedarf sieht Flick vor allem auch beim Blick auf die Fans. „Wir sind in der Bringschuld. Wir müssen wieder Begeisterung erzeugen. Jeder Spieler und jeder Trainer möchte von den Fans unterstützt werden. Aber wir wissen, dass die Grundstimmung, die durch die letzten Turniere ohnehin gedrückt war, durch unsere Vorstellung in Katar nicht besser geworden ist.“
Das wolle man ändern und den Fans beweisen: „Wir haben es kapiert. Wir sind stolz, für Deutschland spielen zu dürfen. Und wir freuen uns auf die Heim-EM.“
nHERE SHOULD BE OZ VIDEO – EMBED IT AGAIN WITH VIDEO ID: 56B9FE92-E5B6-4BF7-A786-44CAB7914D7D
nCAPTION: Hansi Flick zweifelt nach Bierhoff-Rauswurf an der Rückendeckung der DFB-Bosse
nDESCRIPTION: Hansi Flick bleibt Bundestrainer und hat in Zukunft mit Gegenwind zu rechnen. Sein Freund Bierhoff wurde entlassen, Vize-Präsident Watzke zeigt sich irritiert und der neue DFB-Direktor dürfte kritisch sein.
Flick hinterfragte auch, ob man in Deutschland alles dafür getan habe, „dass sich die Menschen auf die WM freuen konnten?“ Der Coach verwies dabei auf den WM-Titelverteidiger.
„Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat sinngemäß gesagt: ‚Der Fußball wird zu stark politisiert, unsere Spieler sollen sich auf den Fußball konzentrieren, Politik mache ich.‘ Das wäre auch ein gutes Zeichen für uns gewesen“, meinte Flick.
Flick spricht über „Politik“-Problematik
Die Stimmung in Katar sei „wahnsinnig stark“ gewesen. „Viele haben die Spiele geschaut, viele andere hatten Bedenken. Das Land war geteilt, und das ist schade, Fußball sollte ja verbinden.“ Auch vor Ort haben politische Themen für Wirbel gesorgt. Allem voran das Verbot der One-Love-Binde durch die FIFA, die das deutsche Team mit der „Mund-zu-Geste“ gekontert hatte.
Zu wenig Konzentration auf den Sport, hieß der Vorwurf im Nachgang: „Darauf sollte der Fokus auch bei uns wieder mehr liegen, dass wir für Deutschland möglichst erfolgreich Fußball spielen. Das ist unsere Aufgabe – es wäre schön, wenn man uns das zugesteht. Für die Politik sind andere ausgebildet“, machte Flick deutlich.
Den Expertenrat, den der DFB nach dem Bierhoff-Aus ins Leben rief, begrüßte Flick ausdrücklich. „Als Erstes muss man sehen, dass sie alle große Persönlichkeiten des deutschen Fußballs mit sehr viel Erfahrung sind, die genau wissen, worauf es ankommt. Ich finde es großartig, dass sie sich bereiterklärt haben, uns beratend zur Seite zu stehen.“
Es handele sich um eine gute Wahl für den „notwendigen Schulterschluss mit den Vereinen, weil klar ist, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein können. Es gibt außerdem noch einen zweiten Expertenkreis intern beim DFB mit Celia Sasic und Philipp Lahm, diese Kombination halte ich für sehr sinnvoll.“
Alles zur WM 2022:
- Alle News der WM 2022
- WM Liveticker
- WM Spielplan
- WM Tabelle
- Statistiken der WM
- Liveticker der deutschen Nationalmannschaft
- DFB-Team Spielplan
—–
Mit Sport-Informations-Dienst