Die ganz großen Schlagzeilen aus der Premier League produzierten in dieser Transferperiode andere als der FC Liverpool.

Der FC Chelsea zum Beispiel, der Romelu Lukaku für eine Ablösesumme von 115 Millionen Euro von Inter Mailand losgeeist hat.

Oder Manchester City. Der Klub von Trainer Pep Guardiola ließ sich Jack Grealish von Aston Villa 118 Millionen Euro kosten. (NEWS: Alles zum Transfermarkt im SPORT1-Transferticker)

Auch Manchester United sei an dieser Stelle noch erwähnt. 80 Millionen Euro haben sich die Reds die Dienste von Jadon Sancho von Borussia Dortmund kosten lassen, dazu packte United für Raphael Varane noch mal 50 Millionen drauf. Und dann wäre da ja noch ein gewisser Cristiano Ronaldo, der von Juventus Turin zu seinem Ex-Klub zurückkehrte.

Und der FC Liverpool? Spielte das Sparbrötchen was die großen Transfers angeht.

Teamchef Jürgen Klopp, hierzulande in der öffentlichen Wahrnehmung zuletzt eher aufgefallen durch seine Erklärung, warum er nach 46 Jahre nun keine Brille mehr braucht (Antwort: Sehschwächen-Korrektur), und die Reds haben schlichtweg die Füße still gehalten.

Klopp kritisiert Konkurrenz: “Keine Grenzen”

Ein Vorgehen, das System hat.

Während sie anderswo Elogen halten über das Geld-Ausgeben mit seinen schwindelerregenden Summen (Stichwort Paris-Saint-Germain), herrscht beim englischen Meister von 2020 und Champions-League-Sieger von 2019 eher Irritation.

“Sie haben offensichtlich keine Grenzen. Wir haben welche”, sagte Klopp unlängst etwa über Manchester United.

Die Marschroute, die Liverpool verfolgt ist, sieht anders aus – und deckt sich gewissermaßen mit dem, was der FC Bayern in der Bundesliga praktiziert.

Statt irrer Summen für Neuverpflichtungen wird das Geld in die Arbeitspapiere der Anführer gesteckt.

Zur Erinnerung: An der Säbener Straße war bereits im Mai beschlossen worden, nach der Verpflichtung des Leipziger Verteidigers Dayot Upamecano (42,5 Millionen) keine weiteren Großtransfers mehr zu tätigen. Lediglich Last-Minute-Neuzugang Marcel Sabitzer (15 Millionen Euro) kam noch hinzu.

Stattdessen gab es Vertragsverlängerungen von Joshua Kimmich, dem FCB-Kapitän der Zukunft, oder Eric Maxim Choupo-Moting. Der neue Deal mit Leon Goretzka wird nach SPORT1-Informationen bald verkündet werden. Dazu wurden bereits im Vorjahr schon bei Manuel Neuer, Thomas Müller und Alphonso Davies vorzeitig Nägel mit Köpfen gemacht.

Liverpool setzt auf seine Anführer

Ähnlich verhält es sich nun in Liverpool: Erst vor wenigen Wochen verlängerten die Verantwortlichen die Verträge mit Trent Alexander-Arnold, Fabinho und Keeper Alisson Becker, setzten auch mit der Personalie Virgil van Dijk ein Zeichen.

Der Abwehrchef und zugleich teuerste Defensivakteur der Welt war zwar fast die komplette Vor-Saison verletzt – doch nach seiner Rückkehr ist die Botschaft klar: Den Kern der Mannschaft zusammenhalten, die Leistungsträger langfristig binden.

Dazu kommt noch die verkündete weitere Zusammenarbeit mit Andy Robertson sowie Kapitän Jordan Henderson. Auch bei Sadio Mané soll sich der Klub bereits weitgehend auf eine Verlängerung geeinigt haben, mit Mohamed Salah stehen die Zeichen ebenso auf baldigen Vollzug.

„Ich fühle mich natürlich sehr geehrt und bin stolz darauf, den Weg, den ich hier bereits eingeschlagen habe, fortzusetzen“, sagte Henderson auf der Webseite des Klubs.

Was man dem Kapitän ohne Frage abnimmt.

Klopp verweist auf Konaté

Bleibt die Frage, ob Liverpool mit dem bestehenden Kader konkurrenzfähig ist im Kampf um die Meisterschaft oder Europas Krone. Der Start in die Saison ist mit sieben Punkten aus drei Spielen jedenfalls geglückt.

Und so ganz untätig war Liverpool am Ende dann ja doch nicht, wie Welttrainer Klopp betonte: “Dieses Jahr haben wir mit Ibrahima Konaté schon Geld ausgegeben, bevor wir welches eingenommen haben, weil nach der letzten Saison klar war, dass wir auf dieser Position überhaupt kein Risiko eingehen können.”

Christian Paschwitz, Jahrgang 1976, volontierte einst Ende der Neunziger bei der Deister- und Weserzeitung in Hameln und war dort auch lange Redakteur. 2004 dann Wechsel als Redakteur zur Leine-Zeitung,...