Im Biathlon kommt es immer wieder zu Nationenwechseln einzelner Athleten. Auch Dmitrii Shamaev verließ 2021 aufgrund mangelnder Chancen das russische Team und ging nach Rumänien.
In dem Land, das nicht gerade für seine herausragenden Erfolge auf der Biathlon-Bühne bekannt ist, steht der 28-Jährige in der Vorbereitung auf die neue Weltcup-Saison vor besonderen Herausforderungen.
„Die Bedingungen in Rumänien sind nicht die besten. Es gibt viele Touristen, die mit ihren Autos oder auch zu Fuß neben unserer Laufstrecke unterwegs sind. Jede Trainingseinheit kann deine letzte sein“, beschrieb Shamaev dem russischen Sender MatchTV die Umstände in seiner Wahlheimat.
Auch Tiere behindern offenbar das Training der rumänischen Biathleten. „Die Bären rennen hier wie Hunde durch die Straßen. Neun Bären leben direkt neben der Anlage, wo ich regelmäßig trainiere“, verriet Shamaev.
Rumänische Biathleten durch Bären gestört
„Wenn wir nach dem Abendessen alle auf unsere Zimmer gehen und es dunkel wird, kommen die Bären raus. Sie laufen dort entlang, wo wir eine Stunde vorher noch trainiert haben und suchen nach Nahrung. Deshalb gefällt es mir dort nicht wirklich.“
Zwischenzeitlich trainierte der zweimalige Juniorenweltmeister auch wieder in seiner alten Heimat Russland, da die Anlagen in Rumänien nur bedingt den Standards des Biathlonsports entsprechen. Die Trainingsbedingungen in Russland waren für Shamaev aber auch nicht perfekt: „Ich habe keine Waffe hier. Ich trainiere wie ein Langläufer, weil meine Waffe in Rumänien ist und es schwer ist, sie über die Grenze zu bekommen. Dafür braucht man spezielle Dokumente“, klagte er.
In der vergangenen Weltcup-Saison sicherte sich Shamaev im rumänischen Trikot immerhin sieben Mal einen Platz unter den Top 50. Seine sportlichen Leistungen bleiben jedoch in Rumänien weitgehend unbemerkt.
Biathlon: Der „unpopulärste Sport“ in Rumänien
Biathlon sei im Land der „unpopulärste Sport“ überhaupt. „Manchmal sitze ich in einem Taxi und werde gefragt, was ich mache. Wenn ich dann Biathlon sage, fragen mich die Fahrer: ‚Was ist das?‘“, schilderte Shamaev seine Erfahrungen.
Zudem werden die Biathlon-Rennen zwar im rumänischen Fernsehen gezeigt, aber rumänische Berichterstatter seien laut dem Athleten nie vor Ort. „Während Reporter aus anderen Ländern in der Mixed Zone ihre Athleten befragen, gehen wir einfach durch. Auf uns wartet nie jemand“, erklärte Shamaev.
Finanziell hat sich der Wechsel des gebürtigen Russen nach Rumänien nicht wirklich ausgezahlt. Die Biathleten dürfen ihr gewonnenes Preisgeld behalten, doch für den 28-Jährigen war das in der letzten Saison überschaubar: „Ich habe 2500 Euro gewonnen und wahrscheinlich 4000 bis 5000 Euro nur für meine Skier ausgegeben. In der rumänischen Nationalmannschaft geht quasi mein ganzes Gehalt für das Training, das Material und die Reisekosten drauf.“
Im Grunde investiere er all sein Geld in sich selbst und den Sport, resümierte Shamaev. Trotzdem blickt er optimistisch in die Zukunft und verfolgt ein ambitioniertes Ziel: „Mein Ziel ist eine Medaille bei den Europameisterschaften. Bis ich dieses Ziel erreicht habe, werde ich keine Pause machen“, kündigte er an.