Thomas Tuchel wirkte dann doch ein wenig angeschlagen. Bei weitem nicht so locker wie bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in Leverkusen. Trotzdem ging er am Samstagmittag konzentriert und ruhig auf die Fragen der Reporter ein.

„Es ist Sport auf höchstem Niveau. Wir wissen, was von uns verlangt wird, aber es ist am Ende auch nur Sport. Deshalb gehört auch immer eine positive Grundstimmung, Vertrauen und ein Lächeln dazu“, sagte Tuchel auf Nachfrage von SPORT1, doch ein Lächeln wollte ihm dabei nicht auf die Lippen kommen.

Zu angespannt ist die Lage in München. Zwei Niederlagen, zwei Titel in Gefahr, einer bereits futsch – es herrscht Alarmstimmung.

Ein angebliches Zitat von Thomas Tuchel hatte zuletzt für Wirbel gesorgt. Pressesprecher Dieter Nickles nutzt die Gelegenheit auf der Bayern-Pressekonferenz für eine Klarstellung.

Ein angebliches Zitat von Thomas Tuchel hatte zuletzt für Wirbel gesorgt. Pressesprecher Dieter Nickles nutzt die Gelegenheit auf der Bayern-Pressekonferenz für eine Klarstellung.

Tuchel musste harte Schläge hinnehmen

Doch Tuchel, in seiner Karriere schon mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert, ordnet die Dinge nüchtern ein: „Es ist sportlich unbefriedigend. Auch, weil die Ergebnisse fehlen. Ich war aber auch vorher nicht hundert Prozent zufrieden, wie wir wirken und unser Spiel aussieht.“

Bombenanschlag in Dortmund, Corona bei PSG, Eigentümerwechsel beim FC Chelsea infolge des Ukraine-Kriegs – Tuchel weiß besser als andere Trainer, dass es auch neben dem Platz harte Schläge geben kann, die die Arbeit schwer oder sogar unmöglich machen.

Insofern sieht sich der 50-Jährige diesmal nur einer sportlichen Krise gegenüber. „Ich kann die Kritik komplett nachvollziehen“, sagt Tuchel darüber. Seine Freunde und Familie treffe der Unmut der Öffentlichkeit aber härter. Denn er selbst ziehe sich in seine Blase zurück. Er habe den besten Überblick und lese deswegen gar nichts über sich und die Mannschaft. „Ich bin nicht naiv“, so Tuchel.

Bosse lassen Tuchel vorerst nicht fallen

Dass der Bayern-Trainer sich jetzt voll auf den Sport konzentrieren kann, liegt auch an den Spielern und Bossen des Rekordmeisters. Es ist spürbar, dass sich öffentlich niemand zu irgendwelchen Attacken oder Ultimaten hinreißen lässt.

Thomas Müller betonte in Rom, dass es von Spielerseite sicherlich keine Trainerdiskussion geben werde. Seine Botschaft: „Das ist ein Stück weit respektlos!“

Das wirkt auch deswegen sehr glaubwürdig, da nach SPORT1-Informationen Tuchel vereinsintern zwar hinterfragt wird, aber nicht vor der Entlassung steht.

Einen Schnellschuss wie bei Julian Nagelsmann vor fast einem Jahr soll es diesmal definitiv nicht geben. Tuchel steht in Bochum (17.30 Uhr im SPORT1-LIVETICKER) also nicht vor einem Endspiel.

Eberl mitentscheidende Figur

Vielmehr steht er vor Endspiel-Wochen. Die anstehenden Aufgaben in der Liga beim VfL, gegen Leipzig und in Freiburg sind entscheidend. Hinzu kommt am 5. März das Rückspiel gegen Lazio – dann soll entschieden werden, ob und wie es mit Tuchel weitergeht. Auch Max Eberl soll dann SPORT1-Infos zufolge ein Mitspracherecht bekommen. Er wird am 26. Februar als Sportvorstand berufen und soll direkt ins Geschehen beim FCB eingreifen.

Am liebsten wäre es den Bossen, Tuchel würde die Kurve kriegen und man beratschlagt nach der Saison die Zukunft.