Der Olympia-Ausschluss des Box-Weltverbands IBA hat zu einer wütenden Reaktion der skandalbehafteten Organisation geführt.

Die von dem russischen Präsidenten Umar Kremlew geführte IBA erklärte, das IOC habe „einen gewaltigen Fehler“ begangen, der „katastrophal für das Boxen“ sei. Der geschasste Boxverband und ging so weit, den Schritt mit der Invasion der Sowjetunion durch Nazi-Deutschland im 2. Weltkrieg zu vergleichen.

„Es ist bemerkenswert, dass das faschistische Deutschland heute vor 82 Jahren die friedlichen Bürger der Sowjetunion angegriffen hat“, schrieb die IBA – und stellte den deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach so auf krude Weise in eine Reihe mit Adolf Hitler.

Dazu stellte die IBA dem IOC ein Ultimatum und forderte die Ringe-Organisation zur Antwort auf fünf offene Fragen binnen zehn Tagen auf.

Thomas Bach und das IOC greifen gegen Box-Verband IBA durch

Die IOC-Vollversammlung hatte am Donnerstag bei ihrer 140. Sitzung die IBA in einem beispiellosen Schritt ausgeschlossen und folgte damit einer entsprechenden Empfehlung der Exekutive vom 7. Juni. Nie zuvor hatte das IOC über einen Dachverband einer olympischen Sportart den Daumen gesenkt.

„Wir haben kein Problem mit der Sportart Boxen, den Boxern oder ihren Werten. Wir schätzen die Werte des Boxens sehr“, sagte Bach: „Aber wir haben ein extrem ernstes Problem mit der IBA. Die Boxer verdienen es, von einem Verband vertreten zu werden, der Integrität und Transparenz lebt.“

Seit 2019 ist die IBA vom IOC wegen „mangelnder finanzieller Transparenz“ und „fehlender Integrität der Schiedsprozesse“ suspendiert gewesen. In Tokio 2021 organisierte eine vom IOC eingesetzte Taskforce die Wettkämpfe. Gleiches ist für Paris 2024 geplant. Das IOC gab am Donnerstag auf Nachfrage zudem die Zusage, dass Boxen auch 2028 in Los Angeles zum Programm gehören wird. Dies galt bislang als unsicher.

Umar Kremlew nicht der erste Skandal-Präsident

Der Verband IBA (ehemals: AIBA) hat eine lange Skandalgeschichte, zu der auch die Vorgänger des 2020 gewählten Kremlew beigetragen haben: Dem zwischen 2017 und 2019 amtierenden Usbeken Gafur Rachimow wurden Verstrickungen in die organisierte Kriminalität vorgeworfen, Kremlew lenkt den Blick auch stark auf den von 2006 bis 2017 Taiwanesen Chin-Kuo Wu, in dessen Amtszeit auch der Ringrichter-Skandal bei Olympia 2016 gefallen war.

Kremlew präsentierte sich anfangs als Reformer und milderte die langjährigen Finanzsorgen der IBA, indem er den russischen Staatskonzern Gazprom ins Boot holte – was vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs aber auch neue Fragen aufwarf. Im Kontext des Konflikts suspendierte die IBA den ukrainischen Verband unter Angabe undurchsichtiger Gründe.

Der gewaltige Sumpf aus Chaos, Misswirtschaft und politischen Fragwürdigkeiten ist so gewaltig geworden, dass das IOC – dessen Position zu Russland und dem russisch-ukrainischen Krieg selbst Stoff für kontroverse Diskussionen liefert – sich zu einem drastischen Durchgreifen veranlasst sah.

Zuletzt hatten im Kampf um den olympischen Fortbestand ihres Sports mehrere nationale Verbände den neuen internationalen Verband World Boxing gegründet, darunter der Deutsche Boxsport-Verband (DBV). Als Reaktion wurde unter anderem der DBV von der IBA suspendiert.