Mit ordentlich Selbstvertrauen und Rückenwind stieß Ilkay Gündogan vergangene Woche zur Nationalmannschaft in Frankfurt dazu. Der 32-Jährige hat eine historische Saison mit Manchester City hinter sich, in der er erstmals in der Vereinsgeschichte die Champions League gewinnen konnte.
Bei der 0:1-Niederlage in Polen blieb Gündogan noch 90 Minuten auf der Bank, im abschließenden Testspiel gegen Kolumbien (ab 20:45 Uhr im LIVETICKER) wird er hingegen von Beginn an auf dem Rasen stehen.
Für den Deutsch-Türken ist das Länderspiel gegen die Südamerikaner ein ganz Besonderes. Erstmals seit über vier Jahren wird er wieder ein Fußballspiel in seiner Geburtsstadt bestreiten – nach Auftritten für den BVB und Manchester City nun auch erstmals für die Nationalmannschaft.
Schalke lässt Gündogan-Traum platzen
Die Rückkehr auf Schalke ist für Gündogan etwas ganz Besonderes, schließlich war er einst selbst stolzes Mitglied der Knappenschmiede – mit dem Traum, Bundesligaprofi beim FC Schalke zu werden. Aufgewachsen im Gelsenkirchener Stadtteil Heßler erlernte er beim ortsansässigen Sportverein das Fußballspielen, ehe er 1998 im Alter von acht Jahren ein Angebot vom großen FC Schalke bekam, in die Jugendakademie zu wechseln.
„Ich hatte gerade den Traum von jedem Kind in Gelsenkirchen erreicht: Ich hatte einen Platz in der Knappenschmiede. Ich war so stolz, das Wappen zu tragen, es war einfach nur ein unglaubliches Gefühl“, erinnerte er sich in einem Beitrag bei The Player‘s Tribune.
Doch nach schneller Euphorie sollte Ernüchterung einkehren. Eine Verletzung am Knöchel zwang den damals jungen Ilkay zu sechs Monaten Fußball-Pause, die ihm letztlich eine Zukunft bei Königsblau verwehren sollte. „Schalke ließ mich gehen. Oder, um es so auszudrücken, wie ich mich fühlte: sie packten mich am Kragen und warfen mich raus!“.
„Sagt nein zu ihnen, ich werde nicht gehen“
Wie der DFB-Star 2021 im Gespräch mit Spox und Goal verriet, sei er lange Zeit danach nicht gut auf Schalke zu sprechen gewesen. Nach seinem Aus bei Königsblau zog es ihn zurück zu seinem Heimatverein SV Heßler, wo er anschließend wieder von 1999 bis 2004 spielte. Offenbar so gut, dass Schalke nur vier Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme wieder versuchte, ihn zu verpflichten.
„Sagt nein zu ihnen, ich werde nicht gehen“, erzählte Gündogan, bei dem der Stachel des Rauswurfs immer noch tief saß, von seiner Reaktion. „Ich denke, meine Eltern haben mich irgendwie verstanden – aber auch nicht wirklich. Dies war ein weiterer Riss in meinem Traum, also warum weigerte ich mich, ihn anzunehmen? Aber Schalke war meine erste Ablehnung gewesen, und es tat wirklich weh.“
Es folgte schließlich der Schritt zu einem anderen Gelsenkirchener Verein, dem SSV Buer, ehe Gündogan über Bochum, Nürnberg und Dortmund den Schritt in die Weltklasse schaffte. In der Nationalmannschaft soll der 32-Jährige nun eine ähnlich tragende Rolle wie in Manchester einnehmen – und die DFB-Auswahl bei der Heim-EM im nächsten Jahr weit bringen.