Braucht eine Traditionsdisziplin der Leichtathletik eine Veränderung?
In Fachkreisen wird derzeit diskutiert, ob im Hürdenlauf ein nicht unwesentlicher Einschnitt sinnvoll ist – eine Erhöhung der momentan 84 Zentimeter hohen Hürden ist im Gespräch.
Vor dem Golden-Spike-Sportfest im tschechischen Ostrau haben sich nun 100-m-Hürden-Olympiasiegerin Jasmine Camacho-Quinn (Puerto Rico) und die nigerianische Weltrekordlerin Tobi Amusan in die Debatte eingeschaltet.
Ihre Meinung? Bitte nicht.
Höhere Hürden in der Leichathletik? Stars dagegen
„Ich sehe keine Sinn darin, die Hürden höher zu machen“, befand Camacho-Quinn: „Was erwarten sich die Leute davon? Sie würden nur noch zusehen, wie wir ständig nach oben springen. Dabei geht es um eine Feinabstimmung des Rhythmus von Geschwindigkeit und Technik.“
Rivalin Amusan brachte ihren Standpunkt derweil in aller Kürze auf den Punkt: „Erhöht die Hürden bloß nicht.“
„Elf Sekunden? Auf jeden Fall“
Ein weiteres Thema, zu dem die beiden Stellung bezogen: Ist der erste 100-m-Hürdensprint einer Frau unter zwölf Sekunden nur noch eine Frage der Zeit?
„Nichts ist unmöglich. Elf Sekunden? Auf jeden Fall“, sagte Amusan. Auch Camacho-Quinn hält den Durchbruch der Schallmauer für realistisch. „Es ist möglich, und ich hoffe, dass es in unserer Zeit passiert“, meinte die 26-Jährige.
Seit Amusans Halbfinalsieg bei der WM im Vorjahr in Eugene/US-Bundesstaat Oregon steht der Weltrekord bei 12,12 Sekunden. Im Endlauf war die ebenfalls 26-Jährige sogar noch sechs Hundertstelsekunden schneller zum Titel gelaufen, allerdings lag der Rückenwind dabei über dem erlaubten Grenzwert.
Als erste Frau unter der damals „magischen Marke“ von 13,0 Sekunden war die aus Magdeburg stammende DDR-Athletin Karin Balzer vor mehr als einem halben Jahrhundert im Juli 1969 in Ostberlin in handgestoppten 12,9 Sekunden geblieben. Den ersten Weltrekord im Zeitalter der elektronischen Zeitmessung hatte Balzers Teamkollegin Annelie Ehrhardt aus Hötensleben 1972 bei der Olympia-Premiere des Hürdensprints in München bei ihrem Goldmedaillengewinn in 12,59 Sekunden aufgestellt. Die deutsche Bestmarke von 12,42 Sekunden hält die ehemalige DDR-Athletin Bettine Jahn (Karl-Marx-Stadt/Chemnitz) seit Juni 1983.