Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich am Samstag auf seiner Mitgliederversammlung in Frankfurt in der Russland-Frage hinter das Internationalen Olympischen Komitee gestellt – und damit eine Kehrtwende vollzogen.

Demnach soll es russischen und belarussischen Athletinnen und Athleten nun doch erlaubt sein, künftig an Olympischen Spielen teilzunehmen, sofern sie in einem neutralen Status ohne Hymne, Flagge und nationale Hoheitssymbole an den Start gehen, sich nicht für den Überfall auf die Ukraine ausgesprochen haben und ins Anti-Doping-Kontroll-System eingebunden worden sind.

Johannes Vetter beim ISTAF in Berlin im September 2021
Johannes Vetter beim ISTAF in Berlin im September 2021Johannes Vetter beim ISTAF in Berlin im September 2021

„Das ist die Meinung des deutschen Sports“, sagte Präsident Thomas Weikert – und begab sich damit auf Konfrontationskurs mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser, die kürzlich im Gespräch mit der FAZ betont hatte, dass für sie weiterhin die ukrainischen Athleten im Vordergrund stehen.

„Kein Vertrauen mehr in den russischen Leistungssport“

Im olympischen Wettkampf gegen einen russischen Athleten anzutreten – vor allem für die ukrainischen Sportler wäre dies wohl undenkbar.

Wie aber bewerten deutsche Athleten die Umkehr des DOSB? SPORT1 fragte bei Speerwurf-Ass Johannes Vetter nach, der nach fast zwei Jahren Leidenszeit in der kommenden Saison wieder angreifen will – und die Spiele in Paris fest im Blick hat

„Ich persönlich habe eine sehr gespaltene Meinung“, sagte der Weltmeister von 2017. „Der russische Leistungssport war schon immer tief mit dem russischen Militär verwurzelt.“ Abgesehen davon habe er „seit Sotschi 2014 sowie kein Vertrauen mehr in den russischen Leistungssport.“

Teilnahme nur unter speziellen Voraussetzungen

Unter ganz speziellen Voraussetzungen kann sich Vetter aber einen Start doch vorstellen: „Für die im Ausland trainierenden russischen Athleten, die sich regelmäßigen, internationalen Dopingkontrollen unterwerfen und sich von dem Krieg in der Ukraine distanzieren, kann es auch Sonderlösungen geben.“

Vetter: „Ich bin weiterhin optimistisch, dass der Sport die Menschen zusammenbringen kann und ein Botschafter des Friedens ist.“

Bereits Ende November hatte sich Para-Star Markus Rehm bei SPORT1 zu der Thematik geäußert. Dabei hatte er für sich ein gemeinsames Foto mit russischen Athleten ausgeschlossen.

Johannes Fischer wuchs in Mailand vor den Toren von San Siro auf und bekam dort in den 80er-Jahren die gesammelte Weltelite des Fußballs zu sehen. Studierte nach dem Abitur an der Sporthochschule in Köln...